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Hotels für Dresdens Bienen und Schmetterlinge

In den begrünten Anlagen in Kaditz fühlen sich Bienen, Vögel und andere Tiere wohl. Sie sind ein Ersatz für ursprüngliche Natur. Jetzt gibt es weitere Pläne.

Solche Insektenhotels wurden in der Kaditzer Kläranlage aufgebaut. So gibt es dort immer bessere Bedingungen für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten.
Solche Insektenhotels wurden in der Kaditzer Kläranlage aufgebaut. So gibt es dort immer bessere Bedingungen für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten. © Peter Hilbert

Dresden. Sie werden weniger, die Insekten. Ihr Aufkommen sei in den vergangenen Jahren um rund 70 Prozent zurückgegangen, sagt etwa der Dresdner Naturexperte Steffen Keller. Bei der Stadtentwässerung weiß man das und reagiert. So achten sie beim Ausbau des Klärwerks in den vergangenen Jahren auf ausreichend Grün für die Anlage. Thomas Schöniger kümmert sich darum. Der 51-Jährige ist als Stabsstellenleiter für den Betrieb der Gebäude, die Pflege der Flächen und auch für das Energiemanagement zuständig. Der Diplom-Ingenieur für Haustechnik leitet zudem die achtköpfige Umwelt-Arbeitsgruppe mit Vertretern aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens.

"In den vergangenen Jahren haben wir viel erreicht", sagt er. So gibt es immer bessere Bedingungen für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Seit 2018 haben sie in vier großen Insektenhotels ein Domizil in der Kläranlage. Sie stehen neben der Kantine an der Zufahrt, an den Vorklärbecken und an den Belebungsbecken neben der Autobahn A 4.

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Diese Hotels für Wildbienen sind ein Ersatz für verwilderte, ursprüngliche Natur.
Diese Hotels für Wildbienen sind ein Ersatz für verwilderte, ursprüngliche Natur. © Peter Hilbert

Auf die Idee kamen Mitarbeiter von Sachsens einziger Wildvogel-Auffangstation, die Naturexperte Steffen Keller aufgebaut hat. Sie wird vom Umweltzentrum Dresden im Klärwerk betrieben. Die speziellen Hotels sind nötig. Schließlich sei das Aufkommen an Insekten in den vergangenen Jahren um rund 70 Prozent zurückgegangen. "Sie finden kaum noch blühende Flächen und Nistmöglichkeiten in hohlen Bäumen", sagt Schöniger. Eigentlich nisten sie in Totholzstämmen und anderen Möglichkeiten, die die Natur bietet. Doch die werden von Menschen beräumt. Außerdem werden bei der Sanierung von Häusern immer mehr Fugen verschlossen, wo Insekten ihr Domizil hatten. Ein Insektenhotel sei nichts anderes als der Ersatz für die verwilderte, ursprüngliche Natur.

In der Holzwerkstatt der Wildvogel-Auffangstation werden die Insektenhotels gebaut.
In der Holzwerkstatt der Wildvogel-Auffangstation werden die Insektenhotels gebaut. © Peter Hilbert

In der Holzwerkstatt der Wildvogel-Auffang-Station wurden die Insektenhotels für die Kläranlage gebaut und 2018 aufgestellt. Sie bestehen aus einem Holzrahmen, der mit Baumstämmen, Holzquadern, Stroh und anderen natürlichen Materialien gefüllt ist. Im Holz bieten Bohrungen verschiedener Größen von sechs bis 15 Millimetern Platz für verschiedene Insekten, erklärt Schöniger. "Sie legen ihre Eier ab und verschließen ihre Bruthöhlen, sodass sie geschützt sind." So kann im Frühjahr die nächste Generation neuer Insekten schlüpfen. Dort fühlen sich besonders Wildbienen wohl, von denen es insgesamt 500 Arten gibt. "Da Insekten auch in der Erde brüten, wurden für sie am Unterteil Lehmkästen aufgestellt", sagt er.

Sobald die Insektenhotels standen, kamen die ersten Bienen und Schmetterlinge. "Nach drei Jahren sind sie gut besiedelt", resümiert der Stabsstellenchef. Mitarbeiter der Wildvogel-Auffangstation würden die Anlagen regelmäßig kontrollieren, sodass verschlissene oder kaputte Teile erneuert werden. Naturexperte Steffen Keller hat schon die nächste Idee. So sollen Insektenhotels für Regenrückhalte-, Regenklär- und Regenversickerungsbecken der Stadtentwässerung entstehen.

Dieses und die anderen Insektenhotels sind nach Jahren gut besiedelt.
Dieses und die anderen Insektenhotels sind nach Jahren gut besiedelt. © Peter Hilbert

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