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"Ich will kein Geld für mobile Lüfter ausgeben"

Er hat andere Konzepte, um Schulen auf eine vierte Corona-Welle vorzubereiten, sagt Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser im SZ-Gespräch.

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) erklärt im SZ-Interview, weshalb Kritik von Eltern an ihm berechtigt ist.
Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) erklärt im SZ-Interview, weshalb Kritik von Eltern an ihm berechtigt ist. © Sven Ellger

Dresden. Um auf eine mögliche vierte Corona-Welle vorbereitet zu sein, plant Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) ein Stressszenario für Kitas und Schulen. Damit will er die Einrichtungen möglichst lange offenhalten, erklärt er im SZ-Interview.

Außerdem erklärt er, wie Problem-Schulen besser unterstützt und die Jugendhilfe wegen der Pandemie umgekrempelt werden soll.

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Herr Donhauser, weshalb sträuben Sie sich gegen Lüftungsanlagen in Schulen?

Wir sind derzeit dabei, die Schulen auf eine mögliche vierte Corona-Welle vorzubereiten. Für mich stehen dabei vor allem diese Maßnahmen im Vordergrund: Hygienekonzepte, Impfen, Testen und ein strenges Lüftungsregime. In den Ferien werden wir uns aber vor allem die Grundschulen ansehen, wo es schlecht belüftete Klassenzimmer gibt. Dort könnten mobile Geräte zum Einsatz kommen. Die Einschätzungen von Experten gehen bei den Raumlüftungsanlagen bezüglich der Wirksamkeit weit auseinander. Und es bleibt immer dabei: Wir müssen lüften, so oder so. Deshalb bin ich hier etwas verhalten. Ich habe kein Interesse, Geld für mobile Anlagen auszugeben, die dann ungenutzt herumstehen. Zudem arbeiten wir an einem Stressszenario für Kitas und Schulen.

Was bedeutet das konkret?

Wir wollen ableiten können, wie wir reagieren müssen, wenn die Inzidenz in Dresden möglicherweise wieder stark ansteigt. Dafür soll auch in Zusammenarbeit mit dem Land eine Vorlage erstellt werden, die uns aufzeigt, wo es Defizite gibt und wo nicht. Es ist eine Art Handlungsleitfaden, um Schließungen und auch Wechselunterricht möglichst zu vermeiden. Denn es versteht keiner, wenn vormittags kein Unterricht stattfindet, der Hort aber im Notbetrieb geöffnet hat. Schulen und Kitas sind die am besten gesicherten Gemeinschaftseinrichtungen und es gibt kein Gutachten, das besagt, dass die Infektionsrate in Schulen besonders hoch ist. Die Infektionen erfolgen meistens außerhalb.

Sie würden die Schulen um jeden Preis offenhalten?

Das nicht, aber der kommende Herbst wird anders als der 2020. Die Durchimpfungsrate wird viel höher sein. Mit entsprechenden Hygienekonzepten kann auch bei einer Inzidenz von 100 nicht zwingend Wechselunterricht angeordnet werden. Das muss natürlich alles mit dem Gesundheitsamt und möglichst mit dem Kultus- und Sozialministerium abgestimmt werden. Denn das Land macht die Verordnungen und entscheidet über Schulschließungen.

Was soll der Stresstest bei Kitas bewirken?

Zunächst werbe ich für eine hohe Impfbereitschaft bei den Erzieherinnen und Erziehern. Denn es ist ein entscheidender psychologischer Faktor, dass diese sich sicher fühlen. Dann ist auch in Corona-Zeiten der Kontakt wichtig, in Kitas noch mehr als in den Schulen zu den Eltern. Deshalb müssen wir die Digitalisierung auch in diesem Bereich vorantreiben. Wir müssen zusehen, ähnlich wie beim Digital-Pakt für Schulen, auch Kitas mit mehr Endgeräten auszustatten. Aber unabhängig davon wollen wir wie bei den Schulen alles tun, damit die Einrichtungen nicht geschlossen werden müssen.

Wurden Sie nicht auch beim Bau von Schulen beauftragt, klimaneutral zu bauen?

Ja, diese Idee hatte ich bereits zu meinem Amtsantritt 2020. Wir müssen den Klimaschutz viel stärker vorantreiben. Denn der Klimawandel schreitet sehr schnell voran. Und selbstverständlich können wir klimaneutral bauen. Die Stesad hat das am Schulcampus Tolkewitz umgesetzt und wurde dafür ausgezeichnet. Aber dann müssen wir die Schulen auch klimaneutral betreiben. Themen wie Müllentsorgung, Schulessen und Energiemanagement sind einige. Aber nicht als Zwang, ich will dafür mehr motivieren. Die Schulgemeinschaften sind hier sehr aufgeschlossen.

Schließen Sie die Stadträte auf, indem sie diese viel mehr einbeziehen?

Ich sehe das als eine der größten Herausforderungen in meiner Arbeit und will ein gutes Miteinander mit den Stadträten. Ich war selber viele Jahre Stadtrat und hatte da meine Erwartungen an Bürgermeister. Deshalb versuche ich das jetzt umzusetzen. Um Gutes für alle zu erreichen, muss ein Wandel in der Kommunikation im Vorfeld von kontroversen Vorlagen her. Außerdem spart das sogar Zeit, weil weniger in den Ausschüssen diskutiert wird. Am Ende spart das viele Millionen Euro, wegen der Baupreissteigerungen zum Beispiel im Schulhausbau. Das andere Extrem ist das Gymnasium LEO, das wurde mal für 24 Millionen Euro geplant und stieg zwischenzeitlich auf 75 Millionen.

Andererseits schimpfen Schulleiter, weil Sie Geld zurückhalten?

Ja, bei den Schulbudgets habe ich Geld zurückgehalten. Aber nur, um nicht kürzen zu müssen. Außerdem wurde überdies das ausgezahlt, was notwendig war. 20 Schulen haben begründete Anträge eingereicht. Alle konnten bedient werden. Es sah auf den ersten Blick so aus, als würde ich Geld zurückhalten, aber ein zehn Jahre altes Lehrbuch hätte auch bereits vor mehreren Jahren ersetzt werden können. Die Schulen verwalten ihre Budgets und das ist auch richtig so, bedeutet aber auch Verantwortung. Bei rund 150 Schulen in Dresden kann auch mal war daneben gehen. Daran müssen wir eben noch arbeiten.

Es gibt aber auch Kritik von Eltern?

Und das berechtigt. Akut haben wir Schwierigkeiten mit der 35. Grundschule. Es war nicht unbekannt, dass wir ein bauliches Problem haben. Ich kann hier nur die Eltern um Entschuldigung bitten. Zumal mobile Raumeinheiten zum Einsatz kommen, die wir an anderen Schulen ebenfalls planen. Diese müssen wir zur Überbrückung von Kapazitätsengpässen einsetzen, beispielsweise bei der 101. Oberschule, der Uni-Schule und der 10. Grundschule.

Wie wollen Sie Problem-Schulen gezielter fördern?

Es ist eine Priorität der Verwaltung, Stadtteile wie Prohlis und Gorbitz gezielter zu fördern. Schulen gehören dazu. Entscheidender ist aber eine soziale Durchmischung im Bereich Wohnen. Eine gute Bildungsinfrastruktur, also Kitas und Schulen, sind wichtig für Wohnungsunternehmen und ihre Projekte. Das können dann Anreize zum Beispiel für Familien sein, in diese Stadtteile zu ziehen. Aber nur die Investoren im Wohnungsbau und oder Arbeitgeber können dafür sorgen, dass es eine Durchmischung auch tatsächlich gibt.

In meinem Bereich gibt es die Bildungsstrategie. Die werden wir weiter ausbauen. Außerdem möchte ich das Land motivieren, noch stärker einzusteigen. Im Landtag wurde ja gerade ein Antrag zum Sozial-Index beschlossen. Grundsätzlich denke ich, dass für diese Kitas und Schulen insgesamt mehr umverteilt werden muss, immer nur draufsatteln für alle funktioniert nicht.

Wie stellen Sie sich das vor?

Die Schulsekretariate sind derzeit nach den Schülerzahlen besetzt. Hier müssen wir schauen, ob das so angemessen ist. An Schulen mit vielen Schülern mit Migrationshintergrund könnten die Sekretariate verstärkt werden, um die Schulleitung zu entlasten und Ansprechpartner für Eltern zu sein. Aber auch bei der Schulsozialarbeit. Bei den Oberschulen übernimmt das Land diese Kosten vollständig, ich sehe aber auch Bedarf an anderen Schulen, vor allem an Grundschulen, dafür.

Lauern nicht auch im Bereich Jugendhilfe Herausforderungen?

Auf jeden Fall. Insbesondere auch wegen der Corona-Pandemie. Deshalb werde ich mit dem Jugendhilfeausschuss im September eine Klausur dazu durchführen. Wir wollen herausfinden, ob nachjustiert werden muss und das Geld reicht. Wir müssen auch die vorhandenen Angebote überprüfen, ob diese so noch funktionieren und wo Familien, die es nicht leisten können oder wollen, Unterstützung brauchen.

Wenn Sie Gelder umschichten sollen, ist woanders etwas übrig?

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Das wäre übertrieben. Aber bei den Schulbudgets war es beispielsweise richtig, nicht alles sofort auszugeben. Dadurch können jetzt mehrere Millionen Euro ausgezahlt werden. Ich will in meinem Bereich ein stärkeres Controlling, um noch genauer zu definieren, welche Mittel tatsächlich abfließen und, wenn notwendig, Gelder anders verteilen zu können.

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