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Dresden: Angriff auf Bürokomplex

Unbekannte haben in der Nacht die Fenster eines Neubaus in der Neustadt zerstört. Jetzt gibt es ein Bekennerschreiben.

Anfang Januar wurde der Bau des neuen Bürokomplexes neben dem ehemaligen Porsche-Autohaus in der Großenhainer Straße beendet. Jetzt gab es eine Attacke auf das Gebäude.
Anfang Januar wurde der Bau des neuen Bürokomplexes neben dem ehemaligen Porsche-Autohaus in der Großenhainer Straße beendet. Jetzt gab es eine Attacke auf das Gebäude. © René Meinig

Dresden. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben Unbekannte einen Anschlag auf einen neu errichteten Bürokomplex hinter dem Bahnhof Neustadt verübt. Offenbar handelt es sich um eine politisch motivierte Tat, die sich gegen eine "Gentrifizierung" des Szeneviertels richten soll.

Das geht aus einem Bekennerschreiben hervor, das Sächsische.de vorliegt. Darin heißt es, man verstehe den Angriff als "als radikale Form der Kritik an den aktuellen städtebaulichen und stadtpolitischen Prozessen in Dresden, besonders in der Leipziger Vorstadt."

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Mit Steinen und Graffiti gegen "Gentrifizierung"

Die Gruppe, die die Attacke begangen haben will, nennt sich "Solidarische Nachbar:innenschaft 01097" und bezieht sich auf die Postleitzahl der Äußeren Neustadt. Ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden bestätigte den Angriff am Donnerstagmorgen.

Die Täter hätten mit Steinen eine Vielzahl an Fenstern eingeworfen und mit Graffiti die Fassade besprüht. Die Sprayer hätten dabei Botschaften gegen die für den Komplex verantwortliche Immobilienfirma hinterlassen.

Auch im Bekennerschreiben beziehen sich die Verfasser auf das Unternehmen. Die zuständige TLG Immobilien AG konzentriere sich auf "Hotel- und Büroimmobilien in ostdeutschen Großstädten mit Schwerpunkt Dresden und Berlin" und verfolge dabei "immer das Ziel, die Dividende für die Aktionär:innen möglichst hoch zu halten".

Immer höhere Mietpreise in der Neustadt

Dabei kritisiere man nicht, dass Wohnraum entstehe, sondern, "dass die Entstehung von Wohnraum in den Händen gewinnorientierter Aktiengesellschaften wie den bereits genannten liegt."

Die Verfasser machen die Immobilienunternehmen dafür verantwortlich, dass die Mieten im Viertel weiter steigen würden - und dass ihnen so "Freiräume" genommen würden. In dem Schreiben beziehen sich die mutmaßlichen Täter auch auf den Alten Leipziger Bahnhof - zur Zeit steht hier der einzige Wagenplatz Dresdens.

Mit Steinen haben die "Aktivisten" die Fensterfront zerstört.
Mit Steinen haben die "Aktivisten" die Fensterfront zerstört. © Tino Plunert

Gerade mit Blick auf "die wohl letzte große alternativ genutzte und selbstorganisierte Freifläche" empfinde man die Neubauprojekte in der Gegend als Angriff auf die Mitgestaltung des öffentlichen Raums. Gerade in und um die Äußere Neustadt kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Angriffen auf Neubauten und Hausbesetzungen.

Der Grund: Die Beliebtheit des Viertels bei jungen Familien, Studenten und Kreativen treibt die Mietpreise nach oben und zieht auch zunehmend Immobilieninvestoren an. Das sorgt für Verunsicherung und Ärger bei vielen Anwohnern - manche linke Gruppierungen greifen zu Gewalt.

Täter kündigen weiteren "Widerstand" an

So besetzten selbsternannte "Anarchisten" im Oktober vergangenen Jahres ein leerstehendes Haus in der Schanzenstraße. Ende November bewarfen Unbekannte die Fassade eine neue Wohnanlage am Hechtpark mit Weihnachtsbaumkugeln, die mit Farbe gefüllt waren.

Nun hat die Wut den Komplex mit dem Namen "Neustadt Effizienz Offices" auf der Großenhainer Straße 5 - 7 getroffen. Das Gebäude wurde nach eineinhalb Jahren Bauzeit Anfang Januar fertiggestellt, insgesamt ist die Fläche rund 8.200 Quadratmeter groß.

Gesamtkosten für das Projekt: Etwa 40 Millionen Euro. Ein Sitz in dem verkehrsgünstig gelegenen Komplex war für viele Firmen offenbar attraktiv. Mittlerweile sind bereits die ersten Mieter in die Büroräume eingezogen, 70 Prozent der Flächen waren zu Jahresbeginn schon vermietet.

Und nebenan, auf dem Gelände des ehemaligen Porsche-Autohauses, soll ein weiterer Neubau entstehen. Der Investor Hamburger List Develop Commercial will dort ein Hotel errichten, das 2022 öffnen soll.

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Neben dem früheren Porsche-Autohaus in der Dresdner Neustadt sind die ersten Mieter schon eingezogen. Der Bürokomplex bietet jede Menge Besonderheiten.

Ein Fakt, der für weiteren Ärger im Viertel sorgen könnte. Die Verfasser des Bekennerschreibens zumindest kündigen an, "weiter zusammenstehen (...) und verschiedenste Formen des Widerstandes gegen diese Art der Verdrängung leisten."

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