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Lingnerstadt: Keine Chance mehr fürs Palais Oppenheim?

Der Investor hat jetzt neue Fassadenpläne für das Dresdner Neubauprojekt vorgestellt. Was er vom Wiederaufbau des historischen Palais hält.

So soll der erste Abschnitt der neuen Lingnerstadt zur St. Petersburger Straße aussehen.
So soll der erste Abschnitt der neuen Lingnerstadt zur St. Petersburger Straße aussehen. © Gateway Real Estate

Dresden. Nächster Auftritt für die Lingnerstadt-Pläne. Zum zweiten Mal war die Gateway Real Estate als Eigentümer und Investor des Areals zwischen Bürgerwiese, St. Petersburger und Grunaer Straße in die Dresdner Gestaltungskommission geladen. Beim ersten Mal mussten die Vertreter ordentlich Kritik einstecken. Von glattgestrichenen Fassaden war die Rede, die ewig gleichen Dachlandschaften wurden bemängelt, und als „investorengerecht geglättete und verbilligte Fassaden“ bezeichnete Linken-Stadtrat Tilo Witz die Entwürfe. Auf viel Zustimmung stieß indes der Plan, die Häuser in Holzbauweise zu errichten. 48 sollen allein im ersten Bauabschnitt entstehen.

Nun gab es neue Fassadenentwürfe zu sehen. Die zeigten nicht nur unterschiedliche Farben, Materialien und die geforderten Vor- und Rücksprünge, sondern auch unterschiedliche Geschossigkeiten und heterogene Dächer. Man habe sich in der Umgebung umgeschaut und sich zum Beispiel für die Fenstergestaltung von Neumarkt-Gebäuden inspirieren lassen, sagt Jens Schumann vom beauftragten Architekturbüro Nokera in Leipzig. Um eine möglichst große Fassadenvielfalt zu erreichen, seien insgesamt fünf Büros einbezogen gewesen.

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Auch bei der Gestaltung der Innenhöfe habe man reagiert: Zwischen fünf bis zehn Prozent der Fläche soll dort nicht durch Tiefgaragendecken im Untergrund versiegelt, sondern mit großen Bäumen bepflanzt werden können.

Diese Visualisierung zeigt einen der Innenhöfe.
Diese Visualisierung zeigt einen der Innenhöfe. © Gateway Real Estate

Die Gateway plant im kommenden Jahr den Spatenstich für den ersten Bauabschnitt, in dem rund 900 Wohnungen entstehen sollen. Jetzt könnte aber eine Empfehlung aus der Gestaltungskommission diesen Zeitplan ins Wanken bringen. Denn anders als bisher kommuniziert, sollen jetzt die Fassaden zur St. Petersburger Straße und zur Bürgerwiese hin mit mineralischem Putz versehen werden. Nur die Innenhoffassaden könnten im Material variieren. Das sei eine Referenz an die historische Stadt, sagte Wolfgang Lorch von der Kommission.

Architekt: „Das ist für uns ein ganz neuer Punkt“

„Das ist für uns ein ganz neuer Punkt“, sagt Architekt Jens Schumann im Gespräch nach der Sitzung. Es sei aber mit der Holzsystembauweise, die Gateway nutzt, kein Problem, mineralisch verputzte Oberflächen herzustellen. „Wir werden das intern bewerten und sehen es als Anregung“, so Schumann.

Dass das Palais Oppenheim keinen Platz in den Plänen von Gateway hat, bekräftige mehrfach Jens Timm, der Projektleiter der Firma für die Dresdner Lingnerstadt. „Wir sind dazu weiterhin gesprächsbereit. Aber an uns wurden lediglich zwei Anfragen ohne Konzept herangetragen, denen wir nicht folgen konnten“, so Timm. Die Anfragen betrafen zum einen die Idee eines koscheren Supermarktes betroffen, kombiniert mit der Nutzung der Räume für die jüdische Gemeinde - unter anderem als Kindergarten. Bei der anderen Anfrage ging es um eine Büronutzung.

„Das entspricht aber nicht unseren Intentionen, wir wollen eine offene Nutzung, nicht auf eine Glaubensrichtung ausgerichtet. Und einen Kindergarten bauen wir selbst“, so Timm. Der Idee, das Palais für die Nutzung als jüdisches Museum zu errichten, erteilte er ebenfalls eine Absage. „Die Gateway baut bezahlbaren Wohnraum, keine Museen. Wir haben schon einmal gesagt, dass ein Wohngebiet nicht der richtige Platz für ein Museum ist.“

So könnte das wiederaufgebaute Palais Oppenheim aussehen.
So könnte das wiederaufgebaute Palais Oppenheim aussehen. © Visualierung: Arte4D/Andreas Hummel

Das wollte CDU-Stadtrat Mario Schmidt so nicht akzeptieren. „Es gibt den klaren Wunsch aus der Stadtgesellschaft, das Palais Oppenheim wieder aufzubauen. Was Sie hier sagen, gefällt mir nicht. Das Thema sollte unbedingt erneut im Bauausschuss besprochen werden.“ Dort könnte auch bekannt werden, dass es durchaus einen Investor gibt, der das Palais bauen und als repräsentativen Firmensitz nutzen will, sagt Torsten Kulke, Vorstand der Gesellschaft Historischer Neumarkt (GHND). „Doch der Investor, der zunächst nicht an die Öffentlichkeit treten will, hat noch nicht mal eine Antwort auf seine Anfrage von der Gateway bekommen.“

Das wird er wahrscheinlich auch nicht mehr, denn im Anschlussgespräch mit Jens Timm bekräftigte dieser, dass Gateway das Grundstück, auf dem früher das Palais Oppenheim stand, nicht verkaufen will. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) regte in der Sitzung jedoch an, zum Thema Oppenheim „kein öffentliches Schaulaufen“ zu veranstalten, sondern eine Klärung zwischen Stadträten und Verwaltung vorzunehmen.

„Die Gateway soll doch einfach sagen, was sie für das Grundstück will, dann können Interessierte ihre Ideen durchrechnen“, regt Kulke an. Für ihn tragen die Stadt, aber auch die Stadträte Mitschuld an der jetzigen Situation. „Bei der Verabschiedung des Bebauungsplanes hätte man darin festschreiben können, dass das Palais wieder aufzubauen ist. Damals waren sich dazu alle Fraktionen einig. Aber das ist versäumt worden. Jetzt kann der Investor sagen, er hält sich explizit an den Plan.“

Robotron-Kantine gesichert

Grünen-Stadtrat Thomas Löser warb beim Investor ebenfalls noch einmal für das Palais: „Das könnte doch ein Leitbau werden, wie wir sie vom Neumarkt kennen." Und neben den ganzen sechs- bis siebengeschossigen Wohn- und Bürogebäuden würde das niedrige Palais eine schöne Lebendigkeit hineinbringen.

Ganz anders ist die Haltung der Gateway indes zu einem anderen historischen Gebäude, das auf seinem Grundstück steht: der Robotron-Kantine. Die ist auch Bestandteil des Bebauungsplanes. Tatsächlich habe man noch keine genauen Pläne dafür. Aber derzeit werde sie von der Ostrale und dem Kunsthaus Dresden genutzt, und das befürworte man sehr. „Wir wollen sie keinesfalls abreißen und werden alles tun, damit das Gebäude nicht weiter verfällt“, sagt Timm. Es wäre zudem eine Referenz an das, was es früher hier einmal gab.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Projekt Lingnerstadt? Nach dem ersten Spatenstich im nächsten Jahr werden mindestens zwei Jahre vergehen, bis die ersten Mieter in die rund 900 Wohnungen des ersten Abschnittes einziehen können, wohl eher drei. Denn man wisse, dass viel Trümmerschutt unter den Baufeldern liegt, der für die Archäologen interessant ist.

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Weiter geht es mit dem zweiten Baufeld, auf dem unter anderem das TLG-Gebäude an der St. Petersburger Straße mit der Cityherberge steht. Dafür gibt es noch einen gültigen Mietvertrag bis Mitte 2024. Für den Bereich bereitet die Stadt den Entwurf des Bebauungsplanes vor, der demnächst offengelegt werden soll. Das große Gebäude, was darauf entstehen soll, ist mit zwei Hochpunkten von 34 Metern am Pirnaischen Platz und zur Lingnerallee vorgesehen.

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