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Dresden ringt um Mega-Bauprojekt

Ein Wohnviertel für rund 1.000 Dresdner soll auf dem Ostravorwerk-Areal entstehen. Nun gibt es Ärger mit dem Denkmalschutz. Die komplizierte Suche nach einer Lösung.

400 Wohnungen sollen auf dem Ostravorwerk entstehen, das Projekt wackelt allerdings.
400 Wohnungen sollen auf dem Ostravorwerk entstehen, das Projekt wackelt allerdings. © Visualisierung: Fuchshuber Architekten

Dresden. Die Nachricht schlägt nicht nur dem Investor aufs Gemüt. Seit Jahren wird am ehemaligen Ostravorwerk geplant. Es ist eine der letzten Brachen im Stadtteil Dresden Friedrichstadt.

Dass das Areal eine besondere Geschichte hat, war allen Beteiligten klar. Vor wenigen Tagen wurde das Veto vom Landesamt für Denkmalpflege bekannt. Ohne Zustimmung der Konservatoren gibt es womöglich keine Baugenehmigung.

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Im 16. Jahrhundert ließ Kurfürst August auf dem Areal sein Kammergut Ostra anlegen. Eigene Landwirtschaft, um den kurfürstlichen Hof und die Festungsstadt Dresden zu versorgen.

Einiges ist erhalten, so stehen die beiden erhaltenen Gebäude - Stall und Scheune - eine uralte Eiche und die Fragmente einer Mauer unter Denkmalschutz. Die geplante Bebauung geht Landeskonservator Alf Furkert viel zu weit, sie sei zu hoch, Pläne für die Einzeldenkmale zum Teil nicht akzeptabel - das gesamte Areal sei schützenswert und dem würden die Pläne nicht gerecht. Der Investor, vertreten durch Marcolini-Geschäftsführer Steffen Funk, wollte eigentlich Ende dieses Jahres beginnen. Davon kann er sich verabschieden.

"Sozialwohnungen, die Dresden dringend benötigt"

Stadt und Investor sind auf die Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege angewiesen. "Ich engagiere mich in der Kompromiss-Findung und hoffe, dass wir eine gütliche Einigung hinbekommen", sagt Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne). "Diese soll allen Seiten gerecht werden und im Blick behalten, dass bei dem Projekt 15 Prozent Sozialwohnungen entstehen, die Dresden dringend benötigt."

Für die Einzeldenkmale Eiche und Stall sind bereits Lösungen gefunden. Bei den Mauerresten gibt es noch Probleme, weil eine gläserne Schallschutzmauer an diese laut Plan grenzen soll. Auf den Neubau, der in der Scheune als "Haus-in-Haus-Lösung" geplant ist, müsste der Investor wohl verzichten und für das Denkmal eine andere Nutzung finden.

Vor allem aber die Höhe der umliegenden Neubauten scheint ein unlösbares Problem. Die Denkmalschützer wollen ein bis zwei Geschosse weniger - geplant sind vier- und fünfstöckige Gebäude.

Käme der Investor den Forderungen komplett - inklusive der Scheune - nach, würde er bis zu 100 der geplanten 400 Wohnungen weniger bauen können. Damit wäre fraglich, ob sich das Projekt für ihn überhaupt noch rechnet.

"Wir sind wenig kompromissbereit"

Die Bau-Experten der Stadtratsfraktionen hatten jetzt einen Termin vor Ort mit Kühn, allerdings ohne die Landesdenkmalschützer. "Die Höhe zu reduzieren, ist nicht sinnvoll", sagt CDU-Stadtrat Mario Schmidt. "Die umliegenden Gebäude in der Friedrichstadt sind aus der Gründerzeit und haben vorwiegend fünf Geschosse."

Wenn der Investor sich zurückziehe, habe die Stadt keine Bebauung für das Areal. Im September soll es eine Sitzung mit den Landesdenkmalschützern geben. "Wir sind aber wenig kompromissbereit", stellt Schmidt klar.

Es sei richtig, alle an einen Tisch zu holen, sagt auch Tilo Wirtz (Linke). "Die Einwände der Denkmalpfleger sind allerdings sehr ernst zu nehmen. Hier zeigt sich wieder einmal, dass das Stadtplanungsamt völlig am Denkmalschutz vorbeiarbeitet." Furkerts Behörde hätte bereits bei den ersten Schritten einbezogen werden müssen.

Statt der ehemals offenen Bebauung werde das Areal laut den Plänen "abgeriegelt". "Da wird sich der Investor nochmal bewegen müssen, dem Denkmalschutz muss wesentlich mehr angeboten werden", sagt Wirtz. Er sei aber zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Denn jetzt sei das Gelände "verloren". "Man könnte auch über die Außenbebauung auf diesen besonderen Ort hinweisen", schlägt Wirtz vor.

Als "ganz verzwickte Situation" bezeichnet es Holger Zastrow (FDP). "Nach jahrelangen Planungen wird nun vom Denkmalschutz alles infrage gestellt. Auf den Lärmschutz zu verzichten, steht im Widerspruch zum Baurecht, der dies zwingend fordert." Dresden brauche die Wohnungen und der "Schandfleck" müsse beseitigt werden.

Die Argumente der Denkmalschützer seien nachvollziehbar, sagt Susanne Krause (Grüne). "Es ist schade, dass so eine ablehnende Stellungnahme auf der Zielgeraden kommt." Der Stadtrat habe vor vielen Jahren entschieden, dort eine Wohnbebauung haben zu wollen. "Wenn wir nach der Historie gehen, müssten dort Schafe und Heu hin. Das können wir uns aber nicht leisten, wenn wir Wohnungen wollen." Sie sei sicher, es könne ein Kompromiss gefunden werden.

Einfach über den Denkmalschutz hinwegsetzen können sich die Stadträte allerdings nicht. Zwar könnten sie entscheiden, wie bei allen Trägern öffentlicher Belange bei Bauvorhaben, die Stellungnahme "abzuwägen". Damit würden die Bedenken nur zur Kenntnis genommen. Allerdings benötigen Veränderungen an Denkmälern laut sächsischem Denkmalschutzgesetz die Zustimmung des Landesamtes.

Wird darüber hinweggegangen, können die Denkmalpfleger klagen. Ein Gerichtsverfahren dazu kann mehrere Jahre dauern, vorher darf der Investor nicht mit dem Projekt beginnen. "Und das Landesamt für Denkmalschutz ist nicht bekannt dafür zu verlieren, wenn es klagt", warnt Wirtz.

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