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Dresdner Neumarkt: Gerüste am Schlosseck fallen

An einem der beiden letzten Neumarkt-Quartiere sind jetzt die Fassaden sichtbar. Weshalb weniger Wohnungen entstehen und wann alles fertig wird.

Am Schlosseck fallen die ersten Gerüste zur Schloßstraße. Links ist das Fürstliche Haus mit den Leitfassaden zu sehen.
Am Schlosseck fallen die ersten Gerüste zur Schloßstraße. Links ist das Fürstliche Haus mit den Leitfassaden zu sehen. © Sven Ellger

Dresden. Was passiert, wenn Chinesischer Naturstein im Hafen von Shanghai festhängt? Dann müssen die Fußbodenarbeiten im Dresdner Schlosseck warten. Denn mit Pandang, einem chinesisches Tiefengestein, sollen die Treppen im Komplex an der Schloßstraße belegt werden. "Das ist aber unser einziges Problem auf der Baustelle", sagt Projektleiterin Andrea Strümpel. Alle sonstigen Arbeiten sind genau im Zeitplan, damit das Schloseck im November an die Mieter übergeben werden kann.

42 Wohnungen, sieben Läden, ein Restaurant und zwölf Büros entstehen in den fünf Häusern zwischen Schloßstraße, Sporer-, Schösser- und Rosmaringasse. Eines davon ist der Leitbau Caesarsches Haus auf der Schössergasse 19. Das Fürstliche Haus auf der Schloßstraße 14, die früheren Hausnummern waren die 26,28 und 30, hat eine Leitfassade erhalten. An ihr ist unter anderem das Erkerrelief des Kurfürstenpaars zu sehen. Es zeigt Christian II. mit seiner Ehefrau Hedwig von Dänemark. Allerdings ist es nicht das Original, sondern ein Abguss, der in beindruckender Detailtreue den gewaltigen Reifrock Hedwigs zeigt. Darüber ist ein Abguss eines hebräischen Schriftzuges angebracht.

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Am Fürstlichen Haus ist das Relief von Christian II, und seine Frau, Hedwig von Dänemark, angebracht. Es ist ein Abguss.
Am Fürstlichen Haus ist das Relief von Christian II, und seine Frau, Hedwig von Dänemark, angebracht. Es ist ein Abguss. © Sven Ellger

Eigentlich sollten die Gerüste an den Fassaden zu Schloßstraße diese Woche komplett verschwinden. Aber für Baywobau-Chef Berndt Dietze ist ein Detail noch nicht stimmig. Die im Erker eingravierte Jahreszahl, in der das Fürstliche Haus im Original errichtet wurde, nämlich 1687, muss für ihn noch vergoldet werden. "Sonst ergibt das doch kein Bild", sagt Dietze. In den nächsten Tagen soll die Zahl dann golden strahlen.

Sind die Gerüste weg, wird der Fußweg vor den Häusern gebaut. "Das ist oft eine knifflige Angelegenheit und wir hoffen, dass höhenmäßig alles perfekt zu den Ladentüren passt", sagt Dietze.

Der Ansturm insbesondere auf die innerstädtischen Büroflächen war unverhofft groß. Dafür waren sogar Durchbrüche zwischen den Häusern nötig und sind Wohnungsflächen in Büros umgewandelt worden. Einziehen werden unter anderem zwei Chirurgen für plastische Chirurgie und ein medizinisches Forschungsunternehmen.

Im Herbst will auch der bisherige Wirt des Altmarktkellers Heiko Meyer sein neues Restaurant "Platzhirsch" eröffnen. Es befindet sich an der Ecke Schloßstraße/Rosmaringasse.

Vier der sieben Läden im Erdgeschoss sind bereits vermietet, unter anderem an den Schokoladenhersteller Lindt, der jetzt noch auf der Schloßstraße beheimatet ist.

Bis zur Fertigstellung im November dieses Jahres müssen die Bauarbeiter wie vom Beginn der Arbeiten im März 2019 an noch logistische Meisterleistungen erbringen. Zwischen 100 bis 150 von ihnen sind täglich im Schlosseck und kümmern sich dort um Elektro-, Fußboden-, Maler-, Sanitär- und Fliesenarbeiten. Da muss jeder Handgriff genau auf den nächsten abgestimmt sein, um keinen Stillstand zu produzieren. Vor den Gebäuden ist kaum Platz, um etwas zu lagern, die Lkw-Fahrer müssen in extrem engen Einfahrten agieren.

Vom derzeitigen Materialproblem und den steigenden Kosten ist dieses Projekt jedoch weitgehend verschon geblieben, sagt Bernd Dietze. "Wir haben vieles noch vor dem Beginn der Materialknappheit bestellt und mit dem Generalunternehmer Dreßler Bau im Vorfeld Festpreise ausgehandelt."

Dennoch merke man jetzt beim Innenausbau, dass beispielsweise auch Türen knapp werden, sagt Andrea Strümpel.

Im Innenhof gibt es die unterschiedlichten Balkonformen. Er soll später mit Toren verschlossen werden, damit Bewohner ihre Ruhe haben, die aber Einblicke ermöglichen.
Im Innenhof gibt es die unterschiedlichten Balkonformen. Er soll später mit Toren verschlossen werden, damit Bewohner ihre Ruhe haben, die aber Einblicke ermöglichen. © Sven Ellger

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Die 42 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen, darunter auch einige Maisonnetten, bieten ganz unterschiedliche Ausblicke. Vom Fürstlichen Haus zum Beispiel auf das Taschenbergpalais und das Residenzschloss, vom Caesarschen Haus auch in die enge Sporer- und Schössergasse. Alle gemeinsam haben einen Balkon in den Innenhof, der später begrünt werden und einen Spielplatz erhalten soll. "Ich hätte nie gedacht, wie viel Licht hereinkommt und wie hell die Wohnungen dadurch sind", sagt der Baywobau-Chef. Hier käme italienisches Lebensgefühl auf. Ursprünglich waren 49 Wohnungen geplant, doch der Bürobedarf hat sie reduziert.

Ab der zweiten Julihälfte können Interessenten die Wohnungen im Schlosseck besichtigen. Elf davon sind bereits reserviert. Alle bleiben in der Hand der Baywobau. Die Kaltmieten werden zwischen 14,50 und 15 Euro liegen.

Andrea Strümpel und Berndt Dietze in der Musterwohnung im Fürstlichen Haus, die einen Erker und Blick auf das Taschenbergpalais und Residenzschloss hat.
Andrea Strümpel und Berndt Dietze in der Musterwohnung im Fürstlichen Haus, die einen Erker und Blick auf das Taschenbergpalais und Residenzschloss hat. © Sven Ellger

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