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Bald erste Bewohner in Dresdner Hafencity

Das Viertel an der Elbe wächst, bald können die ersten Bewohner einziehen. Wie es nun weitergeht und was die teuersten Wohnungen kosten.

Wohnen an der Promenade, flanieren am Wasser: Die Dresdner Hafencity wächst. Der Bau der markanten fünf Stadtvillen hat nun begonnen.
Wohnen an der Promenade, flanieren am Wasser: Die Dresdner Hafencity wächst. Der Bau der markanten fünf Stadtvillen hat nun begonnen. © USD Immobilien GmbH

Dresden. Der Blick von den obersten Hafencity-Balkonen ist exklusiv: Zur Linken erheben sich Erlwein-Speicher und Yenidze-Kuppel, zur Rechten stechen Mühlenturm und Schlachthofdom in den Himmel. Die Hauptrolle aber spielt die Elbe, auf der sich an diesem vorfrühlingshaften Vormittag zwei Enten in den Neustädter Hafen treiben lassen. Nach vielen Jahren der Vorbereitung und der Hochwasser-Bedenken können in wenigen Monaten die ersten Bewohner in das neue Quartier an der Leipziger Straße ziehen.

Warum die Hafencity eine City für alle Dresdner werden soll, was die begehrtesten Wohnungen kosten und wie der Elberadweg in Zukunft verlaufen wird: Das ist der aktuelle Stand bei einem der größten Bauvorhaben der Landeshauptstadt.

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Wann genau ziehen die ersten Bewohner ein?

Zwei L-förmige Häuser an der Leipziger Straße sowie fünf Stadtvillen zur Elbe hin bilden den Kern der neuen Hafencity. Die beiden Riegel haben längst ihre endgültige Höhe erreicht - fünf Geschosse. Der Innenausbau ist weit vorangeschritten. Bereits Mitte dieses Jahres werden die ersten Bewohner in den südlichen Riegel - Haus F - ziehen.

Dort entstehen 72 Wohnungen, die zwischen 26 und 163 Quadratmeter groß sind. Dabei handelt es sich komplett um Eigentumswohnungen, erklärt Projektleiter Sebastian Forkert vom Investor Unser Schönes Dresden (USD). Allerdings werden etwa 60 Prozent sofort vermietet, lediglich 40 Prozent werden auch von ihrem Eigentümern bewohnt. Verkauft sind sie alle schon.

Sebastian Forkert von Unser Schönes Dresden (USD) ist der Projektleiter der Hafencity Dresden.
Sebastian Forkert von Unser Schönes Dresden (USD) ist der Projektleiter der Hafencity Dresden. © Sven Ellger
Ein exklusives Wohnzimmer-Panorama: Vom fünften Stock des Hauses F aus sind die Türme der Frauenkirche, des Dresdner Schlosses und der Hofkirche zu sehen.
Ein exklusives Wohnzimmer-Panorama: Vom fünften Stock des Hauses F aus sind die Türme der Frauenkirche, des Dresdner Schlosses und der Hofkirche zu sehen. © Sven Ellger
Die beiden L-förmigen Wohnhäuser an der Leipziger Straße werden als erste fertig. Davor beginnt bald der Bau der fünf Stadtvillen.
Die beiden L-förmigen Wohnhäuser an der Leipziger Straße werden als erste fertig. Davor beginnt bald der Bau der fünf Stadtvillen. © Sven Ellger

Der Zwillingsbruder - Haus G - wird im Laufe des Jahres aufholen. Geplant ist, die ersten der insgesamt 93 Wohnungen Ende 2021 zu übergeben. Wer noch kaufen will, kommt aber auch hier zu spät.

Wann startet der Stadtvillenbau am Wasser?

Tatsächlich hat USD gerade den Startschuss zum Bau der fünf Stadtvillen gegeben. Aktuell bereiten sich die Bauleute darauf vor, in die Tiefe zu graben. Insgesamt 51 Wohnungen entstehen in den viergeschossigen Punkthäusern an der Hafenpromenade. Die größte von ihnen misst stolze 259 Quadratmeter und nimmt das komplette obere Geschoss ein.

So wird das Wohnensemble einmal aussehen. Vor den Stadtvillen verläuft der Elberadweg. Diesem schließt sich die Treppe zur Hafenpromenade an.
So wird das Wohnensemble einmal aussehen. Vor den Stadtvillen verläuft der Elberadweg. Diesem schließt sich die Treppe zur Hafenpromenade an. © USD Immobilien GmbH
Noch fehlen die Stadtvillen jedoch. Die bauvorbereitenden Maßnahmen haben allerdings begonnen. Das Baufeld vor den beiden Wohnriegeln zeichnet sich bereits ab.
Noch fehlen die Stadtvillen jedoch. Die bauvorbereitenden Maßnahmen haben allerdings begonnen. Das Baufeld vor den beiden Wohnriegeln zeichnet sich bereits ab. © Sven Ellger
Zwischen Stadtvillen und Wohnriegeln entsteht ein begrünter Innenhof mit Spielplatz. Durch das bewusst offen gehaltene Quartier verlaufen öffentliche Wege.
Zwischen Stadtvillen und Wohnriegeln entsteht ein begrünter Innenhof mit Spielplatz. Durch das bewusst offen gehaltene Quartier verlaufen öffentliche Wege. © USD Immobilien GmbH

Zwischen Villen und Wohnriegeln werden Landschaftsbauer einen begrünten Innenhof samt Spielplatz anlegen. Inzwischen sind laut USD 60 Prozent der Wohnungen verkauft.

Was kosten die obersten Stadtvillenwohnungen?

Die Lage lässt sich der Investor entsprechend bezahlen. Mit 1,81 Millionen Euro eröffnet eine Dachgeschosswohnung mit rund 244 Quadratmetern Wohnfläche eine völlig neue Liga in den Dresdner Immobilienpreisen. Das sind 7.448 Euro pro Quadratmeter. Diese Angaben finden sich im Immobilienportal Immowelt, angeboten wird die Wohnung dort von der Dresdner Firma Viarealis GmbH. Allerdings: Kleinere Wohnungen, beispielsweise von rund 78 Quadratmeter im Erdgeschoss, sind bereits ab rund 6.950 Euro pro Quadratmeter zu haben.

Angesichts dieser Preisentwicklung scheint eine 190 Quadratmeter große Maisonnettewohnung im Barockviertel, die auf der Königstraße für 995.000 Euro angeboten wird, geradezu als ein Schnäppchen. Sind es doch "nur" 5.203 Euro pro Quadratmeter, aber es ist auch kein Neubau. Aber die 6.000 Euro-Grenze überschreitet auch ein Bauvorhaben der Max Wiessner Baugeschäft GmbH in Bühlau. Dort kostet die 163 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung 1,043 Millionen Euro. Quadratmeterpreis: rund 6.400 Euro.

Wie öffentlich wird die Hafencity für die Dresdner werden?

Die Hafencity wird eine City für alle Dresdner werden, verspricht Sebastian Forkert. "Alles bleibt frei zugänglich, das ist mit der Stadt vertraglich geregelt." Von der Leipziger Straße werden vier öffentliche Wege durch das neue Viertel hinunter führen, zwei davon zur Hafenmeisterei. Dort wird die Promenade auf dem Höhenniveau der Wohnhäuser um einen neuen Stadtplatz mit Bäumen erweitert. Eine großzügige Treppenanlage mit Sitzstufen führt zur Marina.

Alles neu also? Nein, irgendwie muss der alte Industriecharakter des Viertels in Erinnerung behalten werden, sagt Forkert. "Wir haben vom Abriss alles aufgehoben - Pflaster, Klinker, die Schienen, auf denen früher Güterzüge fuhren." Ein Teil dieser Relikte soll an der Promenade ein zweites Leben finden. Dezent, aber sichtbar. Ein Schienen-Abschnitt mit Bremsklotz zum Beispiel.

Auch den alten Lastenkran vor der Hafenmeisterei gibt es noch. Er steht unter Denkmalschutz. "Jemand hat sich bereiterklärt, ihn zu kaufen und zu sanieren", verrät der Projektleiter. Das Denkmal werde als kleines Wahrzeichen der Hafencity erhalten bleiben.

Was ändert sich auf dem Elberadweg?

Der Elberadweg wird im Hafencity-Abschnitt wenige Meter in Richtung der neuen Stadtvillen verlegt. Somit werden Radfahrer die Hafenmeister in Zukunft von der Rückseite statt von vorn zu sehen bekommen. Ausgangs der Hafencity mündet der Radweg wieder in den alten Streckenverlauf.

Sebastian Forkert verspricht sich damit weniger Konflikte unten am Wasser, wo der Elberadweg bisher entlangführte. Ausflügler, die am Hafen Rast einlegen wollen, könnten dies ungestörter und sicherer tun. Radfahrer würden wiederum nicht in gefährliche Situationen gebracht.

Die Hafenmeisterei wird von der neuen Hafencity umschlossen. Hinter dem Gebäude wird der neue Elberadweg verlaufen - hier bereits auf seine endgültige Höhe gebracht.
Die Hafenmeisterei wird von der neuen Hafencity umschlossen. Hinter dem Gebäude wird der neue Elberadweg verlaufen - hier bereits auf seine endgültige Höhe gebracht. © Sven Ellger

Weil Passanten aber auch den "neuen" Elberadweg kreuzen werden, wenn sie von der Leipziger Straße hinunter zur Promenade schlendern, wird der Radweg im Bereich der Hafencity deutlich aufgeweitet.

Wird auch der Neustädter Hafen ausgebaut?

Der Hafen wird etwas hergerichtet. "Aber wir haben uns entschieden, ihn nicht zur Luxus-Marina auszubauen", sagt Sebastian Forkert. "Wir wollen ihn so belassen, wie ihn die Dresdner kennen."

Hält der Hotelbetreiber an seinen Öffnungsplänen fest?

Die Flanken der Hafencity sind bereits geschlossen. Zum Alexander-Puschkin-Platz hin bildet das bezugsfertige Arcotel den Abschluss, zum Arzneimittelwerk hin das voll vermietete Kreativzentrum. Ja, der Hotelbetreiber halte an seinen Öffnungsplänen fest, sagt Forkert. Die Eröffnung sei für dieses Frühjahr geplant, die Übergabe an den Betreiber in Vorbereitung. "Alle Möbel sind drin, die Betten bezogen."

Schon bezugsfertig ist das Arcotel.
Schon bezugsfertig ist das Arcotel. © Sven Ellger

Natürlich komme es auf die Corona-Regeln an, ab wann Urlauber einchecken können. Im März wird dies schon mal nicht der Fall sein, haben Bund und Länder am Mittwoch beschlossen. Allerdings könnte das Hotel bereits für Geschäftsreisende öffnen, denen Hotelübernachtungen in dringenden Fällen erlaubt sind. Das Hotel umfasst im Übrigen zwei Gebäude, darunter ein kleineres zur Elbe hin. Dort können Gäste etwas größere Suiten mit Dachterrasse sowie Blick auf Elbe und Altstadt buchen.

Im Hotel wird es ein eigenständiges Restaurant geben. In das Kreativzentrum soll eine Gastronomie für Wanderer und Radfahrer einziehen.

Wie sieht es mit dem Hochwasserschutz aus?

Es ist kein Geheimnis, dass die Hafencity im Überschwemmungsgebiet der Elbe liegt. Der Fluss trat in den vergangenen 20 Jahren zweimal so stark über die Ufer, dass das Wasser bis zur Leipziger Straße stand.

USD und Stadtverwaltung haben lange gemeinsam überlegt, wie das Projekt Hafencity unter Hochwasserschutz-Aspekten trotzdem gelingen kann.

Die Tiefgarage spielt dabei eine größere Rolle, als man vermuten mag. Sie wird im Ernstfall gezielt mit frischem Grundwasser geflutet, um die Statik der Häuser nicht zu gefährden. Ist das Hochwasser vorüber, wird das saubere Grundwasser schnell wieder aus der Garage gepumpt. Die Wohnbereiche selbst sind so hoch gelegen, dass sie von einem hundertjährlichen Hochwasser wie 2002 nicht erreicht werden.

Sind weitere Gebäude geplant?

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Ja, zwischen Hotel und Stadtvillen sollen vier weitere Gebäude gebaut werden. Sobald die Villen eine gewisse Höhe erreicht haben, geht es dort los. Ein Teil der dort entstehenden Wohnungen sind Sozialwohnungen, sie haben eine Mietpreisbindung. Dazu hatte sich der Investor freiwillig bereiterklärt. Auch Fünf-Raum-Wohnungen seien dabei, sagt Forkert. Ziel sei es, bis spätestens Ende 2024 mit der Hafencity fertig zu sein. USD investiert eigenen Angaben zufolge rund 150 Millionen Euro in das gesamte Quartier.

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