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Hochhaus am Pirnaischen Platz wird endlich saniert

Das markante Gebäude in Dresden hat einen neuen Besitzer. Der will es schnell wieder bewohnbar machen. So soll es jetzt weitergehen.

Auf den ersten Blick wird sich das Hochhaus am Pirnaischen Platz nach vorläufigem Arbeitsstand kaum verändern. Auf den zweiten Blick sieht man jedoch ein weiteres Geschoss auf dem Dach sowie auf dem Flachbau vor dem Gebäude.
Auf den ersten Blick wird sich das Hochhaus am Pirnaischen Platz nach vorläufigem Arbeitsstand kaum verändern. Auf den zweiten Blick sieht man jedoch ein weiteres Geschoss auf dem Dach sowie auf dem Flachbau vor dem Gebäude. © Quarterback Immobilien GmbH

Dresden. Mit ihm sind bisher keine positiven Nachrichten verbunden gewesen: Das Hochhaus am Pirnaischen Platz steht vielmehr für Vernachlässigung und Vandalismus. Doch jetzt gibt es einen neuen Investor, der von sich sagt, dort so schnell wie möglich bauen zu wollen. Um wen es sich handelt und was genau er vorhat - das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Projekt im Herzen Dresdens.

Wer ist der neue Investor?

Ende des Vorjahres hat die Quarterback Immobilien GmbH Dresden das Hochhaus erworben, inklusive Baugenehmigung bis Oktober. Die ist jetzt von der Stadt verlängert worden. "Wir stützen uns weitgehend auf die Pläne des vorherigen Besitzers für die Sanierung, stimmen uns aber sehr eng mit der Stadt ab", sagt Steffen Funk, der Dresdner Niederlassungsleiter der Quarterback. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Leipzig und hat dort, aber auch in Erfurt, Halle, Delitzsch und Böblingen bereits eine Vielzahl von Projekten angeschoben. In Dresden-Strehlen hat Quarterback zuletzt fünf Mehrfamilienhäuser mit 72 Wohnungen gebaut. Aktuell will das Unternehmen das Ostravorwerk in der Friedrichstadt revitalisieren.

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Wird das Hochhaus seine markante Fassade behalten?

Wichtig sei dem Stadtplanungsamt, dass die Fassade möglichst nah am Original gestaltet wird, so Funk. Sprich: Die auffällige Loggienfassade mit ihren vielen Balkonen wird zwar modernisiert, sich optisch aber wahrscheinlich nicht allzu sehr verändern. Welche Farben verwendet werden, darüber gibt es noch Gespräche. "Der Schriftzug 'Der Sozialismus siegt' wird aber nicht wieder angebracht", sagt Funk mit einem Lächeln.

Was wird sich am und im Hochhaus alles verändern?

An der Nordseite des Gebäudes soll ein zusätzliches Treppenhaus angebaut werden. Bislang gibt es keinen zweiten Fluchtweg im Haus. Die alte Planung habe jedoch große Lücken aufgewiesen, sagt Funk. So muss die technische Gebäudeausrüstung komplett neu geplant werden, auch die zum Fluchttreppenhaus an der Nordseite des Gebäudes wird überarbeitet. "Wir wissen noch nicht genau, wie das Treppenhaus aussehen wird", sagt Funk.

170 Wohnungen sollen im Haus entstehen, dabei orientiere man sich weitgehend an den Originalgrundrissen. Auch die lange Flure blieben erhalten. Das noch in Teilen erhaltene Flugdach aus den 60er-Jahren kommt weg. Denn das Highlight sollen die drei großen Wohnungen werden, die das Dach in rund 50 Metern Höhe füllen. Das Staffelgeschoss erhält selbst ein Schmetterlingsdach - eine Hommage an die frühere Architektur an dieser Stelle.

Ein Stück Dresdner Geschichte: Am Hochhaus Grunaer Straße 5 sollen im kommenden Jahr die Sanierungsarbeiten starten.
Ein Stück Dresdner Geschichte: Am Hochhaus Grunaer Straße 5 sollen im kommenden Jahr die Sanierungsarbeiten starten. © Sven Ellger

"Damit erhalten auch Familien ein Angebot", sagt Funk. Sämtliche Wohnungen werden Mietwohnungen sein. Die Quarterback habe sich noch nicht entschieden, ob sie das Haus nach der Sanierung im Bestand behält oder an einen Käufer veräußert. Deshalb kann auch über die künftige Miethöhe noch nichts gesagt werden.

Bisher gibt es keine Autostellplätze am Hochhaus, lediglich die Parkplätze für den Lidl-Markt, der im dazugehörigen Flachbau residiert. "Deshalb werden wir eine Tiefgarage mit 30 Stellplätzen bauen, um das Wohnen attraktiver zu machen ", sagt Funk. Auch der Anbau soll um ein Geschoss aufgestockt werden. "Wir sind mit Lidl in Gesprächen. Der Markt müsste während der Arbeiten ausziehen, soll danach aber wieder hineinkommen." Im neuen Geschoss sollen Büroräume entstehen.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Im Herbst dieses Jahres sollen noch Änderungen und Ergänzungen zum Bauantrag eingereicht werden. Den Sanierungsbeginn am Pirnaischen Platz plant der Niederlassungsleiter im ersten Quartal 2022. Er rechnet mit anderthalb Jahren Bauzeit. Dann wäre das Hochhaus Ende 2023 bezugsfertig. "Wir haben das Hochhaus im Gegensatz zu anderen Eigentümern gekauft, um es zu sanieren und das soll auch so schnell wie möglich gehen", sagt Steffen Funk.

Bisher wurde das Gebäude bereits entkernt. "Die Fahrstuhlschächte waren von oben bis unten voller Müll, teilweise standen noch Möbel in den Wohnungen." Auch die Hauseingänge wurden noch einmal zugemauert, weil es immer wieder zu Vandalismus kommt.

Warum ist bis heute nichts passiert?

Vor gut zehn Jahren verkaufte die Stadt das Gebäude für vier Millionen Euro an die israelische Segal-Group. Man vereinbarte eine umfassende Sanierung. Es geschah aber nichts. Das Haus wurde zu einem Symbol für Verfall. Im Sommer 2017 veräußerte die Segal-Group das Haus an die Creo7 GmbH mit Sitz in Schönefeld. Diese kündigte kurz darauf an, das Hochhaus sanieren zu wollen.

Wegen schwerer Brandschutzmängel mussten die Mieter aber raus, noch bevor es losgehen konnte. 2018 erhielt der Investor schließlich eine Baugenehmigung. Passiert ist aber bis heute nichts. Die Bauaufsichtsbehörde hätte einen Gutachter beauftragt, der die Statik prüfen sollte, erklärte der Projektentwickler im vergangenen Sommer.

Endlos lange und dunkle Flure haben das Innere des Hochhaus geprägt, bis die Bewohner im Winter 2018 ausziehen mussten.
Endlos lange und dunkle Flure haben das Innere des Hochhaus geprägt, bis die Bewohner im Winter 2018 ausziehen mussten. © Sandro Rahrisch

Die Bauaufsicht stellte die Situation rund um den 14-Geschosser so dar: Ja, die Behörde habe Prüfingenieure für Brandschutz und Standsicherheit beauftragt. Das sei bei einem solchen Vorhaben vorgeschrieben. Die Experten hätten ihre Arbeit umgehend aufgenommen, teilt die Stadt mit. Der Standsicherheitsprüfer habe dann zahlreiche Punkte gefunden, die vom Bauherren nachgebessert werden sollten. Das habe er jedoch lange Zeit nicht getan.

Planungen und Bauvorbereitungen wurden vom Bauherren unterbrochen, heißt es von der Behörde. Die übrigen Mängel und Nachforderungen blieben liegen. "Warum hier die Planung eingestellt wurde und auch der Kontakt der Planer zur Bauaufsicht eingeschlafen ist, weiß das Bauaufsichtsamt nicht." Die SZ fragte beim Projektentwickler nach. Der antwortet: "Ein Plattenbau hat für eine zeitgerechte Nutzung viele statische Tücken, welche bearbeitet und überwunden werden müssen. Das braucht Zeit." Im Frühjahr 2021 wollte er loslegen. Das war das Letzte, was man zu dem Projekt im Herzen der Stadt hörte.

Wie alt ist das Hochhaus?

Die Geschichte des Hochhauses gleicht einem Zeitenspiegel. Gebaut wurde der 14-Geschosser von 1964 bis 1966 nach Plänen des Architekten Peter Sniegon sowie dem Architektenkollektiv Herbert Löschau, Hans Kriesche und Gerhard Landgraf. Zum Geburtstag der DDR am 7. Oktober 1966 wurde das Gebäude eröffnet.

Als Perle ostmoderner Architektur ist das Hochhaus gepriesen worden, als es eröffnete. Hier eine Aufnahme um 1970.
Als Perle ostmoderner Architektur ist das Hochhaus gepriesen worden, als es eröffnete. Hier eine Aufnahme um 1970. © Sammlung Holger Naumann

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Bis heute setzen sich Vertreter ostmoderner Architektur dafür ein, das Haus stehen zu lassen, anstatt über einen Abriss nachzudenken.

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