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Mieten in Dresden steigen weiter

Seit Jahren müssen die Einwohner von Dresden immer mehr für die Wohnung ausgeben. Warum das so ist und welche Stadtteile am teuersten sind.

Die Mieten in Dresden steigen.
Die Mieten in Dresden steigen. © Lothar Ferstl/dpa (Symbolbild)

Dresden. Die Mieten in Dresden steigen immer weiter. Wer eine größere Wohnung sucht und vielleicht gerne in seinem Kiez bleiben möchte, erlebt oft eine Odyssee an Besichtigungen, bevor etwas Bezahlbares dabei ist.

Wie tief müssen die Dresdner in die Taschen greifen?

Die durchschnittliche Dresdner Mietwohnung kostete 2020 monatlich 608 Euro, so die Stadt. Also 9,16 Euro pro Quadratmeter. Davon liegt die Grundmiete bei 454 Euro, die kalten Betriebskosten bei 85 Euro und die Kosten für Heizung und Warmwasser bei 74 Euro. Die Wohnkosten, die die Mieter je Quadratmeter zahlen müssen, zogen damit zum wiederholten Mal seit 2007 an. "Innerhalb der letzten 24 Monate seit 2018 erhöhte sich die pro Quadratmeter zu zahlende Grundmiete um 5,1 Prozent, die kalten Betriebskosten um 4,9 Prozent", so das Ergebnis der kommunalen Bürgerumfrage. Von 2007 bis 2012 habe es einen kontinuierlichen Miet-Anstieg von jährlich rund 1,5 Prozent gegeben. Von 2016 zu 2018 betrug der jährliche Anstieg 3,9 Prozent und in den letzten beiden Jahren nun knapp 2,4 Prozent.

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Wo sind die Mieten am höchsten?

Mit durchschnittlich 7,37 Euro pro Quadratmeter mussten 2020 Mieter in der Äußeren und Inneren Neustadt die höchste monatliche Grundmiete bezahlen. Danach folgten Blasewitz und Striesen sowie Loschwitz und Schönfeld-Weißig. 2018 waren die beiden letztgenannten noch negative Spitzenreiter mit den höchsten Mieten. Die geringsten Mieten sind dagegen in den Stadträumen in Prohlis, Reick und Gorbitz mit 5,94 Euro zu zahlen. Am stärkten stiegen die Mieten zuletzt in Gorbitz mit 9,8 Prozent und in der Äußeren und Inneren Neustadt mit 8,9 Prozent.

Wie stark stiegen die Mieten bei den Genossenschaften?

Auch bei den Genossenschaften steigen die Mieten. "Von 2005 bis 2020 haben sich die Mieten im Durchschnitt von 4,48 Euro auf 5,53 Euro pro Quadratmeter, also um 23 Prozent erhöht", so Dana Jacob von der Wohnungsgenossenschaft Glückauf Süd Dresden.

Einen großen Einfluss auf die Mietpreise in der Genossenschaft hätten die Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. "Wir investieren jährlich inzwischen 25 bis 30 Millionen Euro in unsere Wohnungsbestände", sagt sie. Auch die in den vergangenen Jahren errichteten Neubauten wirkten sich auf den durchschnittlichen Mietpreis aus. "Die Mieten der jüngst in der Südvorstadt fertiggestellten drei Häuser liegen zwischen 10 und 12,50 Euro", so Jacob.

Die Mieter würden älter und gern in ihren Wohnungen bleiben. "Dafür werden im Bestand beispielsweise Balkone und Aufzüge angebaut und Bäder mit Duschen ausgestattet. Für Modernisierungsmaßnahmen werden gesetzlich zulässige Umlagen an die Mieter weitergereicht", betont die Sprecherin. In vielen Fällen würden diese Beträge aber auch gekappt und die Erhöhungen für die Bewohner „erträglich“ gehalten.

Die Mieten haben sich seit 2005 durchschnittlich über den gesamten Bestand um rund 33 Prozent erhöht. Das sagt auch Alrik Mutze, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ). Mieterhöhungen im Bestand hätte es aber so gut wie nicht gegeben. "Wesentlich ist der Anteil an Mieterhöhungen auf Grund von Modernisierungsumlagen für Balkone, Aufzugsanlagen oder Wärmeschutzmaßnahmen, die zu Erhöhungen der Bestandsmieten geführt haben."

Der größte Anteil der gestiegenen Mieten seien solche nach Sanierungen. Im Durchschnitt investiere die WGJ rund 10.000 Euro in eine neu zu vermietende Wohnung. 5,74 Euro pro Quadratmeter betrug der durchschnittliche Mietpreis in der WGJ, inklusive allen Neubauten, zum 30 Juni 2021. In den Neubauten selbst, also Wohnungen die nicht älter als elf Jahre sind, beträgt der durchschnittliche Mietpreis etwa 9,50 Euro pro Quadratmeter.

Was tut die Stadt für bezahlbare Mieten?

Mitte Juni hatte sich die sächsische Regierung darauf verständigt, den Prozess für die Einführung einer Mietpreisbremse in Dresden in Gang zu setzen. "Ich begrüße die von der Landesregierung angekündigte Verordnung. Damit kommt der Freistaat einer seit mehreren Jahren mehrfach vorgetragenen Forderung der Stadt Dresden nach", so Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) damals.

Die Mietpreisbremse, die voraussichtlich ab Jahresanfang 2022 gilt, ergänze die Maßnahmen des Dresdner Wohnkonzepts, das darauf ausgerichtet ist, Wohnen bezahlbar für alle zu gestalten, so Kaufmann. Eine Mietpreisbremse verbietet eine Neuvertragsmiete, die mehr als zehn Prozent über der örtlichen Vergleichsmiete des Dresdner Mietspiegels liegt.

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Die Stadt hat außerdem unterschiedliche Wohnungen in verschiedenen Größen, die sie an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet. Diese Wohnungen liegen in einem vergleichsweise günstigen Mietpreissegment für Dresdner mit einem niedrigen Einkommen. Allerdings gibt es derzeit mehr Berechtigte, als Wohnungen zur Verfügung stehen.

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