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Neue Sozialwohnungen für Dresden

Mehr als 80.000 Dresdner Haushalte haben Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Für sie wird auf städtischen Grundstücken neu gebaut.

Claudia Herzog von der WID zeigt eine der neuen Drei-Raum-Wohnungen auf der Alemannenstraße 31.
Claudia Herzog von der WID zeigt eine der neuen Drei-Raum-Wohnungen auf der Alemannenstraße 31. © Sven Ellger

Dresden. Sie sind geräumig, gut geschnitten mit offenen Küchen im Wohnbereich und liegen noch dazu in einem von Dresdens beliebtesten Wohnvierteln. 35 neue Wohnungen hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft WID auf einem ehemaligen Garagenhof auf der Alemannenstraße 31 a fertiggestellt. Schon nächste Woche ziehen die ersten Mieter in die beiden Häuser ein, die sich optisch an den berühmten Striesener Kaffeemühlenhäusern orientieren. Das Beste daran: die Wohnungen sind für Haushalte gedacht, die nur über ein geringes Einkommen verfügen und Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben. Vier der Wohnungen sind zudem komplett barrierefrei nutzbar. Und: vor dem Haus gibt es einen Mobi-Punkt mit Car-Sharing-Angebot und Elektroladesäule.

Wie hoch sind die Mieten in WID-Wohnungen und können sie auch steigen?

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Die Kaltmiete beträgt für den Quadratmeter sieben Euro. Möglich wird das durch Fördergeld vom Freistaat, das sind 3,80 Euro monatlich pro Quadratmeter. Insgesamt macht die Förderung 30 Prozent aus, die restlichen 70 Prozent der Baukosten werden frei finanziert. Ein Kriterium ist, dass die WID sparsam bauen muss, aber entsprechend den Bauvorschriften. In den Wohnungen gibt es keine gehobene Ausstattung, die Fassaden sind einfach. "Trotzdem legen wir Wert auf solide Materialien und bauen auch Balkone, alles andere wäre nicht zeitgemäß. Die Häuser sollen ja über viele Jahrzehnte genutzt werden können und sollen attraktiv sein", sagt WID-Geschäftsführer Steffen Jäckel. Zudem solle nicht von außen sofort erkennbar sein, dass es sich um Sozialwohnungen handele.

Wie alle anderen Vermieter auch, muss sich die WID um die Bewirtschaftung ihrer Häuser kümmern, was mit steigenden Kosten einhergeht. "Deshalb wird es auch bei uns Mietsteigerungen geben, aber auf sehr viel niedrigerer Basis als im privaten Sektor", sagt Jäckel. Erst nach dem dritten Jahr sind diese Steigerungen möglich.

Wie viele Wohnungen hat die WID bereits gebaut?

In den vier Jahren ihres Bestehens hat die WID mit denen auf der Alemannenstraße bisher genau 146 Wohnungen fertiggestellt. Die ersten 22 sind 2020 auf der Ulmenstraße entstanden, weitere 48 am Nickerner Weg. Dieses Jahr sind 40 auf der Lugaer Straße bezogen worden.

Schon nächste Woche soll das Projekt Jüngststraße in Blasewitz mit 22 Wohnungen baulich abgenommen werden, Einzug dort könnte Ende des Jahres sein. Ebenso wie auf der Nöthnitzer Straße, wo zehn Wohnungen entstanden sind, sowie der Bamberger Straße mit zehn und der Kipsdorfer/Schaufußstraße mit 27 Wohnungen, sagt Jäckel.

An welchen Vorhaben wird derzeit gearbeitet?

Voran geht es mit der Sanierung der drei Bestandsgebäude an der Parkstraße. Mitte des kommenden Jahres sollen dort insgesamt 95 Wohnungen bezugsfertig sein. Dazu kommen 26 auf dem Thymianweg, die wie die 35 Wohnungen auf der Bulgakowstraße, ab dem zweiten Quartal 2022 zur Verfügung stehen. Mitte kommenden Jahres sollen im Projekt Fröbelstraße 62 Wohnungen sowie in der Schäferstraße 58 fertig werden. Zu diesem Zeitpunkt ist auch der Bezug der Häuser Spenerstraße mit neun und Ockerwitzer Straße mit elf Wohnungen vorgesehen. Der Carl-Zeiss-Weg wird mit 13 Wohnungen voraussichtlich im vierten Quartal 2022 übergeben werden können.

Baustart soll dieses Jahr noch an den Projekten Florian-Geyer-Straße und Käthe-Kollwitz-Ufer erfolgen. "Rumtrödeln ist bei uns nicht", sagt Jäckel und lacht. Immerhin wolle man jedes Jahr 200 bis 250 Wohnungen schaffen. Jedes einzelne Projekt werde separat geplant und an die Umgebung angepasst. "Bei uns gibt es keine Wiederholungsbauten."

Das ist eines der zwei neuen Häuser, die auf einem ehemaligen Garagenhof in Striesen entstanden sind, orientiert an den typischen Kaffeemühlenhäusern.
Das ist eines der zwei neuen Häuser, die auf einem ehemaligen Garagenhof in Striesen entstanden sind, orientiert an den typischen Kaffeemühlenhäusern. © Sven Ellger

Gab es Bauverzögerungen?

Im vergangenen Jahr mussten zu Beginn der Coronapandemie viele der WID-Baustellen geschlossen werden, weil ausländische Arbeitskräfte nicht mehr ins Land kamen. "Zum Glück haben wir mit der Stesad einen erfahrenen Projektsteuerer, der gute Kontakte zu den Firmen und einen guten Überblick über den Baumarkt hat", sagt Jäckel. Die Lage sei schwierig gewesen, weil Verträge ausgelaufen waren und Preisangebote nicht mehr galten. "Dann so gut zu verhandeln, dass die Firmen bei uns und nicht an anderen Baustellen begonnen haben, war eine große Leistung der Stesad." Corona hatte auch zur Folge, dass auf den Baustellen an der Bulgakow- und Schäferstraße nicht begonnen werden konnte, weil der Kampfmittelbeseitigungsdienst zeitweise nicht einsatzbereit war. "Es wäre nicht möglich gewesen, Menschen zu evakuieren und in Sammelunterkünften unterzubringen, falls Munition gefunden worden wäre", erklärt der Geschäftsführer.

Auch Materialprobleme verzögerten die Arbeiten. Auf der Kipsdorfer Straße konnten die Betonfertigteile für die Decken lange nicht geliefert werden. "Da mussten wir im Erdgeschoss erst mal aufhören, zu bauen." Inzwischen hätten die Firmen aber gut aufgeholt.

Gibt es noch genügend städtische Grundstücke zum Bebauen?

"Nein, zumindest keine mit Baurecht", sagt Jäckel, und die, die es gibt, seien oft auch schwierig zu bebauen. Wie das auf der Spenerstraße, das sehr klein ist. "Wir lernen ja auch aus unseren Projekten und wissen jetzt, dass es bestimmte wirtschaftliche Grenzen gibt. Jedes Haus muss sich selbst rechnen und wenn das Grundstück zu klein ist, schaffen wir das nicht", sagt Jäckel.

Außerdem gebe es immer auch Nachforderungen der Baufirmen aufgrund steigender Materialpreise. Das sei schwierig, weil die Förderung nicht an die Preisentwicklung der Baukosten gekoppelt sei.

Nach welchen Kriterien werden die Sozialwohnungen vergeben?

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Neun bis zehn Bewerber gebe es für jede der neuen Wohnungen, sagt der Geschäftsführer. Bearbeitet werde nach Eingang der Bewerbungen. "Aber es braucht eine gute Menschenkenntnis, um funktionierende Hausgemeinschaften zusammenzustellen." Seine drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien auf dem Gebiet sehr erfahren und erfolgreich. "Wir wollen auch Auskünfte über das Einkommen und ob es Schulden gibt. Das heißt nicht, dass hier keiner einzieht, der verschuldet ist. Aber wir können auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen, wie das Sozialamt, das sich von Anfang an um Schuldnerberatung und mehr kümmert", sagt Jäckel. Grundsätzlich habe sein Unternehmen den Auftrag der Stadt erhalten, Wohnungen für diejenigen zu bauen, für die der private Markt nicht viel hergibt. "Aber wir sind deshalb kein Auffangbecken für alles Elend dieser Stadt." Es seien auch schon Kündigungen ausgesprochen worden.

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