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Viele Ideen für vergessenen Teil des Terrassenufers

Heute prägt ein betonierter Busparkplatz das Bild zum Eingang in die Altstadt. Wie das Areal neben der Carolabrücke umgestaltet werden könnte.

Der sogenannte Elbberg zwischen Carolabrücke, Terrassenufer und Steinstraße. Im Vorjahr standen keine Busse auf dem Parkplatz.
Der sogenannte Elbberg zwischen Carolabrücke, Terrassenufer und Steinstraße. Im Vorjahr standen keine Busse auf dem Parkplatz. © René Meinig

Dresden. Unterschiedlicher könnten die beiden Altstädter Seiten der Carolabrücke nicht sein. Während der Hasenberg am Brückenkopf mit der Synagoge bebaut ist und sich daneben der ehemalige Gondelhafen August des Starken mit viel Grün neben der Brühlschen Terrasse erstreckt, bietet die östliche Seite ein nüchternes Bild. Hinter einem kleinen Wiesenstreifen an der Straße befindet sich ein versiegelter Busparkplatz mit Toilettenanlage, begrenzt von einem schmalen Grünstreifen mit Bäumen. Es ist ein harter Schnitt zur Altstadt, die keine 100 Meter entfernt beginnt.

Auch die Stadtverwaltung ist mit diesem Zustand nicht zufrieden und hat schon vor vielen Jahren begonnen, Ideen für den Bereich zwischen Sachsenplatz, Ziegel- und Steinstraße sowie dem Terrassenufer zu sammeln. Den ersten städtebaulichen Wettbewerb gab es nach Auskunft von Stefan Szuggat, dem Leiter des Stadtplanungsamtes, bereits Anfang der 90er-Jahre, einen weiteren 2001. 2006 wurde ein Bebauungsplan aufgestellt.

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Doch passiert ist bisher nichts. Wohl auch, weil sich die Ausgangsbedingungen verändert haben. Das Hotel am Terrassenufer, das eigentlich abgerissen werden sollte, bleibt nach gerichtlicher Entscheidung mindestens noch 25 Jahre stehen. Die neben der Brücke geplante Konzerthalle wird es nicht geben und auch die ursprüngliche Idee, die Steinstraße zu verlegen, ist kurzfristig nicht umsetzbar.

Der Traum vom Venezianischen Haus

Dafür gibt es neue Vorschläge für den Bereich am einstigen Elbberg. Bauunternehmer Frank Wießner möchte dort das Venezianische Haus wieder aufbauen. Ein beeindruckender Bau, einem gotischen Palazzo nachempfunden, für den kein geringerer als der Dogenpalast in Venedig Vorbild war. Bis 1945 stand das von Freiherr Eugen von Gutschmid nach Plänen des Architekten Heinrich Hermann Bothen, einem Semper-Schüler, errichtete Haus am Terrassenufer 3, direkt neben der Carolabrücke, ehe es von Bomben getroffen wurde.

Wießner recherchierte, welche Gebäude es hier früher gab und stieß darauf, dass dies das Dresdner Künstlerviertel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Elbberg war, in dem unter anderem der Bildhauer Ernst Rietschel und die Maler Caspar David Friedrich und Johann Christian Clausen Dahl wohnten.

Würden Wießners Pläne umgesetzt, könnte neben der Carolabrücke das Ensemble vom Venezianischen Haus, einem Nachbargebäude und einem moderner Bau an der Ecke Terrassenufer/Steinstraße entstehen. "Das könnte ein Anfang sein und der Busparkplatz dahinter könnte bestehen bleiben", sagt Wießner. Viel lieber aber würde er auf dem Parkplatzareal weitere sieben Häuser bauen, die gemeinsam mit den vorderen einen kleinen Platz bilden würden, ähnlich einer kleinen italienischen Piazza mit Brunnen und Grün. Zudem plant Wießner eine Bebauung des gegenüberliegenden Grundstückes mit mehreren Häusern in unterschiedlichen Höhen und Fassaden.

So könnte der Komplex um das Venezianisches Haus aussehen.
So könnte der Komplex um das Venezianisches Haus aussehen. © Visualisierung: Max Wiessner Baugeschäft/Archlab

In einer nicht-repräsentativen Befragung der Sächsischen Zeitung mit über 460 abgegebenen Stimmen hatten sich im Vorjahr 85 Prozent der Teilnehmer für den Wiederaufbau des Ensembles des Venezianischen Haus ausgesprochen.

Studentische Leitideen

Um weitere Ideen für den Bereich der Pirnaischen Vorstadt zu erhalten, hat die Stadt 2019 die Fakultät Architektur der TU Dresden einbezogen. Es gab einen studentischen Wettbewerb, aus dem vier Leitideen hervorgingen, wie man das Areal schrittweise zur kompakten, nachhaltigen Stadt mit kurzen Wegen umgestalten könnte. "Denn jetzt finden wir dort, ganz nah an der Innenstadt, einen Siedlungscharakter mit wenig Bebauung vor, umgeben von viel Grün, was ein Widerspruch ist. So würde man Stadt heute nicht mehr entwickeln", sagt Manuel Bäumler, Professor für städtebauliches Entwerfen an der Fakultät Architektur der TU Dresden. Eine Stadt sei im Kern am dichtesten und werde lichter zu den Rändern. So, wie Dresden bis 1945 aussah.

Bäumler erklärt die vier Leitideen. Orientiert haben sich seine Studenten dabei an Städten wie Paris oder Venedig. "Man muss das Ziel erstmal hoch stecken", sagt Bäumler in Bezug auf den Markusplatz in Venedig, der für die Idee des Forums an der Elbe Pate stand. Solitärbauten wie das Venezianische Haus prägen darin die erste Reihe der Kernstadt. Dieses Ensemble könnte man auf der anderen Seite der Brücke fortsetzen.

Ein zweiter Lösungsansatz nennt sich Stadtachse und meint einen langen Boulevard mit vielen kleinen Geschäften. Entstehen könnte er mit dem Ausbau der Roßbach- und der Rietschelstraße, die den Sachsen- mit dem Rathenauplatz verbinden würden. Verkehr würde darin eine untergeordnete Rolle spielen.

Viele kleine Plätze im Quartier, auf denen sich die Bewohner gern treffen und einen Kaffee trinken, ist die Ideen hinter Lösung Nummer drei. Sie bedeutet, dass man sein Viertel als öffentlichen Raum über die eigene Wohnung hinaus nutzt. Ein gelungenes Bespiel dafür ist der Martin Luther-Platz in der Neustadt.

Elbprospekt ist der Name für Vorschlag Nummer vier und bezieht vor allem die Beziehung zum Fluss mit ein. Stufen könnten sich zur Elbe öffnen, die Bebauung könnte neben der Brücke auf erhöhtem Terrain stattfinden, um dem Hochwasser zu entgehen. "Vielleicht klappt es ja, dass der Verkehr vom Terrassenufer wegkommt. Das hat jeder Stadt gutgetan, die das für ihren Uferbereich so entschieden hat", sagt Bäumler.

Abschnittsweise Entwicklung über langen Zeitraum

Der Architekturprofessor gibt der Verwaltung und den Stadträten mit auf den Weg, zu sehen, wie wichtig die Uferpromenade für Dresden ist und dass der Bereich neben der Brücke mehr ist als nur eine Böschung mit Busparkplatz. "Das ist viel zu wenig für dieses außerordentliche Stück Stadt. Dresden kann sich glücklich schätzen, so etwas in direkter Innenstadtnähe noch zu haben."

Ähnlich sieht es auch Torsten Kulke von der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND). "Das ist ein Filetstück, auf das man besonderes Augenmerk legen muss, damit keine Entwicklungen wie am Straßburger Platz oder Postplatz passieren."

Auch die Dresdner Gestaltungskommission hat sich bereits mit dem Areal befasst. Anregungen gab es aus ihren Reihen, die Baumreihe am Terrassenufer bis zur Brücke zu verlängern und unter der Brücke statt Parkflächen Spiel-oder Sportplätze anzulegen. Allerdings war im Gremium wenig Zeit für das Thema, sodass es im November eine weitere interne Runde dazu geben soll, sagt Stadtplanungschef Szuggat.

Er könne sich nicht vorstellen, dass man ein "städtebauliches Fragment" wie den Komplex um das Venezianische Haus "da hinsetzt", bevor nicht geklärt ist, wie man den Busparkplatz verlegen könnte. Angesichts der Situation der Reisebusunternehmen, die gerade erst wieder mit ihrem Geschäft anfangen, sei das ein sensibler Punkt.

Einig ist man sich, dass das Areal weiterentwickelt werden muss. Vor allem auch mit den Eigentümern, zwei Wohnungsgenossenschaften und dem Pharmazieunternehmen Glaxo-Smith-Kline Biologicals. Es wird wohl ein langfristiger Prozess.

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Frank Wießner hofft, dass der nicht so lange dauert wie am Narrenhäusel. "Viele Leute fragen mich, wie es vorangeht. Vor allem die Älteren wollen noch erleben, das etwas wiederersteht, was sie von früher kennen und schätzen."

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