merken
PLUS Dresden

Vonovia soll Dresdner Wohnungen verkaufen

Der Stadtrat hat Oberbürgermeister Hilbert beauftragt, mit dem Wohnungskonzern zu verhandeln. Der OB hatte eigentlich andere Pläne.

Vonovia will wachsen. Dresden fürchtet eine zu große Macht des Wohnungskonzerns und will ihn deshalb dazu bewegen, Tausende Wohnungen zu verkaufen.
Vonovia will wachsen. Dresden fürchtet eine zu große Macht des Wohnungskonzerns und will ihn deshalb dazu bewegen, Tausende Wohnungen zu verkaufen. © Marcel Kusch/dpa

Dresden. Zwei Giganten auf dem Wohnungsmarkt fusionieren. Vonovia und Deutsche Wohnen planen den Zusammenschluss. Die Unternehmen besitzen in Dresden zusammen mehr als 45.000 Wohnungen. Eine Marktmacht, die das Bundeskartellamt möglicherweise nur mit Auflagen genehmigen wird. Eine Auflage könnte sein, dass die Konzerne Wohnungen abgeben. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) wollte diese Chance nutzen, bis zu 5.000 Wohnungen von Vonovia und Deutsche Wohnen zu kaufen. Die kommunale Wohnungsgesellschaft Wohnen in Dresden (WID) wäre zum Großvermieter in der Landeshauptstadt aufgestiegen. Doch der Stadtrat wollte am Donnerstag nicht folgen.

Hilbert argumentierte zuvor: "Mit dem Zusammenschluss würde der Marktanteil der Vonovia im Mietwohnsektor von derzeit 15 Prozent auf zirka 18 Prozent ansteigen und damit im Vergleich zu Berlin doppelt so hoch liegen." Ein Player, der die Mietpreise bestimmen könnte, auch für Nicht-Vonovia-Mieter. Denn Vermieter dürfen sich an ortsüblichen Vergleichsmieten orientieren.

Anzeige
Gesucht: Mitarbeiter Batterie-Fertigung
Gesucht: Mitarbeiter Batterie-Fertigung

Das Unternehmen Litronik mit Sitz in Pirna entwickelt und produziert Batterien für humanmedizinische Implantate wie Herzschrittmacher und Defibrillatoren.

Stadträte fürchten Verschuldung Dresdens

Zu den größten Kritikern des Plans gehört die CDU. Es sei völlig unklar, ob es diese Auflagen seitens des Kartellamtes überhaupt geben wird, kritisierte Stadtrat Hans-Joachim Brauns den Vorstoß des Stadtoberhaupts. Und selbst wenn die Fusion nur unter dieser Voraussetzung zustande käme, so müsse nicht die Stadt diese Wohnungen erwerben, sagte Parteikollege Ingo Flemming. Wenn Konkurrenten das machen würden, zum Beispiel private Wohnungsunternehmen oder Wohnungsgenossenschaften, dann wäre dies völlig in Ordnung. Flemming betonte den Kostenfaktor, sprach von 300 bis 500 Millionen Euro die nötig wären. Dafür müssten Schulden aufgenommen werden, die möglicherweise auf die WID abgewälzt würden. Anstatt das Geld in bestehende Wohnungen zu stecken, sollte es doch das Ziel sein, neue zu bauen.

Die im Stadtrat neu gegründete Dissidenten-Fraktion hatte den Kauf-Vorschlag zuerst unterbreitet, Hilbert schloss sich weitestgehend an. Die öffentliche Hand sei schon immer in der Geschichte ein Marktteilnehmer auf dem Wohnungsmarkt gewesen, warb Dissidenten-Stadtrat Schmelich auch am Donnerstag für den Ankauf der Wohnungen. Es sei neoliberales Gerede, wenn immer nur über eine drohende Verschuldung gesprochen werde, so Schmelich weiter.

Mieter sollen Wohnungen kaufen dürfen

Neben SPD und Linken verteidigten die Grünen Hilberts Plan. "Wir haben in vielen Stadtteilen steigende Mieten, das kann keiner leugnen", sagte Stadtrat Thomas Löser. Darüber hinaus sei der Bedarf an Sozialwohnungen weitaus höher als das Angebot. Mit der Fusion eröffne sich eine Möglichkeit, die Dresden nutzen sollte.

Doch all diese Argumente wollten CDU, FDP, Freie Wähler und AfD nicht gelten lassen. Die Freien Demokraten würden durchaus die Gefahr erkennen, die eine Fusion mit sich bringen würde, sagte Stadtrat Christoph Blödner. Daher solle sich Hilbert beim Kartellamt für eine vertiefte Prüfung der geplanten Fusion einsetzen. Und ja, der OB könne mit Vonovia in Verhandlungen treten, die den Verkauf von bis zu 5.000 Wohnungen zum Ziel haben. Es müsse aber nicht die Stadt sein, die diese Wohnungen kauft. Das könne man auch Genossenschaften oder anderen Wohnungsunternehmern überlassen. Darüber hinaus schlug die FDP vor, Vonovia dazu zu bewegen, weitere 2.000 Wohnungen an ihre Mieter zu verkaufen, wenn sie das wollen.

OB entscheidet sich gegen seinen Antrag

So beschloss es der Rat dann auch mehrheitlich. CDU, Freie Wähler und AfD schlossen sich dem FDP-Vorschlag an. Selbst der OB votierte am Ende dafür und damit gegen seinen eigenen Antrag, wohl wissend dass dieser keine Mehrheit bekommen würde. Hilbert sah sich nach einigem Protest von Grün-Rot-Rot zu einer Erklärung nach dieser Abstimmung gezwungen. Er interpretiere den beschlossenen FDP-Antrag so, dass dieser einen Wohnungsankauf durch die Kommune nicht eindeutig ausschließt. Das Ende bleibt also offen.

Weiterführende Artikel

Hilbert will Vonovia-Wohnungen zurückkaufen

Hilbert will Vonovia-Wohnungen zurückkaufen

2006 wurde Dresden durch den Verkauf kommunaler Wohnungen über Nacht schuldenfrei. Warum Oberbürgermeister Dirk Hilbert nun die Kehrtwende vollzieht.

Vonovia: Dresden sieht Fusion kritisch

Vonovia: Dresden sieht Fusion kritisch

Vonovia und Deutsche Wohnen wollen fusionieren. Das könnte Folgen haben für den Wohnungsmarkt in Dresden, warnt die Stadt.

Vonovia will Deutsche Wohnen schlucken

Vonovia will Deutsche Wohnen schlucken

Wenn der Zusammenschluss tatsächlich passiert, entsteht Europas größter Wohnimmobilienkonzern. Es ist bereits der dritte Übernahmeversuch.

Dresden: Hier baut Vonovia neu

Dresden: Hier baut Vonovia neu

Der Großvermieter zieht Bilanz aus dem Corona-Jahr. Wie groß die Probleme der Mieter sind und was in diesem Jahr geplant ist.

Eine Mehrheit gab es immerhin für Hilberts Vorschlag, einen Ankauf von Vonovia- und Deutsche Wohnen-Grundstücken auszuhandeln, auf dem die WID eigene Wohnungen bauen kann. Außerdem soll der Zugriff der Stadt auf Vonovia-Wohnungen verlängert werden. Dieser war im Zuge des Woba-Verkaufs 2006 an die Vonovia-Tochter Gagfah ausgehandelt worden. In diesen Wohnungen kann Dresden unter anderem sozial schwache Einwohner unterbringen. Auch die Sozialcharta, die 2006 ebenfalls vereinbart wurde, soll verlängert werden.

Mehr zum Thema Dresden