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Was sind Häuser in Sachsen wert?

Ein Start-up macht Immobilienpreise öffentlich - auch des Hauses nebenan. Dabei wird klar: In Sachsen gibt es extreme Preisdifferenzen. Doch wie verlässlich sind diese Werte?

Interesse an einem Haus auf dem Neumarkt? Scoperty zeigt, wie tief man ungefähr in die Tasche greifen muss.
Interesse an einem Haus auf dem Neumarkt? Scoperty zeigt, wie tief man ungefähr in die Tasche greifen muss. © Screenshot SZ

Die Internetplattform Scoperty schätzt den Wert von Immobilien – ganz egal, ob sie zum Verkauf stehen oder nicht. Fast jedem Haus hat das Start-up ein Preisschild aufgedrückt und in Sachsen bereits 1,8 Millionen Objekte bewertet. Ihren Berechnungen zufolge haben sächsische Immobilien in den vergangenen zwei Jahren um rund 19 Prozent an Wert zu gelegt. Gestiegen sind die Quadratmeterpreise überall, angefangen im Landkreis Görlitz mit einer Wertsteigerung von etwas mehr als sieben Prozent bis zu fast 30 Prozent in der Stadt Leipzig.

Angaben, die das Unternehmen verbreitet, ohne jemals vor Ort gewesen zu sein. Die Bewertung übernimmt ein Algorithmus, der die Grundstücksgröße, Wohnfläche sowie das Baujahr anhand von Onlinekartendaten analysiert, mit anderen öffentlich zugänglichen Informationen kombiniert und letztlich für jedes Objekt eine Preisspanne ausspuckt. Dadurch soll der Immobilienmarkt ein bisschen transparenter werden, sagt Scoperty-Geschäftsführer Michael Kasch. Bisher mussten sich Eigentümer auf die rare Angebotslage auf Immobilienportalen verlassen, die mit dem tatsächlichen Verkaufspreis oft wenig zu tun haben – oder einen Makler einschalten.

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Die Preise in Sachsen

Der automatisch generierte Datensatz gibt eine Übersicht über die derzeitige Wohnsituation in Sachsen: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus ist 161 Quadratmeter groß und kostet 220.248 Euro; Baujahr 1945. Eine durchschnittliche Wohnung hat 65 Quadratmeter Wohnfläche, wurde 1950 gebaut und kostet 103.805 Euro.

Vor allem in den letzten zwei Jahren seien die durchschnittlichen Quadratmeterwerte für alle Objekte von 1.179 Euro im ersten Quartal 2018 auf 1.407 Euro im vierten Quartal 2020 angestiegen.

Dresden gehört demnach mit einem Schnitt von 2.716 Euro pro Quadratmeter nach wie vor zur teuersten Gegend, doch der Vorsprung zu Leipzig (2.663 Euro) schwindet. Dort, in der am schnellsten wachsenden Stadt Deutschlands, habe es zugleich den größten Eigentümer-Zuwachs gegeben. Im Landkreis Görlitz sei es mit 856 Euro je Quadratmeter am günstigsten, gefolgt von Vogtlandkreis (896 Euro) und Erzgebirge (905 Euro). In Zwickau liege der Quadratmeter auch noch bei 960 Euro. Dort gelte es, die Entwicklungen der nächsten Wochen zu beobachten, so Kasch: Mit Blick auf die E-Mobilitätsproduktion von VW könnten die Werte steigen.

Die Finanzierung

Letztlich wünscht sich Scoperty mehr Bewegung auf dem Immobilienmarkt: Kaufinteressenten möchten sie einen zusätzlichen Wert mit in die Verhandlung geben und aus Eigentümern Verkäufer machen. Der Service von Scoperty ist kostenlos. Geld verdient das Unternehmen mit Vermittlungsprovisionen von Maklern oder Baufinanzierern und profitiert deshalb von vielen Transaktionen. „Stellen Sie sich vor, an ihrem Auto würde nicht nur ein Wir-Kaufen-Ihr-Auto-Kärtchen, sondern auch ein Preisvorschlag stecken“, vergleicht Scoperty-Sprecher Kai Oppel seine Plattform, über die Nutzer auch direkte Gebote abgegeben können. Ab einer gewissen Summe würde jeder ins Grübeln kommen.

Die Bedenken

Der Chef des Hauseigentümerverbandes Haus & Grund Dresden, Christian Rietschel, warnt aber davor, in „Goldgräberstimmung“ zu verfallen – und hält die Werte des Start-ups für zu hoch gegriffen: „Sicherlich wird es eine Wertsteigerung gegeben haben, die ist allerdings nur schwer messbar.“ Rietschel befürchtet, dass solche Bewertungen künftig von den Finanzämtern auf die Grundsteuer angewendet werden könnten. In erster Linie gehe es ihm aber darum, Käufer und Verkäufer vor Enttäuschungen zu bewahren. Nicht umsonst gebe es in Leipzig Bemühungen, eine Mietpreispreisbremse einzuführen. „Sollte sich das bestätigen, platzt meine Spekulation und das Finanzierungskonzept fällt zusammen“, erklärt Rietschel.

Der Speckgürtel und die Dörfer

Allerdings bestätigen die Scoperty-Daten auch bundesweite Trends: metropolnahe Gemeinden mit hoher Lebensqualität stehen hoch im Kurs. Im Leipziger Umland sei die Preisentwicklung am größten. So wird Markkleeberg mit einem durchschnittlichen Quadratmeterwert von 3.254 Euro vom Start-up als teuerste Gemeinde bewertet, auch Radebeul bringt es pro Quadratmeter auf durchschnittlich 3.026 Euro. Erst danach taucht Dresden auf.

Rietschel empfiehlt, solche Werte einem Realitätscheck zu unterziehen, denn was brächten einem solche Top-Immobilien, wenn sich kein Mieter findet? „Oberhalb der Weinberge wird selbst in Radebeul die Nachfrage bei mehr als sieben Euro kalt pro Quadratmeter dünn.“

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Fern ab der Großstädte wirken solche Quadratmeterpreise unwirklich. In der günstigsten Gemeinde Schönbach im Landkreis Görlitz liege er im Durchschnitt bei 607 Euro, in Schönau-Berzdorf nur zwei Euro darüber. Aufgrund der großen Wertschwankungen rangiere Sachsen preislich im bundesweiten Vergleich im unteren Drittel – und verzeichnet ähnliche Werte wie das Saarland.

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