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Tausende Dresdner dürfen Sozialwohnung mieten

Bisher hatten rund 55.000 Haushalte Anspruch auf günstigere Mietwohnungen. Nun wird die Einkommensgrenze angepasst.

Von Fördermitteln will auch die Dresdner Wohnungsbaugesellschaft WID profitieren, um weitere Sozialwohnungen zu bauen wie jene in Kleinzschachwitz.
Von Fördermitteln will auch die Dresdner Wohnungsbaugesellschaft WID profitieren, um weitere Sozialwohnungen zu bauen wie jene in Kleinzschachwitz. © Marion Doering

Dresden. Für viele Dresdner sind die Mietpreise unerschwinglich geworden. Um die Wohnung halten zu können, müssen neue Klamotten warten, der Ostsee-Urlaub um ein weiteres Jahr verschoben werden und der neueste Kinofilm eben im Fernsehen geschaut werden.

Damit nicht Tausende Familien irgendwann in die Armut rutschen, sind nun die Einkommensobergrenzen für Sozialwohnungen angehoben worden - um 40 Prozent. Das heißt: Rund 28.000 weitere Haushalte haben ab sofort Anspruch auf eine Wohnung zu günstigeren Mietpreisen.

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Bisher durften etwa 54.800 Haushalte einen entsprechenden Wohnberechtigungsschein beantragen, teilte die Stadtverwaltung am Dienstag mit. Durch die neue Landesvorschrift würden nun noch einmal 27.500 dazukommen.

Corona-Krise belastet die Dresdner zusätzlich

"Lassen Sie Ihren Anspruch prüfen", sagt Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke). Wegen steigender Immobilienpreise, Mieten und Einkommensverlusten infolge der Corona-Pandemie könnten viele Haushalte ihre Wohnkosten nicht mehr allein schultern. "Mit dem Wohngeld, das zum Jahresanfang erhöht wurde, und dem Wohnberechtigungsschein, den jetzt mehr Haushalte erhalten können, greifen wir den Betroffenen unter die Arme."

Und so sehen die Einkommensgrenzen aus: Für Alleinstehende liegt die Obergrenze nun bei 16.800 Euro pro Jahr, für Zwei-Personen-Haushalte bei 25.200 Euro. Wer zu dritt in einer Wohnung lebt, für den gilt eine Obergrenze von 30.940 Euro. Bei Vier-Personen-Haushalten sind es 36.680 Euro.

Für jede weitere zum Haushalt zählende Person steigt die Obergrenze um 5.740 Euro pro Jahr. Andere Regeln gelten für minderjährige Kinder: Für sie werden 700 Euro pro Jahr berücksichtigt. Was man zum Antrag des Wohnberechtigungsscheins wissen muss, erklärt die Stadtverwaltung ausführlich auf ihrer Internetseite.

Nicht genügend Sozialwohnungen für alle Berechtigten

Viele Menschen also, die nun eine Sozialwohnung beziehen könnten - wenn es denn so viele gäbe in Dresden. Laut Stadtverwaltung stehen aktuell aber nur rund 10.400 mietpreis- und belegungsgebundene Wohnungen zur Verfügung. Um den Anspruch aller Berechtigten erfüllen zu können, will Dresden weitere Sozialwohnungen schaffen - sowohl durch private Bauherren als auch selbst.

Diesem Ziel dürfte die Stadt in diesem Jahr ein kleines bisschen näher gekommen. Denn Dresden erhält rund 21 Millionen Euro für den Bau von Sozialwohnungen. Bund und Land zahlen diesen Zuschuss. Damit könne man dieses Jahr die Errichtung von bis zu 500 Wohnungen unterstützen, so die Stadt.

"Sowohl für die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wohnen in Dresden als auch für private Investoren herrscht nun Planungssicherheit bis Ende des Jahres bei der Antragstellung für Bauvorhaben für den mietpreisgebundenen Wohnungsbau", sagte Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne).

Die Nettokaltmieten für die neuen Wohnungen würden voraussichtlich bei etwa 7,50 Euro pro Quadratmeter liegen, so Kühn weiter.

"Für diese Mietergruppe wurde es besonders in den letzten Jahren spürbar schwieriger, am freien Wohnungsmarkt mit steigenden Mieten eine Wohnung in Dresden zu finden." Das zeige, dass bezahlbarer Wohnraum für viele Dresdner benötigt werde.

Schon über 140 geförderte Sozialwohnungen fertig

In den vergangenen vier Jahren erhielt Dresden rund 31 Millionen Euro von Bund und Land, um den sozialen Wohnungsbau zu unterstützen. Damit werden 803 Wohnungen gebaut, verteilt über die gesamte Stadt. Die ersten 142 Wohnungen sind schon bezugsfertig.

Man hoffe für die Zukunft auf noch höhere Zuschüsse für den Sozialwohnungsbau, so Kühn. Aktuell gibt es pro Wohnung bis zu 630 Euro pro Quadratmeter. Der Zuschuss müsse sich allerdings auch an den steigenden Baupreisen orientieren. Außerdem sehe es der Baubürgermeister gern, wenn die Wohnungen länger als 15 Jahre als Sozialwohnungen angeboten werden könnten. Derzeit gilt für Bauherren diese Frist.

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Perspektivisch würden in Dresden weitere 10.000 Sozialwohnungen gebraucht. Das ergab eine Antwort auf eine Anfrage des Landtragabgeordneten Thomas Löser (Grüne) an die Staatsregierung. Die WID will in diesem Jahr rund 120 Wohnungen fertigstellen, weitere 62 im kommenden Jahr. Ohne Förderung können Sozialwohnungen kaum gebaut werden. Auch die WID müsste wohl zu üblichen Neubau-Preisen von über zehn Euro pro Quadratmeter kalt vermieten.

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