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Intensiv-Betrüger bestreitet Vorwürfe

Kaum aus dem Gefängnis heraus soll ein vielfach vorbestrafter Friseur wieder über Ebay Sachen verkauft haben, die er nicht lieferte. Er sagt, er sei ausgespäht worden.

Ein Dresdner Betrüger soll kurz nach seiner Haft wieder Handys verkauft haben, um an Geld zu kommen. Die Geschädigten gingen jedoch leer aus. Der 39-Jährige bestreitet das dieses Mal jedoch.
Ein Dresdner Betrüger soll kurz nach seiner Haft wieder Handys verkauft haben, um an Geld zu kommen. Die Geschädigten gingen jedoch leer aus. Der 39-Jährige bestreitet das dieses Mal jedoch. © dpa

Dresden. So lange ist Kenny B. noch nicht wirklich wieder auf freiem Fuß – und schon muss sich der vielfach vorbestrafte Betrüger erneut vor einem Richter verantworten. Wegen Betruges, was sonst. B. hat es eben gerne etwas gediegener, auch wenn ihm das nötige Kleingeld dafür fehlt. Das macht er locker mit Fantasie und Kaltschnäuzigkeit wett.

Laut Anklage soll der 39-Jährige, ein gelernter Friseur, über Ebay-Kleinanzeigen zwei Handys verkauft haben, die er dann jedoch nicht auslieferte. Schaden: im Februar dieses Jahres 202 Euro, im April weitere 400 Euro. Angeboten habe er im ersten Fall ein Samsung S9 und im zweiten Fall ein Apple iPhone 11. Darum ging es nun in dem neuen Strafprozess vor dem Amtsgericht Dresden.

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Kenny B. war mit seinem Verteidiger Henning Schneider gekommen und durfte in dem kleinen Sitzungssaal seine Mund-Nasen-Maske aufbehalten. Nein, nein, behauptete der Angeklagte, mit diesen Betrügereien habe er nichts zu tun. Mit dem Konto der Fidor-Bank, auf das die Überweisungen eingegangen seien, habe er nichts zu tun.

Weder habe er die Handys über Ebay-Kleinanzeigen angeboten, noch habe er dafür Geld empfangen. Auch die Handynummer sei ihm nicht bekannt. Die Ermittler hatten wohl auch Chats mit dem vermeintlichen Anbieter der Ware ausgewertet, die ihnen von den Geschädigten übergeben worden waren. So weit, so unbefriedigend.

"Sind Sie das?"

B. vermutet, dass seine Personalien ausgespäht worden sein müssen, als er sich schon vor Jahren bundesweit sowie in Österreich und der Schweiz um eine neue Stelle beworben habe. Damals sei der Dresdner in Flensburg gewesen, habe dann einen Job in Bayern angetreten. Bis zum Antritt seiner letzten Haftstrafen, es waren mehrere, sei er dort gewesen.

„Sind Sie das?“, fragt der Richter den Angeklagten und zeigt ihm ein Foto, das B. als mutmaßlichen Inhaber des Bankkontos auswies. „Ja, das bin ich“, antwortete B., auch wenn sein Haar damals voller gewesen sei. Es ist tatsächlich möglich. Gerade Banken, bei denen sich neue Kunden per Video-Kontakt identifizieren können, stünden im Visier von Betrügern, bestätigte auch der Staatsanwalt. Es gebe zahlreiche bekannte Fälle, in denen die Kunden gar nicht mitbekommen hatten, dass ihre Anmeldung von Unbekannten missbraucht worden seien.

Allerdings gebe es einen qualitativen Unterschied zum Fall von Kenny B. In der Regel würden ausgespähte Konten sehr schnell von den Täter genutzt, um Überweisungen mit kriminellem Hintergrund, oft Geldwäsche-Delikte, schnell abzuheben. Im Fall des Angeklagten liege die Kontoeröffnung Jahre zurück.

Zweiter wunder Punkt sind Bezahlvorgänge in Dresden. So sei das Konto, dessen Besitz der Angeklagte bestreitet, etwa bei Rewe, Kaufland und McDonald's eingesetzt worden. Das sei ebenfalls zumindest „widersprüchlich“.

Flucht aus der Haft

Kenny B. hatte bis Ende 2019 zwei Freiheitsstrafen abgesessen, zu denen er im Juni 2015 verurteilt worden war, insgesamt drei Jahre und neun Monate. Hinzu kam noch ein offener Strafrest von einem Jahr und acht Monaten.

Unter anderem hatte der umtriebige Friseur einen Audi unter falschen Personalien finanziert, aber die Raten nicht bedient. Der Mann hatte in seinem Prozess ausgesagt, dass er mit dem „gebrauchten“ Audi A3 Sportback für 28.000 Euro seine Freundin zur Arbeit gefahren habe. Nein, auch einen Führerschein hatte er nicht. Außerdem hatte sich B. in einer Dresdner Wohnung eine Küche einbauen lassen und kaum etwas bezahlt. Und nicht zuletzt hat er einen Computer bei Ebay verhökert, aber nicht geliefert.

Im Frühjahr 2019 sorgte der Gefangene B. zuletzt für Schlagzeilen, als er aus dem Dresdner Gefängnis verschwunden war. Er flüchtete an einem Sonntagabend aus dem sogenannten Freigängerbereich am Hammerweg. Einen Tag später meldete er sich freiwillig auf einem Polizeirevier, „nicht mehr ganz nüchtern“, wie es damals hieß.

Richter Thomas Hentschel setzte das Verfahren aus und beauftragte die Staatsanwaltschaft mit einigen Nachermittlungen. So soll nun unter anderem das betreffende Konto etwas genauer unter die Lupe genommen und geprüft werden, ob ein anderer Nutzer als Kenny B. infrage kommt. Ebenfalls geprüft werden soll, wer sich bei Ebay und dem für die Betrügereien genutzten Mobilfunkanschluss unter den Personalien des Angeklagten angemeldet hat. Wenn das getan ist, wird Kenny B. wieder ins Dresdner Amtsgericht eingeladen.

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