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Irreführende Corona-Schreiben im Briefkasten

In Dresden sind Briefe aufgetaucht, die offiziellen Behördenschreiben ähneln. Die Absender werden aber vom Verfassungsschutz beobachtet.

In mehreren Dresdner Stadtteilen landete in den letzten Tagen dieser Umschlag im Briefkasten. Der Absender ist von Sicherheitsbehörden als Verdachtsfall Rechtsextremismus eingestuft.
In mehreren Dresdner Stadtteilen landete in den letzten Tagen dieser Umschlag im Briefkasten. Der Absender ist von Sicherheitsbehörden als Verdachtsfall Rechtsextremismus eingestuft. © privat

Auf den ersten Blick sieht der Brief wie ein offizielles Behördenschreiben aus. Der Absender lautet: eine „Abteilung Corona-Schnelltest/Dresden“. Am Montag sind in Dresden Briefumschläge mit der Aufschrift „Ihr persönlicher Corona-Schnelltest“ aufgetaucht. Sie wurden nach SZ-Informationen in mehreren Stadtteilen, darunter Gruna und Striesen in die Briefkästen von Anwohnern eingeworfen.

Das Schreiben ist optisch sowie durch die Wahl von Anrede und Schriftart so gestaltet, als würde es von der Stadt kommen und als handelte es sich um eine Abteilung des Rathauses. Der Brief hinterlässt einen düsteren Eindruck, eine Bleiwüste, keinerlei Grafiken.. Es handle sich um eine „wichtige Information für alle Dresdner“, suggeriert die Aufschrift.

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Ein SZ-Leser entdeckte das Anschreiben „an alle Haushalte“ am Montagmorgen in seinem Briefkasten. „Es handelt sich hier offensichtlich um Corona-Leugner, die in Form eines offiziell wirkenden Schreibens ihre Propaganda an den Mann bringen wollen“, sagt er. „Es ist wichtig, dass die Leute über diese dreiste Aktion aufgeklärt werden, da bestimmt viele auf diesen Trick sonst hereinfallen werden.“ Auf dem Briefkopf prangt der Schriftzug „Corona-Schnelltest für alle Haushalte“. Auf der Rückseite stehen vier Ankreuz-Fragen. Die „richtige Antwort“ lautet demnach: Infektions-Zahlen sagten nichts aus, der Impfstoff sei hoch riskant. Durch Information könne sich der Briefleser vor „anstehenden Massenimpfungen“ schützen, die angeblich das „Leben und die Freiheit“ der Familie angriffen. Egal, wie der Leser im „Test“ abschneidet – er wird immer dazu aufgerufen, zwei Zeitschriften zum Preis von zehn Euro zu bestellen.

Auch der Dresdner Lehramtsstudent Patrick Müller fand das Schreiben in seinem Briefkasten. Seine Familie in der Oberlausitz und er selbst sind an Covid-19 erkrankt. „Diese Fake-News haben das Ziel, leichtgläubige Leser dazu zu bringen, Magazine zu bestellen“, sagt der 21-Jährige.

Angst schüren oder Abos einwerben?

Tatsächlich ist der amtlich aufgemachte Brief eine Werbeaktion. Der Absender ist das „Compact-Magazin“, eine Zeitschrift, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als Verdachtsfall Rechtsextremismus eingestuft ist. „Das Magazin bedient sich revisionistischer, verschwörungstheoretischer und fremdenfeindlicher Motive“, begründete BfV-Chef Thomas Haldenwang im Frühjahr die Beobachtung des Magazins und des in der Nähe von Potsdam ansässigen Verlags. Chefredakteur ist Jürgen Elsässer. Der 63-Jährige trat unter anderem schon bei Pegida auf.

Ob Elsässer mit dem Brief Ängste bei den Lesern erzeugen will, um Abonnements der Zeitschrift einzuwerben, ist nicht zu klären. Auch nicht, ob damit verunsicherte Menschen zur Ablehnung der staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen animiert werden sollen. Eine Anfrage der SZ ließ Elsässer bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Patrick Müller, der neben seinem Studium Vize-Chef der Dresdner Jungliberalen ist, sagt: „Es ist eine Unverschämtheit auf dem Rücken Schwerkranker Abos verkaufen zu wollen. Das ist takt- und respektlos gegenüber allen Betroffenen.“ Müller hat die Stadt eingeschaltet.

Rathaussprecherin Barbara Knifka sagt: „Das Ordnungsamt wird den Vorgang prüfen. Solche Aktionen sind mehr als ärgerlich, gerade in dieser angespannten Lage“.

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