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Ist Dresden in puncto Smart City abgehängt?

Galt die Landeshauptstadt 2019 als „intelligenteste“ Stadt in Ostdeutschland, ziehen Jena und Leipzig inzwischen deutlich vorbei - eine Ursachenforschung.

© Haselhorst Associates

Von Jürgen Germies

Zugegeben – auf den ersten Blick mag das Ergebnis unseres aktuellen Smart-City-Rankings von Haselhorst Associates erschrecken. Während Dresden noch im vergangenen Jahr als die smarteste Stadt Ostdeutschlands glänzen konnte, ist der ehemalige Spitzenreiter inzwischen in puncto Digitalisierung weit abgeschlagen. Die sächsische Landeshauptstadt muss sich aktuell mit dem 83. Platz begnügen; im Ranking werden die 403 größten Städte Deutschlands ab einer Einwohnerzahl von 30.000 gelistet.

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Zum Vergleich: 2019 schaffte es Dresden noch unter die deutschlandweiten Top 20. Und nun folgt also der vermeintliche Absturz? Ganz so pauschal darf das derzeitige Ergebnis der rund 550.000-Einwohner-Kommune nicht gedeutet werden. Was die Gründe für die Abstufung Dresdens angeht, geben die Zahlen nämlich keine Auskunft.

Eine Erklärung liefert vielmehr der Blick über die Landeshauptstadt hinaus. Im Vergleich zu den anderen ostdeutschen Städten wie Leipzig und Jena muss sich Dresden nämlich mehr und mehr eingestehen, dass diese das Thema Digitalisierung inzwischen mindestens ebenso ambitioniert – wenn nicht gar noch ehrgeiziger – vorantreiben. Vor allem Jena macht in diesem Jahr mit dem elften Platz im Gesamtranking und dem ersten in der Kategorie „Digitale Gebäude und Quartiere“ von sich reden.

Digitalisierungs-Strategie als Grundlage

Daneben landet auch Leipzig mit dem 31. Rang mehr als 50 Plätze vor Dresden. Die knapp 590.000-Einwohner-Kommune kann zurecht stolz darauf sein, was sie in puncto Strategieentwicklung in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt hat. Das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept 2030“ bindet die Digitalisierung als Querschnittsthema in vielen Lebensbereichen ein. Daneben kümmert sich das Referat „Digitale Stadt“ darum, neue Digital-Projekte in sämtlichen Lebens- und Verwaltungsbereichen auf die Beine zu stellen.

Die Verantwortlichen in Leipzig wissen wie wichtig es ist, frühzeitig das Potenzial – aber auch die Risiken – der Digitalisierung zu erkennen. Diese Erkenntnis ist zwar auch für die Dresdner Entscheider nichts Neues. Woran es aktuell jedoch hapert, ist die stetige Weiterentwicklung der bestehenden Ideen. Die Landeshauptstadt muss aufpassen, dass sie sich in Zukunft nicht von ihren umliegenden Kommunen in puncto Smart City abhängen lässt.

Glasfaserausbau als Grundlage

Natürlich ist es erfreulich, dass die Stadt an der Elbe in fast allen Einzelkategorien ein im Vergleich zum Bundesdurchschnitt besseres Ergebnis eingefahren hat. Ausgerechnet was die „Digitale Infrastruktur“ angeht, ist Dresden jedoch im Hintertreffen. Lediglich einen Wert von zehn Prozent kann die Kommune hier geltend machen – zumindest gemäß der Zahlen des Breitband-Atlas, die zum Zeitpunkt der Datenerhebung für das Smart-City-Ranking im Frühjahr/Sommer dieses Jahres gültig waren.

Dabei ist gerade eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur für die Fortentwicklung hin zu einer Smart City ungemein entscheidend. Ohne den entsprechenden Glasfaserausbau wird es den Städten hierzulande nämlich nicht gelingen, neue innovative Projekte in Zukunft in die Tat umzusetzen.

Um hier keinen falschen Eindruck zu erwecken: Dresden steht mit dem schlechten Ergebnis keineswegs alleine dar: Laut den aktuellen Zahlen der OECD hat der Anteil aller stationären Breitbandanschlüssen, die an Glasfaserkabel angebunden sind, im Juni 2019 lediglich 3,6 Prozent betragen. Im Vergleich kommt Vorreiter Südkorea auf satte 81,7 Prozent.

Die Zahlen sind alarmierend, denn: Der Glasfaserausbau ist nicht nur strategisch sinnvoll, sondern absolut notwendig, um die Zukunftsfähigkeit der Städte zu sichern. Dresden – und alle weiteren Städte Deutschlands – sind hier zum Handeln aufgerufen!

Über den Autor:

Jürgen Germies ist seit 2013 Partner bei der Starnberger Unternehmensberatung Haselhorst Associates. Er hat sich auf den Geschäftsbereich Smart City spezialisiert. Germies entwickelt gemeinsam mit Stadtwerken und Kommunen zukunftsfähige Konzepte zur digitalen Daseinsvorsorge.

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