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"Nur wegen des Virus lasse ich keinen fallen"

Dresdens Veranstalter und Clubbetreiber erleben eine schwere Zeit - und bleiben mit Blick auf 2021 dennoch optimistisch. Wie auch im Lockdown gefeiert werden kann.

Thomas Röpke verleiht auch Bühnentechnik. Das hat ihm dieses Jahr wenigstens einige Einnahmen gebracht.
Thomas Röpke verleiht auch Bühnentechnik. Das hat ihm dieses Jahr wenigstens einige Einnahmen gebracht. © Marion Doering

Dresden. Fast jeder Dresdner hat schon mindestens auf einer seiner Veranstaltungen getanzt. Sei es bei den Chocolate-Nights, den Ü-30 oder Ü-40 Partys im Parkhotel, bei den Afterwork-Partys am Carolaschlösschen, wenn DJ Westbam auflegt oder im Kiezclub, im Audi Zentrum, dem Japanischen Palais gefeiert wurde.

Thomas Röpke ist seit 23 Jahren als Veranstalter im Geschäft, organisiert deutschlandweit Konzerte wie Firmenevents, hat unter anderem den "Alten Hangar" am Flughafen als Event Location platziert.

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Rückblickend verlief nicht jedes Jahr für seine Firma High Moments Group (HMG) optimal. "Da habe ich immer wieder Dellen erlebt", sagt er. Seien es lange DVB-Baustellen für die Linie 11, durch die das Parkhotel nicht gut erreichbar war, geburtenschwache Jahrgänge oder die Wirtschaftskrise 2009.

Röpke hat sich deshalb mehrere Standbeine aufgebaut. Neben dem Veranstaltungsbereich gibt es eine Kommunikationsagentur unter dem Dach der HMG und es wird Bühnen- und Veranstaltungstechnik sowie -mobiliar vermietet.

Doch 2020 ist auch für ihn ein außergewöhnliches Jahr. "Wir haben seit März keine Daseinsberechtigung mehr. Das macht etwas mit den Menschen."

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Gemeinsam feiern und Konzerte hören

Dabei ist es nicht so, dass Röpke nichts zu tun hat. Für dieses Jahr war sein Kalender voll mit eigenen Konzerten, anderen Veranstaltungen und deutschlandweiten Bühnenaufträgen.

Fast alle sind aufs nächste Jahr verschoben, da muss verlegt und neu organsiert werden. 80 Prozent der Karten sind also schon verkauft. Aber wer weiß heute schon, wann es wieder losgehen kann? "Optimistisch rechne ich erst im Juni/Juli 2021 damit", sagt der 41-Jährige.

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Zum Glück kamen über die Vermietung dieses Jahr einige Aufträge rein. "Gerade stehen unsere Zäune auch rund um die Strecke des Skiweltcups. Ich zolle René Kindermann sehr viel Respekt dafür, dass die Veranstaltung, trotz aller Auflagen und Mehraufwendungen, stattfindet."

Dennoch muss Röpke 2020 auf 90 Prozent des Umsatzes der Vorjahre verzichten. Jetzt hilft ihm, dass er in den Jahren zuvor gut gewirtschaftet und Rücklagen gebildet hat. Erst 2019 ist ein neues Firmengebäude inklusive Lager entstanden. Und er bekommt Bundeshilfen, die jedoch wie bei allen Kollegen nur einen Teil seiner Fixkosten decken.

Seine vier Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, mit dem Azubi führt er gerade eine neue Software ein. "Ich hatte ihm zugesagt, dass er bei uns ab 2020 Veranstaltungskaufmann werden kann. Und nur wegen des Virus' lasse ich den jungen Menschen, der so viel Potenzial und Begeisterung mitbringt, nicht einfach fallen", sagt Röpke.

Er ist optimistisch, dass es mit dem Impfstoff nächstes Jahr wieder möglich sein wird, gemeinsam zu feiern und Konzerte zu hören. Er weiß aber, dass es Mitarbeiter in der Veranstaltungsbranche gibt, denen es nicht gut geht, die angesichts der langen Dauer des Lockdowns für die Branche in ein tiefes Loch gefallen sind.

"Wer so jemanden im Familien- oder Freundeskreis hat, sollte versuchen ihn aufzufangen und zu motivieren. Passt auf Eure Freunde auf!", sagt Röpke. Er selbst kommt täglich ins Büro und hat regelmäßig Kontakt zu seinen Kollegen, auch über Videokonferenzen.

"Regierung muss uns Profis vertrauen"

In diesem Jahr hat Röpke die Zusammenarbeit mit Jens Hewald vom Parkhotel beendet. Die beiden hatten 2016 die gemeinsame Firma Parkhotel Events GmbH gegründet, die seitdem alle Veranstaltungsflächen im Haus betrieben hat. Doch im Juni dieses Jahres habe es einen Vertrauensbruch durch seinen Geschäftspartner gegeben.

"Wir hatten gute Pläne für die Zeit nach Corona, aber auf dieser Basis konnte ich leider nicht mehr mit ihm weiterarbeiten", sagt Thomas Röpke. Er hofft dennoch, dass es mit dem Parkhotel weiter bergauf geht.

"2003 hatte ich meine erste Veranstaltung im Parkhotel, seit 2008 den Blauen Salon selbst ausgebaut und betrieben. So stecken fast 18 Jahre Lebenszeit von mir im Haus. Es wäre schade, wenn so ein Virus dieses tolle Haus kaputtmachen würde"

Für das kommende Jahr wünscht sich der Veranstalter, dass die Firma endlich wieder selbst ihren Lebensunterhalt erwirtschaften kann. "Wir haben so viele Erfahrungswerte, wie wir Konzerte und andere Veranstaltungen sicher durchführen können. Da muss die Bundesregierung uns Profis auch vertrauen, mal wieder machen lassen und nicht immer nur pauschal verbieten. Sicherheitskonzepte waren auch schon vor Corona ein elementarer Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Dieses Vertrauen würden wir dann gerne auch zurückzahlen."

Club zuhause, aber keine Großraumdisko zuhause

Auch optimistisch ins kommende Jahr blickt Saloppe-Sprecherin Linda Glaser. "Dieser Sommer in der Saloppe war wegen Corona natürlich sehr speziell, aber es war kein schlechter Sommer und die Gäste, die kamen, waren sehr dankbar", sagt sie.

Sie hätten in der Saloppe das Glück, dass sie auf dem großen Gelände an der Brockhausstraße die Stühle und Tische weit auseinander stellen und Gäste dadurch gut Abstand halten können.

"Ich fokussiere mich jetzt hauptsächlich auf den Sommer 2021 und die OpenAir Saison in der Saloppe. Einige private Feten und Firmenfeiern stammen noch aus letztem Sommer, wo ein Feiern teilweise nicht möglich war. Diese Hochzeitspaare hoffen nun natürlich auf ihr großes Fest."

Damit im Lockdown trotzdem gute Stimmung zu Hause herrscht, überträgt etwa das Downtown in Dresden regelmäßig Live-Auftritte bekannter DJs im Internet. "Anstatt alten Zeiten hinterher zu trauern (die mit Sicherheit irgendwann wiederkehren werden), haben wir lange still und heimlich an etwas getüftelt."

Unter dem Motto 'Der beste Club in deiner Stadt ist deine Wohnung!' soll mit einer App der Lieblingsclub nach Hause gebracht werden. "Wichtig ist uns dabei: Club zuhause heißt nicht gleich Großraumdisko zuhause", schreiben die Betreiber auf ihrer Facebook-Seite.

Mit der Aktion soll das Cluberlebnis neu gedacht und wieder erlebbarer gestaltet werden. Aber: "Wir bitten dich, aktuelle COVID-19 Verordnungen einzuhalten. Mit der App kannst du dich mit all deinen Freunden online treffen – ohne zuhause aufeinander zu hocken", heißt es weiter.

Alle Infos dazu unter www.downtown-dresden.de

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