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Kampf ums Krankenhaus Dresden-Neustadt

Viele Dresdner wehren sich gegen die Schließung der Klinik. Deshalb könnten nun die Pläne fürs gesamte Klinikum Dresden ins Stocken geraten.

Das Dresdner Bündnis für Pflege protestiert vor dem Stadtmuseum gegen die Klinik-Schließung
Das Dresdner Bündnis für Pflege protestiert vor dem Stadtmuseum gegen die Klinik-Schließung © Sven Ellger

Dresden. Der Protest war klein und coronakonform, aber er hat etwas bewirkt. Einige Vertreter des Dresdner Bündnisses für Pflege haben vor dem Stadtmuseum gegen die Quasi-Schließung des Krankenhauses Dresden-Neustadt demonstriert.

Wie die Stadträte reagiert haben und wie die Dresdner nun doch noch mehr in die große Umstrukturierung des Klinikums Dresden einbezogen werden sollen.

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"Die Pandemie zeigt, dass alle Kliniken schnell erreichbar sein müssen"

Nachdem die Pläne für das städtische Klinikum öffentlich wurden, hat der Pfleger Jonas Leuwer eine Petition zum Erhalt des Krankenhauses Dresden-Neustadt gestartet. Rund 5.000 Unterschriften erreichte diese.

Nun stand sie erneut auf der Tagesordnung des Petitionsausschusses. Doch der Ausschuss könne nicht seriös über die Petition entscheiden, ohne weitere Details zum Umbau des Klinikums vorliegen zu haben, hieß es. "Deshalb wurde der Punkt vertagt", so Linke-Stadträtin Anja Apel.

Apel will die Dresdner nun in den Prozess einbeziehen. "Wir haben als Ausschuss empfohlen, eine Bürgerwerkstatt dazu durchzuführen, in dem Umfang, in dem dieses unter Corona-Bedingungen möglich ist." Dazu solle es eine Mediation geben.

Dorit Hollasky, Sprecherin des Bündnisses für Pflege Dresden sagt, Dresden brauche keine Klinik-Schließungen und auch keinen Betten-Abbau. "Die Pandemie zeigt doch, dass alle Kliniken schnell erreichbar sein müssen und mehrere Standorte besser sind als alles zentral an einem zu zentrieren."

"Die Versorgung der Dresdner wird objektiv schlechter"

Hollasky arbeitet im Klinikum Dresden. Sie sagt, die Mitarbeiter fühlen sich missachtet. "Viele Jahre wurde in Neustadt gute Arbeit geleistet und jetzt wird es so dargestellt, als würde der Standort nicht mehr benötigt."

Das ganze Konzept für die Neuausrichtung des Klinikums fuße auf ungewissen Fördermitteln, kritisiert Linke-Stadtrat Jens Matthis. "Die Versorgung der Dresdner wird dadurch aber objektiv schlechter, mindestens im Norden Dresdens, und das Klinikum wird Patienten an andere Krankenhäuser verlieren." Man müsse zunächst ein weiteres Gutachten in Auftrag geben, in dem genau das untersucht wird und Antworten auf weitere offene Fragen kommen.

Die Stadtspitze und die Klinikleitung wollen den Standort Friedrichstadt zum Campus ausbauen, auf dem Weißen Hirsch soll ein Zentrum für psychische Erkrankungen entstehen und in Neustadt ein Notfallzentrum.

Dafür bleiben nach den Plänen im Klinikum Neustadt zehn Betten. "Damit fehlt das gesamte Hinterland - das wäre ein potemkinsches Dorf", kritisiert ein Teilnehmer am Protest.

Zentren könnten führend in ihren Fachgebieten werden

Klinik und Stadt argumentieren, dass es große Fördersummen nur geben könne, wenn Strukturen abgeschafft, also Kliniken zusammengelegt werden. Das bringe aber viele Vorteile.

Die Zentren würden sich immer mehr spezialisieren, können führend in ihren Fachgebieten werden. Auch dem Argument, in einer Pandemie eher mehr Kapazitäten und Standorte zu benötigen, widerspricht Klinik-Direktor Marcus Polle. Corona sei "besser zu meistern", wenn es jetzt bereits die Konzentration auf Friedrichstadt gäbe. Patienten könnten gezielt dorthin verlegt und behandelt werden, auch eine Abschottung wäre laut Polle einfacher, weil komplette Gebäude für Corona-Patienten abgestellt werden könnten.

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Der Stadtrat soll eigentlich im Juni über das Klinikum-Konzept entscheiden. Wegen des geforderten Zweitgutachtens könne sich das aber verschieben, bestätigt auch Matthis. Diese Zeit müsse sich der Rat aber nehmen.

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