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Dresden: Furcht vorm Kaufpark Nickern

Immer mehr Betroffene appellieren an die Stadträte, die City zu schützen. Doch die Politiker sind uneins.

Shopping auf der Prager Straße: In der Diskussion um den Kaufpark Nickern haben sich jetzt die Manager des Galeria-Karstadt-Hauses zu Wort gemeldet.
Shopping auf der Prager Straße: In der Diskussion um den Kaufpark Nickern haben sich jetzt die Manager des Galeria-Karstadt-Hauses zu Wort gemeldet. © Christian Juppe

Dresden. Es ist ein durchdachtes Projekt, der neue Kaufpark, der den alten in Nickern ersetzen soll. Erlebnisshopping mit Kinderland, Gastronomie und Unterhaltung verspricht Investor Kurt Krieger. 260 Millionen Euro will der Besitzer des Elbeparks dafür investieren und den Neubau bis 2025 errichten.

Für dieses Projekt hat das Dresdner Citymanagement bereits klare Worte gefunden. Die deutlich erhöhte Verkaufsfläche von rund 30.000 statt derzeit knapp 20.000 Verkaufsfläche mit innenstadtrelevanten Sortiment schade den Händlern in Dresdens Stadtzentrum. Die Folge wären viele leerstehende Fenster in der City, Insolvenzen drohten.

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Auswirkungen auf benachbarte Ortsteilzentren

In der vergangenen warnte auch Globetrotter-Chef Andreas Bartmann vor einem neuen Kaufpark in Nickern. Er sieht den Einzelhandel in Dresdens City in Gefahr.

Nun haben sich der Vertriebschef und der Leiter Immobilien und Logistik des Warenhauskonzerns, zu dem auch Karstadt gehört, mit einem Brief an den Oberbürgermeister und die Stadträte gewandt. Die Absichten von Krieger torpedierten die Bemühungen der Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum. Mach dich stark für das Leben, den Handel und die Kultur in unserer Stadt", schreiben Engelbert Thulfault und Reinhard Haas. Als einer der Großflächenhändler mit rund 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche und rund 2.50 Mitarbeitern im Dresdner Haus blicke man mit Besorgnis auf die Pläne des neuen Kaufparkes.

Dort sollen vor allem die Bereiche Bekleidung/Wäsche, Sportartikel und Elektro-/Elektronikartikel ausgebaut werden. Doch genau für die Bereiche gehöre die Nachfrage ins Zentrum, schreiben die Galeria-Karstadt-Manager. Eine Empfehlung der Untersuchung der Dresdner Einzelhandelslandschaft im Auftrag des Sächsischen Handelsverbandes war, auf vergrößerte Flächen im Bereich der Nahversorgung zu verzichten. Denn darunter würden auch im Falle des Kaufparkes Nickern die Ortsteilzentren von Heidenau und Pirna leiden.

Durch die Verschiebung der Sortimentsanteile wäre auch das Verhältnis von lokalen und touristischen Kunden in der Innenstadt gefährdet, befürchten Thulfault und Haas. Das Ziel, mit einer attraktiven und lebendigen Innenstadt mit Handel, Kultur und Gastronomie Gäste für mehrere Tage statt bisher durchschnittlich nur einen anzuziehen, wäre verfehlt. "Das Leben gehört in die Innenstadt!", ist der Apell, der im Brief an den OB und die Stadträte geht mit der Bitte, die Erweiterung in Nickern nicht zuzulassen.

Verschiedene Meinungen in der Stadtpolitik

In den Fraktionen wird das Thema durchaus diskutiert, soll doch der Bauausschuss schon am 10. März eine Richtung vorgeben, wie es in Nickern weitergeht. Krieger hatte Ende Februar erklärt, seine Pläne in die Schublade zu packen, wenn es kein klares Bekenntnis von den Stadträten und Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) für das Projekt gibt.

Die CDU-Fraktion will den Investor definitiv unterstützen, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher Steffen Kaden. "Jeder, der in der Stadt etwas entwickeln will, ist bei uns willkommen." Gleichzeitig höre man aber durchaus die Argumente des Citymanagements. "Wir glauben, dass mit dem Elbepark und dem Kaufpark zwei starke Zentren am Rand der Stadt angemessen sind, aber das reicht dann auch für Dresden. Konkret müssen wir über die Ausweitung des Sortiments reden, ein Aufwuchs wünschen wir nicht. Und das wird am Mittwoch passieren", sagt Kaden.

Parallel dazu müsse man sehen, wie ein Wiederaufbauplan für die City aussehen könnte mit starken Veranstaltungen und beispielsweise auch verkaufsoffenen Sonntagen wie am Tag der Deutschen Einheit. Ein erster Schritt sei getan mit mehr Geld für das Citymanagement im städtischen Haushalt.

So soll der neue Kaufpark in Nickern aussehen.
So soll der neue Kaufpark in Nickern aussehen. © Visualisierung: Krieger Liegenschaften

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Die Grünen im Stadtrat sehen das Projekt Kaufpark mit gemischten Gefühlen. Kurt Krieger habe sich bereits beim Umbau des Elbeparkes nicht an die Baugenehmigung gehalten, das mache ihn nicht zum vertrauenswürdigen Partner, sagt Torsten Schulze, der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen. Andererseits sei der jetzige Kaufpark Nickern in einem schlechten Zustand. "Wichtig ist, die Sortimentserweiterung zu verhindern,", sagt Schulze und ist sich damit mit seinem Fraktionskollegen Thomas Löser einig. "Wir müssen die Gesamtstadt bei der Betrachtung im Blick haben. Und fakt ist, dass die Innenstadt durch einen größeren Kaufpark leidet."

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