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Keine Bewährung für Ebay-Betrüger

Ein 39-jähriger Dresdner hat auf Nachermittlungen bestanden – und die werden nun schmerzhaft für den vielfach vorbestraften Mann. Dumm gelaufen.

Über das Kleinanzeigen-Portal von Ebay hat ein Dresdner Betrüger Handys verkauft - aber nicht geliefert. Jetzt muss er ins Gefängnis.
Über das Kleinanzeigen-Portal von Ebay hat ein Dresdner Betrüger Handys verkauft - aber nicht geliefert. Jetzt muss er ins Gefängnis. © Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Dresden. Frage nicht, wenn du die Antwort nicht kennst, lautet eine alte Journalistenweisheit. Wenn es auch eine Betrügerweisheit wäre, vielleicht hätte Kenny B. die Vorwürfe nicht bestritten. Aber mit Betrügern ist das so eine Sache. Die Hartgesottenen unter ihnen leben in ihrer eigenen Welt und lassen sich auch von objektiven Beweisen nicht verunsichern. Das klappt manchmal, im Fall von Kenny B., einem gelernten Frisör, ging es jedoch gründlich schief.

Der Mann mit inzwischen 17 Vorstrafen – meist Betrug und Fahrens ohne Führerschein – hat immer wieder für seine Taten auch Haftstrafen verbüßt. Es ging etwa um bestellte Küchen und unterschlagene Autos. Zuletzt saß er bis November 2019 im Dresdner Gefängnis.

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Im Februar und April 2020, kurz nach der Entlassung, hat er mit zwei kleinen Betrügereien über die Plattform Ebay-Kleinanzeigen schnelles Geld gemacht. Laut Anklage verkaufte er ein Samsung-Handy für 200 und ein Apple-Handy für 400 Euro, kassierte das Geld samt Versandgebühr, aber verschickte die Ware nie.

Im November 2020 stand B. erstmals in dieser Sache vor dem Amtsgericht Dresden. Damals hatte er die Vorwürfe wortreich bestritten und behauptet, sein Personalausweis sei 2015 gestohlen worden. Offenbar habe jemand mit seiner gestohlenen Identität ein Konto bei der Fidor-Bank eröffnet und Kasse gemacht. Richter Thomas Hentschel setzte das Verfahren aus und veranlasste Nachermittlungen. Dabei bestätigten sich jedoch nicht nur die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, es kamen wohl noch weitere Vorwürfe ans Licht.

Erdrückender Videobeweis

Am Dienstag entpuppte sich nun auch im Gerichtssaal B.s Schutzbehauptung als die komplett falsche Strategie. Kenny B. selbst hatte das Konto eröffnet – im Oktober 2018 als Freigänger während seiner Haftzeit. Das zeigte nun das Video-Identifizierungsverfahren der Bank, das im Gerichtssaal vorgespielt wurde. Daher hatte Verteidiger Henning Schneider schon zu Beginn der Verhandlung um ein Rechtsgespräch gebeten. Hinter verschlossenen Türen versuchte er, für seinen nun geständigen Mandanten eine Bewährungsstrafe herauszuholen.

Eine Ermittlerin vom Revier Süd, die sich B.s Kontobewegungen vorgenommen hatte, berichtete überraschend, dass B. allein das Apple-Handy gleich dreimal verkauft haben muss – das führte offenbar auch zu neuen Ermittlungen gegen B. Die beiden Geschädigten, eine Frau aus Niedersachsen und ein Mann aus Sachsen-Anhalt, berichteten, der Verkäufer habe erst behauptet, es gebe Probleme beim Versand, später habe er gar nicht mehr reagiert. Eine typische Reaktion von Ebay-Betrügern.

Richter Hentschel verurteilte B. zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung. B. sei Bewährungsbrecher und vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Das Gericht könne ihm keine günstige Prognose ausstellen. Erschwerend hinzu käme auch, sagte Hentschel, dass B. seit dem ersten Prozess im November seinen Schaden nicht beglichen habe.

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