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Klima-Demonstranten blockieren "St. Petersburger" in Dresden

Zum dritten Mal halten die Demonstranten in der Landeshauptstadt den morgendlichen Berufsverkehr auf. Es kommt zu Behinderungen auf der St. Petersburger Straße.

Von Christoph Springer
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14 Menschen haben am Freitagmorgen die St. Petersburger Straße blockiert - eine Demo für mehr Klimaschutz.
14 Menschen haben am Freitagmorgen die St. Petersburger Straße blockiert - eine Demo für mehr Klimaschutz. © René Meinig

Dresden. Zum dritten Mal seit Mitte Mai blockierten Klima-Demonstranten in Dresden eine Straße. Am 16. Mai klebten sie sich auf den Asphalt der Hansastraße, am 7. Juni blockierten sie die St. Petersburger Straße in Höhe des Georgplatzes. An diesem Freitag traf es wieder die "St. Petersburger". Die 13 Demonstranten liefen um 7.30 Uhr an einer Fußgängerampel am Georgplatz auf die Fahrbahn in Richtung Hauptbahnhof. Es bildete sich ein Stau zurück bis über den Pirnaischen Platz hinaus.

Protest gegen neue LNG-Terminals

"Stoppt den fossilen Wahnsinn" ist das Motto der Demonstranten. Die Teilnehmer blockieren Straßen, weil nach ihrer Ansicht Gespräche, Petitionen und andere Aktionen wie Fridays for Future-Demonstrationen noch nicht genug für den Klimaschutz erreicht haben.

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Versammlungsleiterin Iris Kämper: "Mit einem Weiter-so werden wir die 1,5 Grad Celsius noch vor 2030 überschreiten." Gemeint ist damit die Erderwärmung, die bei diesem Wert gestoppt werden soll. "Wäre der politische Wille da, könnten wir die Klimawende schaffen und die Klimakatastrophe hoffentlich verhindern", meint Kämper und fügt hinzu: "Die Hütte brennt."

Ihr Ziel: Die Bundesregierung soll keine neue fossile Infrastruktur zulassen wie Bohrungen in der Nordsee und feste Terminals für verflüssigtes Erdgas. Dafür nehmen sie bei ihren Aktionen in Kauf, dass Autofahrer Termine verpassen, nicht rechtzeitig zur Arbeit kommen oder Lieferungen womöglich zu spät ihr Ziel erreichen. Anders als mit solchen drastischen Maßnahmen sei nicht genug Aufmerksamkeit für das Thema zu erreichen, argumentieren die Blockierer.

Drei Mal sieben Minuten lang stellten sich die Klima-Demonstranten den Autofahrern in den Weg.
Drei Mal sieben Minuten lang stellten sich die Klima-Demonstranten den Autofahrern in den Weg. © René Meinig

Drei Blockaden ohne Sekundenkleber

Während es bei der Aktion auf der Hansastraße Mitte Mai mehr als eine Stunde dauerte, bis die Fahrbahn wieder frei war, blockierten die Demonstranten die "St. Petersburger" Anfang Juni dreimal jeweils sieben Minuten lang. So läuft das auch an diesem Freitag ab.

Ein Hupkonzert oder gar wütende Angriffe auf die Demonstrierer wie in anderen Städten bleiben aus. Autofahrerin Karin Grützmann steht ganz vorn im Stau, direkt vor den Demonstranten. "Grundsätzlich finde ich eine solche Aktion nicht schlecht, weil gerade in so einer aktuellen Zeit auch Gas und Öl gespart werden müssen", sagt die Dresdnerin, die auf dem Weg zu Eltern ist, um ihre Tochter zu ihnen zu bringen.

Die Polizei ist im Vorfeld informiert worden und an diesem Morgen schon vor den Demonstranten zur Stelle. Die Beamten überwachen die Aktion und informieren die Autofahrer, die zum Stehenbleiben gezwungen sind, über den Grund des Staus. Parallel dazu zählen sie die Ampelphasen mit. Der Grund: Vier bis fünf Phasen lang ist die Straße blockiert, dann geben die Demonstranten die Fahrbahn frei - und das dreimal hintereinander innerhalb einer halben Stunde. So war es mit dem Ordnungsamt abgespochen, das selbst einen Beobachter geschickt hat.

Doch nicht alle Autofahrer haben Verständnis für das Thema der Demonstranten oder die Demo-Form. Ein Beispiel dafür ist Uwe Hebig aus Ottendorf-Okrilla. Er verbringt die Wartezeit mit Zeitunglesen. "Ich halte nichts von so einer Aktion, weil hier etliche stehen, die auf Arbeit müssen und Steuern zahlen für die, die jetzt dort stehen", sagt Hebig, "das bringt überhaupt nichts". Die Bundesregierung müsse stattdessen mal einen konkreten Vorschlag machen "und nicht immer bloß drumrumreden".

Klima-Demonstranten wollen sich wieder festkleben

Christian Bläul, ein Physiker, der bei allen drei Dresdner Straßenblockaden dabei war, erklärt: "Aus meiner Sicht sind sowohl Aktionen zivilen Ungehorsams wie Festkleben aus der Straße legitim, als auch diese hier versammlungsrechtlich genehmigte Störung des Verkehrs, weil das sehr unterschiedliche Menschen anspricht."

Das heißt: Nicht jeder, der eine solche Aktion unterstützt, ist auch bereit, sich auf der Straße festzukleben und damit womöglich eine Bestrafung in Kauf zu nehmen. "Für mich persönlich ist diese Aktionsform ein wenig zu sanft", sagt Bläul zur dreimaligen Blockade der "St. Petersburger", er plädiert eher für längere Aktionen, bei denen sich die Teilnehmer tatsächlich auf den Asphalt kleben.

Der Physiker kündigt an, dass es auch in Dresden weitere Blockade-Aktionen geben soll. Die nächste ist am 11. Juli geplant. Einen Ort dafür nennt er noch nicht, aber er schließt nicht aus, dass sich dann auch Teilnehmer wieder mit Sekundenkleber auf dem Asphalt fixieren und die Polizei sie befreien muss. Dabei nutzen die Beamten Olivenöl, das an den Klebestellen einmassiert wird und den Sekundenkleber langsam löst. Das funktioniert weitgehend schmerzfrei, dauert aber. Auf der Hansastraße brauchte die Polizei für diese Prozedur Mitte Mai deutlich mehr als 15 Minuten, sodass die Straße damals mehr als eine Stunde lang blockiert war.

Insgesamt rund 200 Autos standen bei den drei Sieben-Minuten-Blockaden im Stau.
Insgesamt rund 200 Autos standen bei den drei Sieben-Minuten-Blockaden im Stau. © René Meinig

Rund 200 Autos stehen im Stau

Anders als im Mai leitet die Polizei den Verkehr an diesem Freitagmorgen nicht um. Das heißt, auf der "St. Petersburger" stehen rund 200 Autofahrer vorübergehend im Stau - maximal sieben Minuten lang. Um 8 Uhr ist die Straße schließlich wieder komplett frei, die Demonstranten und die Polizei ziehen ab.

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Bläul kündigt an, er werde gleich danach nach Berlin fahren und auch dort für mehr Klimaschutz protestieren. Gemeinsam mit Berlinern, die sich in der Hauptstadt ebenfalls auf die Straße setzen wollen. Dabei sei dann auch die Klebstoff-Aktion wieder ein Thema.

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