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Dynamo: Viel Lärm um (vorerst) nichts

Nach den Krawallen werden Konsequenzen gefordert. Politiker fordern Sanktionen, doch der erste Vorstoß ist verpufft.

Am 16. Mai gab es Ausschreitungen, nun geht es an die Aufarbeitung und um mögliche Sanktionen für Dynamo Dresden.
Am 16. Mai gab es Ausschreitungen, nun geht es an die Aufarbeitung und um mögliche Sanktionen für Dynamo Dresden. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Sechs Wochen nach dem Aufstiegsspiel und den Krawallen rund um das Dynamo-Stadion ist die Aufarbeitung an einem entscheidenden Punkt.

Die Vereinsführung musste sich in einer vertraulichen Sitzung erklären. Am Donnerstag wollte der Stadtrat finanzielle Sanktionen verhängen, wenn es keine nachhaltige Lösung für das Gewalt-Problem bei der SG Dynamo Dresden gibt. Doch es kam anders.

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Nach den Angriffen mit Flaschen und Böllern gegen Polizeibeamte, Attacken gegen Journalisten und Unbeteiligte, gab es 185 verletzte Polizisten und etliche weitere Verletzte. Der 16. Mai zeigte erneut das hässliche Gesicht von einigen gewaltbereiten sogenannten Dynamo-Anhängern.

In den vergangenen Wochen haben alle Seiten, inklusive Vereinsführung, betont, dass es keine Rechtfertigung für Gewalt gebe. Nun geht es um Konsequenzen.

Noch vor der Stadtratssitzung am Donnerstag fand der erste Austausch im kriminalpräventiven Rat statt, den Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) und Dresdens Polizeipräsident Jörg Kubiessa gemeinsam leiten.

Geladen waren Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend und ein Vertreter des Fanprojekts Dresden. Dem beratenden Gremium gehören zudem Stadträte aller Fraktionen an.

Die Sitzungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, die Beteiligten sind zum Stillschweigen verpflichtet. Deshalb halten sich auch alle Seiten bedeckt. Nach SZ-Informationen wurde zweieinhalb Stunden über die Ausschreitungen gesprochen. Die Polizei hat Videos zum Einsatz aus der Luft gezeigt. Dynamo-Boss Wehlend soll nicht versucht haben, die Angelegenheit schönzureden. Er habe sich auch offen gezeigt, Stadionverbote für gewalttätige Fans auszusprechen.

Pro Jahr 1,5 Millionen für Stadion-Miete von der Stadt

Kritik am Polizeieinsatz soll es vor allem vom Fanprojekt und von Freie-Wähler-Fraktionschef Jens Genschmar, der das Dynamo-Museum im Stadion betreibt, gegeben haben. Zu Ergebnissen ist der kriminalpräventive Rat erwartungsgemäß nicht gekommen, dazu bedarf es weiterer Gespräche. Deshalb stellte Genschmar im Stadtrat den Antrag, keine Entscheidung zu Dynamo zu treffen, sondern abzuwarten.

Damit scheiterte Genschmar zunächst. Auf der Tagesordnung stand ein Antrag von CDU, SPD und Grünen. Diese fordern eine Aufarbeitung mit allen Beteiligten und ein „schlüssiges Konzept“ vom Verein, wie solche Szenen künftig tatsächlich verhindert werden können. Letzteres ist der Knackpunkt, da dem Verein mit finanziellen Konsequenzen gedroht wird. Gibt es dieses Konzept nicht, bis Dynamo erneut den Zuschuss der Stadt zur Stadionmiete benötigt, steht diese Beihilfe auf der Kippe.

Die Stadt zahlt pro Saison 1,5 Millionen Euro zur Miete dazu. Zusätzlich gab es immer wieder weitere Zuwendungen, zuletzt fünf Millionen Euro für das Trainingszentrum im Ostragehege.

Unter den Stadträten brachte diese Daumenschrauben für Dynamo Streit. FDP und Freie Wähler bezeichneten sie als „Vorverurteilung“. Deshalb beantragten die Freien Wähler, bis Ende September zunächst eine Experten-Anhörung durchzuführen. Alle Fraktionen und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sollen dafür Sachverständige benennen können. Dazu sollen möglichst alle beteiligten Gruppen gehören, ob Polizei, Sanitäter, Verein, Fans oder andere.

In der Anhörung sollen Vorbereitung und Durchführung des Einsatzes am 16. Mai ausgewertet und Maßnahmen zur Verhinderung solcher Szenen benannt werden. Die AfD beantragte eine Bürgerversammlung zu dem Thema. Alle Beteiligten sollen dort ihre Sicht darstellen.

In dem Antrag von CDU, Grünen und SPD heißt es, „damit Gewalt und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Umfeld von Dynamo zukünftig keinen Raum mehr zur Entfaltung erhalten“. Die „Dissidenten“-Fraktion will dieses Ziel erweitern. Es soll ihnen zufolge auch auf Gewalt und Menschenfeindlichkeit seitens der Polizei, des Bundeslandes Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden ausgeweitet werden.

Die Linke meint, es bedürfe keines neuen Konzeptes. Stattdessen sollen zuerst vorhandene Entwürfe daraufhin geprüft oder ein abgestimmtes Konzept entwickelt werden, „das geeignet ist, die Intensivierung der Gewaltprävention im Umfeld des Fußballes weiterzuentwickeln“. Von Sanktionen gegen Dynamo ist in keinem Antrag mehr die Rede.

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