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Künftig rollen nur noch Elektro-Pkw aus dem Klärwerk

Die Dresdner Stadtentwässerung setzt auf die umweltfreundliche Antriebstechnologie. Bis wann der Fuhrpark umgestellt wird.

Teamleiter Thomas Würfel an einer Ladesäule im Klärwerk. Der Ladestrom wird in den Blockheizkraftwerken erzeugt, die mit Gas aus den Faultürmen betrieben werden.
Teamleiter Thomas Würfel an einer Ladesäule im Klärwerk. Der Ladestrom wird in den Blockheizkraftwerken erzeugt, die mit Gas aus den Faultürmen betrieben werden. © Peter Hilbert

Dresden. Angefangen hat alles mit einem E-Smart. „2012 hatten wir damit unser erstes Elektroauto beschafft“, sagt Thomas Würfel. Der Teamleiter Abwasserableitung ist auch für den Meisterbereich mit den Fahrzeugen der Stadtentwässerung zuständig – und damit auch für ihre Auswahl. Mit dem E-Smart wollte das Unternehmen testen, ob Elektrofahrzeuge gut funktionieren. Wichtig waren aber auch die Kosten für die geplante Betriebszeit. So konnten erste Erfahrungen gesammelt werden.

Mit den Blockheizkraftwerken kann das Unternehmen im Klärwerk selbst Strom erzeugen. Also kostet die Kilowattstunde nur 19 Cent. Hinzu kommt eine staatliche Förderung. Also muss die Stadtentwässerung für den Elektro-Pkw VW ID 3 Betriebskosten von 26.200 Euro in acht Jahren ausgeben, rechnet Würfel vor. Hinzu kommt der Umwelteffekt. Bei einem VW Caddy mit herkömmlichem Antrieb wären es während dieser Zeit mit 29.300 Euro elf Prozent mehr.

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„Bei den Elektroautos sind die Kosten für die Ladepunkte mit eingerechnet“, erklärt Würfel. Dafür muss die Stadtentwässerung samt Tiefbau für jeden von ihnen 3.614 Euro ausgeben. Mit einem typischen Dienstfahrzeug werden täglich etwa 30 bis 50 Kilometer zurückgelegt. „Das ist mit unseren Elektrofahrzeugen unproblematisch zu schaffen.“ Sie haben Reichweiten von rund 300 Kilometern, bis die nächste Ladung nötig ist. Die dauert dann sechs Stunden.

Im Fuhrpark der Stadtentwässerung stehen derzeit 50 Pkws, acht davon sind elektrisch betrieben. Damit reichen die zehn Ladepunkte aus, die es bisher gibt. Bis 2027 soll die gesamte Pkw-Flotte auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden, kündigt der Teamleiter an. Geplant ist, bis dahin 50 Ladepunkte vor den Gebäuden im Klärwerk und jeweils zwei Ladestationen in den Meisterbereichen am Flügelweg und in Niedersedlitz sowie in der Ottendorfer Kläranlage zu errichten.

Dafür sind insgesamt rund 250.000 Euro geplant. Die ersten 14 Ladesäulen kann die Stadtentwässerung komplett mit Zuschüssen vom Dresdner Amt für Wirtschaftsförderung aufstellen. Bereits im September 2021 geht eine öffentliche Ladesäule mit zwei Anschlüssen am Eingang der Kläranlage in Betrieb, die von der SachsenEnergie betrieben wird. „Sie ist für Kunden oder Geschäftspartner gedacht, die mit dem Elektroauto zu uns kommen“, erläutert Würfel.

Als nächster Schritt soll in den kommenden fünf Jahren die Flotte der Kleintransporter auf Elektroantrieb umgestellt werden. Dafür sind weitere 30 Ladepunkte nötig. Die Strategie der Umstellung auf Elektrofahrzeuge sieht der Teamleiter als den richtigen Weg. „Für uns als Stadtentwässerung ist es ein guter Beitrag zum Umweltschutz.“

Bei Lkws ist die Entwicklung von geeigneten umweltfreundlichen Antrieben aber noch nicht soweit. Deshalb ist es derzeit noch offen, wann dort neue Fahrzeuge eingesetzt werden können.

Nicht nur die Stadtentwässerung setzt auf Elektromobilität, sondern auch der Regionalversorger SachsenEnergie. Von der Pkw-Flotte von 400 Autos sind mit 145 schon rund 30 Prozent elektrisch angetrieben, erläutert Fuhrparkleiter Stefan Jacob. Das Gros der E-Autos nutzt das Unternehmen mit 100 in Dresden.

2011 hatte die SachsenEnergie angefangen, E-Autos einzusetzen. „Wir werden den Anteil stetig erhöhen“, sagt Jacob. Dieses Jahr ist der Kauf von zehn solcher Pkws geplant, 2022 werden es wieder mindestens so viele sein. „Wir haben auch schon angefangen, ältere Elektrofahrzeuge durch neue zu ersetzen.“ Jedes Auto hat seinen Ladepunkt. Sie stehen nicht nur in den zentralen Verwaltungssitzen im WTC und im City-Center, sondern auch im Wasserwerk Coschütz, im zentralen Betriebshof am Kraftwerk Nossener Brücke und am Reicker Kraftwerk.

In Dresden sind derzeit 1.824 Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb unterwegs, teilt Rathaussprecherin Anke Hoffmann mit. Vor einem Jahr waren es Mitte Juli noch 916. Wesentlich mehr Kraftfahrer nutzen hingegen sogenannte Plug-in-Fahrzeuge, die neben Benzin- oder Dieselmotoren zusätzlich auch elektrisch angetrieben werden. Der Elektromotor ist dabei wieder aufladbar. So können sie in der Stadt elektrisch fahren, das Problem der geringen Reichweite aber durch den konventionellen Motor auf längeren Strecken ausgleichen. 2.086 solcher Plug-in-Autos sind derzeit in Dresden angemeldet.

Außerdem nutzen 5.191 Dresdner Autos mit Hybridantrieb, also einem kombinierten Betrieb mit Benzin- oder Diesel- und Elektromotor. Dabei ist der E-Motor aber nicht extern aufladbar.

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