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Beim „Kumpeltod“ hörte der Spaß bei den Wismut-Bergleuten auf

Ehemalige Mitarbeiter erzählen im Theater die Geschichte des Uran-Abbaus in der DDR anhand ihres Lebens. Es geht um harte Arbeit, gutes Geld und Mondlandschaften.

Von Bernd Klempnow
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„Kein Bergwerk ,flimmert’ mehr – noch gibt es kein ,großes Licht’. Der schuldbeladene Wismut-Bergbau im Westerzgebirge zwischen Resignation und Hoffnung.“ So dokumentierte die Sächsische Zeitung im März 1991 den wirtschaftlichen Umbruch.
„Kein Bergwerk ,flimmert’ mehr – noch gibt es kein ,großes Licht’. Der schuldbeladene Wismut-Bergbau im Westerzgebirge zwischen Resignation und Hoffnung.“ So dokumentierte die Sächsische Zeitung im März 1991 den wirtschaftlichen Umbruch. © SZ/Marion Gröning

Beim monatlichen Trinkbranntwein hörte der Spaß auf. „Her mit dem ,Kumpeltod’“, skandieren die Männer auf der Bühne im Dresdner Kleinen Haus. Und sie drohen die angedeutete Verkaufsstelle zu stürmen. Es ist nur Theater, die drei Männer spielen durch, was sich tatsächlich so zugetragen hat. Als die Wismut-Bergleute in Ronneburg auf eine reiche Lagerstätte gestoßen und viel gutes Erz rausgeholt hatten, bekamen sie für die Planübererfüllung als Prämie Talons für Trinkbranntwein. Zwei Liter akzisefrei erhielten sie ohnehin jeden Monat. Jetzt wollten sie die zusätzlichen Talons eintauschen, doch die wismuteigene Handelsorganisation konnte die Mengen nicht sofort auftreiben – aber dann doch irgendwie: „Wir haben gemacht. Wismut, das ist Erz für den Frieden, der Weltfrieden hängt von uns ab. Wir sind Wismuthandel und wir sind spitze, und das in der größten DDR der Welt“, sagt der Laienschauspieler Heinz Richter. Er muss es wissen. Heinz war Mitarbeiter der Wismut. Und da galt: Der im Volksmund „Kumpeltod“ genannte Bergmannschnaps war mehr als Fusel. Er war Anerkennung und Ersatzwährung zugleich. Deshalb ist die Talonkrisenszene ein nicht unwichtiges Details in der Geschichte der Wismut.

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