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SKD-Direktorin Marion Ackermann verlässt Dresden und wechselt nach Berlin

Die Chefin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, wechselt nach Berlin und führt in Zukunft die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es ist die mächtigste Kulturinstitution Deutschlands.

Von Birgit Grimm
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Marion Ackermann wird Chefin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Marion Ackermann wird Chefin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. © dpa; Rietschel

Berlin/Dresden. Mit Marion Ackermann wechselt erstmals eine Frau an die Spitze der mächtigsten Kulturinstitution in Deutschland. Die 59-Jährige soll im kommenden Jahr als Präsidentin die Leitung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) übernehmen.

Die bisherige Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wurde vom SPK-Stiftungsrat in Berlin zur Nachfolgerin von Hermann Parzinger (65) bestimmt. Der seit 2008 amtierende Präsident scheidet im nächsten Jahr altersbedingt aus dem Amt.

SKD-Chefin Ackermann: Bedauern

Acht Jahre war Marion Ackermann als SKD-Chefin im Amt. Ihr neuer Vertrag war ausgearbeitet und sollte fristgerecht verlängert werden, so wünschte es Sachsens Kulturministerium. Das bedauert den Weggang und steht jetzt vor der Aufgabe, eine Findungskommission zu bilden und die SKD-Generaldirektion neu zu besetzen.

Sachsen Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) sagte: "Ich gratuliere Marion Ackermann herzlich zu ihrer Aufgabe als künftige Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und wünsche Ihr alles Gute und viel Erfolg." Ackermann habe die SKD "sehr gut unter den weltweit bedeutenden Museen positioniert".

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer schrieb auf "X", die vergangenen acht Jahre seien wohl die ereignisreichsten für die SKD überhaupt gewesen. "Die Schließungen in der Corona-Zeit sowie der Raub der inzwischen wiedererlangten Juwelen im Grünen Gewölbe zählten zu den großen Krisen, durch die Frau Ackermann souverän steuerte", so Kretschmer weiter. Er dankte Ackermann für ihren Dienst und wünschte ihr alles Gute in Berlin.

Auch Claudia Maicher, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, gratuliert und bedauert: "Die Entscheidung des Stiftungsrates und von Kulturstaatsministerin Claudia Roth ist der beste Beleg für das erfolgreiche und richtungsweisende Schaffen von Frau Ackermann für die SKD. Unter ihrer Leitung seit 2016 hat der staatliche Museumsverbund seine international herausragende Position behauptet und ausgebaut. Für ihre Aufgaben in Berlin wünsche ich ihr viel Erfolg. Für Sachsen ist die Nicht-Verlängerung des Vertrages ein echter Verlust."

Die Landeshauptstadt Dresden bedauerte den bevorstehenden Weggang. Ackermann habe für "viele kunsthistorische wie künstlerische Höhepunkte und internationale Projekte" gesorgt, sagte die für Kultur zuständige Bürgermeisterin Annekathrin Klepsch (Linke), auch unter Verweis auf die Etablierung der Kinderbiennale. Sie dankte zudem für "ihr Engagement als internationale Botschafterin, für die Diskurserweiterung sowie für ihren Mut, schwierige konfliktbehaftete Themen mit Projekten zu untersetzen".

Unter Politikern hatte Ackermann nicht nur Freunde. Linken-Landtags-Fraktionschef Rico Gebhardt sagte der Bild: "Ihr Abschied aus Sachsen war überfällig. Es ist insofern gut für alle Beteiligten, dass uns Frau Ackermann eine weitere Hängepartie um den Posten erspart".

Vom Dampfer auf einen noch größeren Tanker

Was erwartet Marion Ackermann nun in Berlin? Immerhin ist die SPK Deutschlands größte und wichtigste Kultureinrichtung. Sie wird von Bund und Ländern gemeinsam getragen und hat 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben der Staatsbibliothek und mehreren Instituten gehören auch die Staatlichen Museen mit 15 Sammlungen und 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten zur SPK.

Man könnte auch sagen: Sie wechselt von einem schwer zu manövrierenden Dampfer auf einen noch größeren Tanker. Nur fließt die Spree in Berlin zwischen noch engeren Ufern als die Elbe in Dresden, sind die finanziellen Rahmenbedingungen für die Kunst in der Hauptstadt, die sich gern als „arm, aber sexy“ darstellt, keinesfalls komfortabler.

Bisher gilt die Stiftung als zu behäbig und international nicht konkurrenzfähig. Deswegen bekommt sie eine neue Struktur, mit der die einzelnen Institutionen unter anderem mehr Autonomie bekommen sollen.

Die Reform hängt auch von zusätzlichen Finanzen ab. Zusammen tragen alle Länder rund 15 Prozent des Budgets, etwa 8 Prozent davon Berlin als Sitzland. Der Bund zahlt rund 85 Prozent. Der aktuelle Jahresetat liegt bei 400 Millionen Euro, 106 Millionen davon werden als Bauhaushalt allein vom Bund getragen.

Sitzung zur Zukunft mit Kanzler Scholz

Durch die Reform wird ein zusätzlicher Finanzbedarf von rund 31 Millionen Euro erwartet. Die Länder haben bisher eine Erhöhung ihres Anteils um rund drei Millionen Euro in Aussicht gestellt. Vom Bund gibt es noch keine konkreten Zahlen.

Mit Reform und Finanzierung wollen sich nach Angaben von Roth und Robra Bund und Länder in einer Sitzung mit Bundeskanzler Olaf Scholz am 12. Dezember befassen. (mit dpa)