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Bühnen frei – aber nicht für alle

Nach der Sommerpause starten sächsische Theater und Orchester wieder – aber wie? Das sollten Besucher wissen.

Künstler des Solistenensembles Kaleidoskop präsentieren demnächst im Festspielhaus Dresden-Hellerau mit „Abschied“ eine Uraufführung – das Adagio aus Gustav Mahlers 9. Sinfonie wird klanglich und räumlich neu interpretiert.
Künstler des Solistenensembles Kaleidoskop präsentieren demnächst im Festspielhaus Dresden-Hellerau mit „Abschied“ eine Uraufführung – das Adagio aus Gustav Mahlers 9. Sinfonie wird klanglich und räumlich neu interpretiert. © Sebastian Bolesch

Erst die Corona-Zwangspause, dann ab Mai ein zaghafter Neubeginn unter den Hygienemaßnahmen bis zur Sommerpause. Jetzt starten wieder die meisten Theater und Orchester. Doch wie viele Plätze haben die Häuser, wie verändern sich deren Angebote? Grundsätzlich gelten die allgemeinen Hygienevorschriften mit kürzeren, meist Pausen-losen Aufführungen, Wegeleitsystemen, Teilnehmerlisten, Maskenpflicht bis zum Platz und Abstandsregelungen. Auch auf der Bühne und im Orchestergraben müssen Künstler den Mindestabstand halten. Weitere Infos nennt jede Einrichtung auf ihrer Internetseite.

Semperoper Dresden/Staatskapelle

Nach Konzerten der Staatskapelle hat die Semperoper an diesem Freitag mit halbszenischen Aufführungen der Höhepunkte aus Opern wie „Barbier“ und „Serail“ mit einer Länge von etwa nonstop nur 90 Minuten begonnen. Es galt dabei die im Juli in Kraft getretene Sitzplanordnung mit einer maximalen Besucherkapazität von 330 Gästen im Saal – bei 1.300 Plätzen. Angesichts der neuen offiziellen Maßgaben wird eine Erhöhung der Platzkapazität geprüft.

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Staatsschauspiel Dresden

786 Zuschauer passen in das Schauspielhaus. Nun finden maximal 249 Platz. Alle neuen Inszenierungen dauern maximal zwei Stunden. Am Sonnabend ist die erste Premiere im großen Haus: „Searching for Macbeth“ von und mit Christian Friedel und seiner Band. Am Abend zuvor zeigen Schauspielstudenten unter Regie von Philipp Lux ihre Premiere „Suburban Motel“ im Kleinen Haus, in dem maximal 249 statt 373 Zuschauer Platz finden. Die Bühne Kleines Haus 3 wird nicht genutzt.

Dresdner Philharmonie/Kulturpalast

Nach dem Corona-Neustart konnten zunächst nur gut 500 der 1.800 Plätze im Dresdner Kulturpalast genutzt werden. Jetzt gilt eine Belegung von maximal 790 Plätzen nach dem Schachbrett-Prinzip, das Abstände in jede Richtung wahrt. Das ist möglich, weil die neue Klimaanlage bis zu viermal pro Stunde die Luft gegen Frischluft tauscht. Es gibt keine Pausen. Die Dauer der Konzerte der Dresdner Philharmonie ab diesem Freitag – mit einem Beethoven-Fest von Chefdirigent Marek Janowski – beträgt maximal 75 Minuten.

Frauenkirche Dresden

Auch in der Frauenkirche finden wieder verstärkt Konzerte wie an diesem Freitag mit dem Geiger Marc Bouchkov statt. Maximal stehen 331 der 1.664 Plätze zur Verfügung. Ein neues Hygienekonzept erhöht die Kapazität auf bis zu 530 Personen. Dann können auch Programme von 90 Minuten ohne Pause offeriert werden. Derzeit sind es 60 Minuten. Da die Öffnung der höheren Emporen mit großem Logistikaufwand bei geringem Kapazitätsgewinn verbunden ist, bleiben die Emporen 2 bis 4 eher zu.

Staatsoperette Dresden

Seit Freitag spielt die Musik auch wieder in der Staatsoperette: Das Antrittskonzert des neuen Chefdirigenten Johannes Pell steht an. Zurzeit beträgt die maximal genehmigte Besucherzahl 215 – bei insgesamt 700 Plätzen – bei Einhaltung des Abstandes von 1,5 Metern. Ein neues, noch zu genehmigendes Hygienekonzept sieht 350 Besucher vor – jede Reihe ist besetzt mit zwei Plätzen Abstand.

Theater Junge Generation

Familien sitzen im TJG natürlich zusammen. Darum variiert die Zahl der zugelassenen Zuschauer. Ab der Premiere vom „Dschungelbuch“ am 19. September können wieder Schulklassen und Kita-Gruppen die Vorstellungen besuchen – auch diese gelten als „Familie“ und dürfen zusammensitzen. Für jede Inszenierung wird ein eigenes Hygienekonzept entwickelt, das vom Alter der Zuschauer abhängt. Das TJG befindet sich bekanntlich im gleichen Haus wie die Staatsoperette, beide Theater nutzen ein Foyer – doch begegnen dürfen sich die Zuschauer nicht, was eine genaue Abstimmung erfordert. Ein Vorteil: Die Klimaanlage im neugebauten Kraftwerk entspricht dem neuesten Stand – dauerhafte Luftzirkulation ist also gegeben.

Landesbühnen Sachsen

Mit der Premiere des Soloabends „The Kraut – Ein Marlene-Dietrich-Abend“ starten am Sonnabend die Landesbühnen ihre Saison im Stammhaus Radebeul. Bis maximal 250 Zuschauer können in den Saal bei einer Kapazität von 400 Plätzen. Zudem gibt es viele Abstecher-Offerten und Märchen auf der Studiobühne. Die erste große Premiere steht am 19. September mit Taboris „Mein Kampf“ an.

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau

Einen interessanten Weg geht das Hauptmann-Theater. Es baut das Gestühl im Parkett teilweise oder ganz aus und stellt kleine Tische mit Stühlen an dessen Stelle. So soll eine angenehmere Atmosphäre entstehen als bei halb oder ganz leeren Reihen. Damit kann die Zittauer Spielstätte ab kommende Woche zu einem Loriot-Abend wieder 100 Besucher – sonst 400 Plätze – empfangen. Das Görlitzer Podium bietet bei zunächst Konzerten der Neuen Lausitzer Philharmonie und ab Oktober bei Musiktheater wie „Land des Lächelns“ 80 Zuschauern Platz im Parkett. Der 1. Rang wird bei Musiktheater fürs Orchester reserviert, der 2. Rang für den Chor. Dieses Haus hat eigentlich 500 Plätze.

Mittelsächsisches Theater Freiberg/Döbeln

Auch das Mittelsächsische Theater versucht diesen Weg, um für die Besucher im Parkett mit einer stark reduzierten Platzzahl eine Salon-Atmosphäre zu schaffen. Statt um die 170 haben knapp 50 Zuschauer Platz, wenn das Theater am Wochenende eine Saison-Eröffnungsschau feiert.

Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Hier ist noch alles offen: Das beantragte Hygienekonzept des Bautzner Theaters liegt dem Gesundheitsamt vor und muss bewilligt werden. Ab Montag, den 7. September, kommen voraussichtlich verbindliche Regeln, sodass auch der Kartenvorverkauf starten kann. Zeit wird es, denn am 11.9. ist die erste Premiere: „Hallo, Nachbar“.

Festspielhaus Dresden-Hellerau

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