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Christian Thielemann ist nun Professor

Die Musikhochschule Dresden will die fachliche Exzellenz des Dirigenten abschöpfen. Honorar gibt es kaum.

Rektor Axel Köhler gratuliert Christian Thielemann zu seinem neuen Job.
Rektor Axel Köhler gratuliert Christian Thielemann zu seinem neuen Job. © Jürgen Lösel

Große Ehre für den Dirigenten Christian Thielemann. Der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle ist am Freitagabend in Dresden zum Honorarprofessor der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ ernannt worden. „Wir wollen etwas von Ihrer fachlichen Exzellenz und Besessenheit für unsere Studenten abschöpfen“, sagte zur Begründung Rektor Axel Köhler. Punkt 19.12 Uhr erfolgte die Ernennung mit Urkunde und Blumen. Rektor Köhler, seit einem Jahr im Amt und ungemein rührig, sprach von einem Glückstag für die Hochschule. Er hatte den Coup eingefädelt, kennt den Stardirigenten aus einer ungemein stimmigen gemeinsamen Arbeit an der Semperoper. 2015 hatten beide Webers „Freischütz“ produziert.

Der 61-jährige Musiker dankte gerührt. Er habe so viel Positives an diesem Abend über sich gehört, „da wird man ja rot“. Er freue sich darauf, nicht nur im Fach Dirigieren und Ensembleleitung zu unterrichten, sondern wolle auch in den Bereichen Kammermusik, Oper und Lied Meisterkurse geben. „Ich freue mich auf die Fragen der Studierenden, denn durch sie lerne ich ja selbst und analysiere neu.“ Er werde keine Erfolgsrezepte vermitteln, aber von seinen Erfahrungen abgeben. Wichtigstes Ziel: „Fantasie haben und überraschen wollen. Ich werde zu den Studenten das sagen, was mir einst ein Lehrer mit auf den Weg gab: Überrasch mich.“

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Christian Thielemann mit seiner Mutter Sybille Thielemann, Michael Kretschmer, und der Rektorin der TU Dresden Ursula M. Staudinger.
Christian Thielemann mit seiner Mutter Sybille Thielemann, Michael Kretschmer, und der Rektorin der TU Dresden Ursula M. Staudinger. © Jürgen Lösel

Zuvor hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Thielemann begrüßt und seine Ernennung als wichtigen Moment für Sachsen bezeichnet. Nur in ausgewählten Bereichen wie der Semperoper, der Staatskapelle und in den Wissenschaften könne sich das Land mit seinen begrenzten Möglichkeiten Besonderes leisten. Da „einen über das Maß der nationalen Bedeutung weit hinausstrahlenden Künstler für die Wissenschaft im Freistaat zu gewinnen“ zeuge auch von der ausgezeichneten Qualität der musikalischen Ausbildung an der Dresdner Hochschule. „Gerade jetzt, wo Sie sich so einbringen. Man spürt, Sie sind ein Dresdner und Sachse geworden, auch wenn man das als Preuße nicht so gern hört“, so Kretschmer. „Nehmen Sie meinen Satz als Kompliment.“

Thielemann nahm die Wertschätzung an. Schließlich sei die väterliche Linie seiner Familie, so hätten Recherchen ergeben, um 1830 aus Dresden und Riesa gekommen. „Ich bin ja nur Beute-Preuße, habe aber hier in Dresden bei der wunderbaren Staatskapelle längst ein schönes Zuhause gefunden.“ Thielemann ist seit der Saison 2012/13 Chefdirigent des sächsischen Renommierorchesters.

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Freilich: Der neue Job bringt Arbeit, aber nicht viel Materielles ein. „Honorar im monetären Sinne“, so Laudator Christoph Hollenders als Vorsitzender des Hochschulrates, gibt es bei einer Honorarprofessur kaum. Und das, was es gibt, spende Thielemann der Hochschule. Großer Applaus!

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