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Corona zum Trotz: Das Dresdner Filmfest startet

Die 32. Auflage startet mit fünf Monaten Verspätung. Sie wird kleiner und reiner, aber so lebendig wie immer – fast. Und Sächsische.de verlost Karten.

Bestürmte Gipfel, Feriensiedlungen, Käsefondue und wohlgeschraubte Berg-Tarzane: In „Swiss Made“ nimmt Sophie Wietlisbach die Klischees ihrer Heimat satirisch aufs Korn.
Bestürmte Gipfel, Feriensiedlungen, Käsefondue und wohlgeschraubte Berg-Tarzane: In „Swiss Made“ nimmt Sophie Wietlisbach die Klischees ihrer Heimat satirisch aufs Korn. © Filmfest Dresden

Dresden. Mit fünf Monaten Verspätung beginnt am Dienstag das 32. Internationale Kurzfilmfestival Dresden. Es wird krisenbedingt eine Spar- und Sonderausgabe, soll aber dennoch so vollständig und bunt sein, wie es unter den gegebenen Umständen eben möglich ist. Wir sprachen mit Festivalchefin Sylke Gottlebe darüber, wie man ein ganzes Filmfest verschiebt und verkleinert, Gedränge vermeidet, die Veranstaltung hygienisch sicher und trotzdem vollwertig macht. Und warum die Verlegung vom April in den September auch Vorteile mit sich bringt.

Frau Gottlebe, wie plant man ein internationales Filmfest, wenn kaum internationale Gäste kommen können?

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Ganz anders. Aber es ist ja nicht so, dass überhaupt keine internationalen Gäste kommen. Wir werden immerhin sieben Filmemacher aus anderen europäischen Ländern begrüßen können und sogar einen aus Asien. Der reist allerdings über Holland ein, wo er jetzt schon ist. Und die Publikumsgespräche nach dem Film haben wir in diesem Jahr schon vorher geführt und den Regisseurinnen und Regisseuren Fragen zu ihren Arbeiten gestellt. Das spielen wir dann per Video ein. Aber der Charakter eines internationalen Filmfestivals definiert sich ja vor allem über das Programm. Und das ist so international wie immer, mit 388 Kurzfilmen aus 61 Ländern.

Ich nehme an, das Gäste-Angebot an Filmemachern aus Deutschland ist dafür in diesem Jahr umso größer?

Das ist gar kein Ausdruck! Wahrscheinlich werden so viele kommen wie nie zuvor. Die sind alle total heiß darauf, endlich wieder auf ein richtiges Festival gehen zu können, dort ihre Filme zu sehen, sich zu treffen und mit dem Publikum über ihre Filme zu diskutieren. Teilweise kommen die Regisseure mit ihrer ganzen Crew inklusive den Schauspielern. Das ist aber auch kein Wunder, denn Festivals wie das unsere sind nun mal die einzigen großen Plattformen für den Kurzfilm und eine große Kontaktbörse. Da war ja jetzt seit Monaten Ebbe, deswegen ist die Branche auch total ausgehungert. Nicht zu vergessen die Aussicht auf die Auszeichnungen. Und unser Preisgeld der zehn Goldenen Reiter und vier Sonderpreise erhöht sich in diesem Jahr sogar auf insgesamt 68.000 Euro.

Das Festival als Branchentreff und als Kontaktbörse; das geht in Corona-Zeiten aber nur eingeschränkt, richtig?

Leider ja. So etwas wie das übliche herrliche und kommunikative Gedränge im Foyer unseres Haupt-Festivalkinos Schauburg ist natürlich unmöglich. Wir werden auch weniger Leute zur Eröffnung und zur Preisverleihung einladen können. Wir haben da ein sehr detailliertes Konzept ausgearbeitet mit Abstandsregeln von 1,5 Metern in den Sälen. Und wir wenden das Einbahnstraßenprinzip an: durch den Eingang rein, durch die Notausgänge raus. Selbstverständlich herrscht bei unserem Personal in den Kinos konsequente Maskenpflicht, außerdem stapeln sich hier schon die Hygiene- und Desinfektions-Artikel ...

Es gibt wie immer zwei Wettbewerbe und etliche Rahmenprogramme. Werden Sie einiges davon nur online präsentieren können?

Nein, wir schaffen es, alle Programme auch sozusagen live im Kino zu zeigen, in der Schauburg, dem Thalia, dem Programmkino Ost, im Clubkino im Lingner Schloss. Auch diverse Veranstaltungen können wir live durchführen wie die Talks im Festivalzentrum Phase 4 oder eine Gesprächsrunde zum Thema Geschlechtergerechtigkeit im Film. Oder die Ausstellungseröffnung mit Arbeiten von Christine Schlegel und Helge Leiberg im Raskolnikoff. Und mit unserem Filmbranchentreff mit Arte und dem MDR ziehen wir erstmals in die Sankt Pauli Ruine.

Festivalchefin Sylke Gottlebe.
Festivalchefin Sylke Gottlebe. © privat

Das Treffen war bisher im Kleinen Haus des Staatsschauspiels, das nun wegen der begonnenen Theatersaison nicht zur Verfügung steht. Wo findet stattdessen die Preisverleihung statt?

Stimmt, das Festival wird natürlich insgesamt etwas kleiner. Wir verlegen unsere größeren Veranstaltungen in die Schauburg, und ebenso wie die Eröffnung wird auch das Finale mit der Preisverleihung dort stattfinden. Eine Abschlussparty gibt es leider nicht, nach der Preisverleihung in der Schauburg laden wir zum entspannten Ausklang hinter die Scheune, wo dann zeitgleich auch das Drum ’n’ Bass Festival laufen wird. Ich glaube, das ist eine ziemlich gut funktionierende Kombination.

Hat die Verschiebung vom April in den September nicht auch Vorteile? Ich denke da an das Wetter ...

Aber klar, und wir setzen da stark auf unser Open-Air-Kino an der Frauenkirche. Dort zeigen wir Filmprogramme zu jeder vollen Stunde. Dafür ist der September natürlich viel besser geeignet. Im letzten Jahr hatten wir mal wieder ziemlich mieses Aprilwetter, da sind unsere Zuschauerzahlen in den Keller gerutscht. Aber im September sind die Temperaturen erfahrungsgemäß höher, und vor allem regnet es weniger. Außerdem ist der Neumarkt ein Ort, der durch seine Dimensionen auch für sehr vorsichtige Menschen akzeptabel ist.

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Trotzdem werden Sie weniger Zuschauer haben und damit erhebliche finanzielle Einbußen. Lässt sich das irgendwie ausgleichen?

Nicht wirklich. Wir haben zwar das Glück, dass wir institutionell von Stadt und Land gefördert werden, aber das Korsett ist sehr eng. Immerhin hat die Stadt Dresden uns zusätzliche Unterstützung bewilligt, außerdem haben wir auch an anderen Stellen Hilfe beantragt, etwa beim Bund und bei der Kulturstiftung. Wir haben aber für alle unsere Preise die Stifter behalten oder neue bekommen, und das Schönste: Trotz Mehrbelastungen durch die Krise sind sämtliche Sponsoren, Förderer und Kooperationspartner mit uns im Boot geblieben. Daher hoffen wir, dass wir ein Festival erleben werden, dem man die Sparvariante gar nicht so sehr ansieht.

Was ist für Sie persönlich das Ungewöhnlichste an diesem Filmfest?

Dass wir in diesem Jahr bedingt durch die Verlegung zweigleisig fahren und parallel planen müssen: das aktuelle Filmfest 2020 und zusätzlich das Festival im April 2021, für das die Vorbereitungen längst laufen. Bis dahin ist es schließlich nur noch ein gutes halbes Jahr.

Die Sächsische Zeitung und sächsische.de sind Medienpartner beim Filmfest Dresden. Wir verlosen Karten für je ein Festival-Programm. Interessierte senden bitte bis Dienstag, 15 Uhr eine Mail mit dem Betreff „Filmfest“.

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