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Das ist einer der schönsten Rundplätze Deutschlands

Über den Dresdner Albertplatz geht es von Norden her in die Innenstadt. Vor 150 Jahren erhielt er seinen jetzigen Namen.

Mündung für elf Straßen: Der Dresdner Albertplatz um 1910.
Mündung für elf Straßen: Der Dresdner Albertplatz um 1910. © Sammlung Holger Naumann

Der Albertplatz in der Dresdner Neustadt gilt als einer der schönsten Rundplätze Deutschlands. Elf Straßen gehen sternenförmig von ihm ab, die Brunnen „Stille Wasser“ und „Stürmische Wogen“ sind ein beliebter Treff. Der Albertplatz musste oft den Namen wechseln, je nach politischer Konstellation. So auch vor 150 Jahren. Am 11. Juli 1871 wurden nach dem Deutsch-Französischen Krieg die heimkehrenden sächsischen Truppen jubelnd empfangen. An ihrer Spitze stand der damalige Kronprinz Albert. Um ihn und die Truppe zu ehren, wurde der damalige Bautzner Platz in Albertplatz umbenannt.

Besuch von Napoleon

Albert war der wohl militanteste Wettiner auf dem sächsischen Königsthron. Schon mit 23 Jahren trug der die Epauletten eines Generalmajors. 1848 hatte er sich im Krieg gegen Dänemark ausgezeichnet. 1866 focht er an der Spitze eines sächsischen Korps von 31.000 Mann bei Königsgrätz an der Seite Österreichs gegen die Preußen. Aus dem Deutsch-Französischen Krieg kehrte er als preußischer Feldmarschall zurück. 1873 bestieg er nach dem Tod König Johanns den Thron.Seit 1632 befand sich etwa an der Südseite des jetzigen Platzes das Schwarze Tor, auch Bautzner Tor oder Lausitzer Tor genannt. Es war Teil der Stadtbefestigung von Altendresden. Vom Tor führte eine etwa 400 Meter lange Straße zum Neustädter Markt. August der Starke hatte die Straße in seiner neuen Königsstadt anlegen lassen, nachdem 1685 eine großer Brand Altendresden zum großen Teil zerstört hatte. 1807 fuhr Napoleon von Tilsit kommend in Gesellschaft von König Friedrich August I. zu seinem ersten Besuch in Dresden im Wagen durchs Schwarze Tor. Er durchquerte ein Spalier von Soldaten an der Hauptstraße und fuhr über die Augustusbrücke zum Schloss, begleitet vom Jubel der Menschen. Sechs Jahre später, 1813, ritten während der Befreiungskriege König Friedrich Wilhelm von Preußen und der russische Zar Alexander den gleichen Weg.

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Als nach den Kriegen gegen Napoleon die Dresdner Festungsanlagen geschliffen und 1812 auch das Schwarze Tor abgerissen worden war, wurde nach Entwürfen von Gottlob Friedrich Thormeyer 1817 der jetzige Platz angelegt, der ab 1829 Bautzner Platz hieß. Am 30. Juli 1945 wurde aus ihm der „Platz der Roten Armee“ und schon im April 1946 – anlässlich der Vereinigung von KPD und SPD zur SED – der „Platz der Einheit“. Nach der deutschen Wiedervereinigung erhielt er 1991 den Namen „Albertplatz“ zurück.

Zeit für "Stille Wasser" und "Stürmische Wogen"

Die Brunnen „Stille Wasser“ und „Stürmische Wogen“ wurden von 1883 bis 1894 von Robert Diez errichtet. Zu den bemerkenswerten Bauten, die den Platz säumen, gehört das nach Plänen von Hermann Paulick 1929 in nur sieben Monaten errichtete, elfgeschossige und 40 Meter hohe Haus an der Nordseite. Der Stahlbeton-Skelettbau ist eines der ersten Hochhäuser Deutschlands. Während der DDR-Zeit hatten dort die Verkehrsbetriebe ihren Sitz. Auf der anderen Straßenseite steht die Villa Augustin, wo der Schriftsteller Erich Kästner als Kind oft zu Besuch im Haus seines Onkels war.Ebenfalls an der Nordseite des Platzes befindet sich eine von Hans Erlwein entworfene Brunnenanlage von 1906, eine 1,25 Meter hohe Rundanlage, Meisterwerk neoklassizistischer Kleinarchitektur. Es ist ein Artesischer Brunnen, ein Warmbrunnen, dessen Wasser konstant 16 Grad hat. Der eigentliche Brunnen liegt unter einem pyramidenförmigen Brunnenhaus in der Nähe des Hochhauses. Er ist mehr als 243 Meter tief und war von 1832 bis 1836 von Freiberger Bergleuten getäuft worden.

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Am Albertplatz stand bis 1950 auch das Albert-Theater, ein von 1871 bis 1873 errichteter Neorenaissance-Bau für 1 500 Zuschauer. Es war bis 1913 Königliches Schauspielhaus. Das Theater war ausnehmend populär. Bertolt Brechts Dreigroschenoper wurde genauso aufgeführt wie Stücke von Gerhard Hauptmann und Maxim Gorki oder seichte Operetten. Premierenfeiern fanden oft in der benachbarten, neobarocken Villa Eschebach statt, die sich der Küchenfabrikant Eschebach 1901 hatte bauen lassen.Aus dem Theater wurde 1921 das Neustädter Theater und 1936 das Theater des Volkes. Bei den Luftangriffen auf Dresden 1945 brannte es bis auf die Grundmauern aus. 1950 wurde die Ruine abgerissen. Heute befindet sich dort ein Parkplatz.

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