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Dieses Foto einer Dresdner Schülerin berührt

Rebecca Toews macht bald ihr Abitur in Dresden. Mit einem Foto ihres Corona-Alltags hat sie eine Profi-Jury überzeugt.

Rebecca Toews und der Laptop: Dauerbegleiter im Schulalltag während Corona.
Rebecca Toews und der Laptop: Dauerbegleiter im Schulalltag während Corona. © Rebecca Töws

Dresden. Wirklich glauben kann Rebecca Toews es immer noch nicht. "Ich hätte überhaupt nicht damit gerechnet", sagt die 17-Jährige, die am Gymnasium Klotzsche nächstes Jahr ihr Abitur macht.

Und doch hat eine Fachjury des Deutschen Verbands für Fotografie (DVF) am vorletzten Januarwochenende entschieden, dass Toews Aufnahme ihres Alltags als Schülerin im Lockdown das beste Bild von insgesamt 416 eingereichten Werken ist.

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Normalerweise fotografiert Rebecca Töws die Natur

Jedes Jahr ruft der Verband zu einem bundesweiten Themenwettbewerb auf. Das Besondere: Alle Altersklassen können daran teilnehmen. Die Jury weiß bei der Betrachtung der Fotos nicht, ob es sich um einen Jugendlichen oder Erwachsenen handelt, der das Bild eingereicht hat.

In diesem Jahr hatte der Verband das Thema "Jugendszene" ausgerufen. Töws hat sich für ihren Beitrag intensiv mit der aktuellen Corona-Situation auseinandergesetzt. Normalerweise ist die 17-Jährige eher in der Natur unterwegs, lichtet schöne Landschaften und Tiere ab.

"Bei der Themenvorgabe war aber klar, dass das Menschliche im Mittelpunkt stehen musste", erzählt sie. Sie beschließt, den Fokus auf ihren Schulalltag zu legen - in Pandemiezeiten ist der - gerade kurz vor dem Abitur - alles andere als einfach.

Schülerin zum Corona-Alltag: "Ziemlich stressig"

Mittlerweile gehört Rebecca Toews zwar zu denjenigen, die wieder Präsenzunterricht haben. "Davor war es aber ziemlich stressig", sagt sie. Immer mehr Schulaufgaben seien über den Tag in ihr Postfach geflattert, es habe der Ausgleich gefehlt, auch weil man derzeit keine Freunde treffen kann, sagt sie, die schon als Kind immer mit einer kleinen Kompaktkamera unterwegs war.

Andere Gesichter hat die Schülerin im vergangenen Jahr kaum gesehen. "Bei den Lehrern ist es auch sehr unterschiedlich. Manche machen Videokonferenzen, von anderen hört man kaum etwas."

Ein dunkler Raum, das einzige permanente Gegenüber: der Bildschirm. "Ich wollte ursprünglich mich selbst vor dem Laptop fotografieren", sagt Töws. Doch das habe eher langweilig gewirkt, das "gewisse Etwas" habe ihr gefehlt.

Dann entschied sich die Schülerin dazu, eine OP-Maske aufzusetzen. "Virenschutz" hat sie das Bild genannt. Das sei durchaus doppeldeutig zu verstehen, sagt die 17-Jährige. Geschützt im virtuellen Klassenzimmer, aber gerade deshalb doch isoliert.

Echte Kaderschmiede für sächsische Nachwuchsfotografen

"Die Jugendlichen fotografieren sehr gesellschaftskritisch. Wir lehren ihnen, dass das Sehen das Entscheidende beim Bilder machen ist", sagt Christian Scholz. Scholz war auch einmal Lehrer am Gymnasium Klotzsche und hat dort 1992 die AG Foto gegründet.

Hinter dem unscheinbaren Namen steckt eine echte Kaderschmiede für sächsische Nachwuchsfotografen. Bereits zu DDR-Zeiten brachte der heute 69-Jährige Schülern das Fotografieren bei, mehrere namhafte Pressefotografen haben bei ihm gelernt.

Mindestens einmal pro Woche trifft sich die Gruppe - aktuell via Zoom-Konferenz -, um intensiv über Fototechniken zu diskutieren, es gibt Workshops und gegenseitige Bewertungen der Werke. Wer Mitglied werden will, muss sich mit einem Motivationsschreiben bewerben - nur sechs bis neun Schüler nimmt das Leitungsteam um Scholz pro Jahr auf.

Drei Kinder lassen sich von ihren Smartphones ablenken: Hannah Lehmann aus Radeberg hat für die Dresdner AG Foto den dritten Preis im DVF-Themenwettbewerb gewonnen.
Drei Kinder lassen sich von ihren Smartphones ablenken: Hannah Lehmann aus Radeberg hat für die Dresdner AG Foto den dritten Preis im DVF-Themenwettbewerb gewonnen. © Hannah Lehmann

Umso stolzer macht es den 69-Jährigen, dass es gleich zweien seiner Schützlinge gelungen ist, bei diesem Wettbewerb auf dem Siegertreppchen zu landen - das erste Mal. Neben Rebecca Toews ist die 16-jährige Hannah Lehmann mit dem dritten Platz ausgezeichnet worden.

Für ihr Bild Game Over hat sie ihre Geschwister und ein Nachbarskind abgelichtet. Alle drei sitzen vor einem Schachbrett mit umgeworfenen Figuren und sind mit ihren Smartphones beschäftigt.

"Mir ist aufgefallen, wie wir Kinder und Jugendliche den Drang haben, immer wieder aufs Handy zu schauen", erzählt Lehmann. Dieses Ablenkungspotential von anderen Dingen, die reine Selbstbeschäftigung habe sie aufs Bild bringen wollen.

Sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen, das ist ein Erfolgsrezept der AG Foto. Wie gut die Jugendlichen das machen, davon kann sich vom 10. April bis zum 15. Mai jeder Dresdner selbst überzeugen. Dann nämlich sind die prämierten Wettbewerbsbeiträge im Bahnhof Neustadt zu sehen.

Ausstellung ausgewählter Werke des DVF-Themenwettbewerbs "Jugendszene" vom 10. April bis 15. Mai im Bahnhof Neustadt. Alle Informationen zur AG Foto auf der Website der Gruppe.

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