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"Es gibt keine kleinen Rollen"

Susan Weilandt spielt am Theater Junge Generation in Dresden häufig die Ältere. Dabei steht sie mitten im Leben. Nebenrollen hält sie für unterschätzt.

Mütterliche Rollen - warum nicht? Susan Weilandt spielt am Theater Junge Generation voller Kraft aus der Mitte des Lebens heraus.
Mütterliche Rollen - warum nicht? Susan Weilandt spielt am Theater Junge Generation voller Kraft aus der Mitte des Lebens heraus. © René Meinig

Dresden. Wiedermal ist ihr ein Stein vom Herzen gefallen. Wenn man von so etwas Schwerem überhaupt sprechen kann. Schließlich ist Theaterarbeit für Susan Weilandt zwar kein Leichtes, aber immer eine große Leidenschaft, die beflügelt. Besonderes Gewicht aber hatte die Premiere am vergangenen Sonnabend am Theater Junge Generation trotzdem. Bevor "Das Dschungelbuch" wieder auf die Bühne durfte, musste das Stück eine Art Corona-Update durchlaufen.

Das bedeutet: Mindestabstände zwischen den Spielenden, keine echten Berührungen und Umarmungen, keine Requisiten, die von Hand zu Hand gehen. Viele Regeln gilt es zu beachten, damit Theater überhaupt wieder stattfinden kann. "Ich bin so froh darüber, dass wir trotz Corona unter allen Hygienemaßnahmen recht bald zu proben und auch zu spielen begonnen haben", sagt Susan Weilandt. Da ist es egal, dass sie und ihre Kollegen sich nicht wie gewohnt vor den Zuschauern verbeugen und dabei an den Händen halten dürfen. Stattdessen steht jeder versetzt und für sich allein.

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"Aber der Applaus hat so viel Begeisterung zu uns getragen, dass alle Schwierigkeiten vergessen sind", erzählt sie. Und wenn hier und da eine Träne der Rührung im Auge blitze, bestätige das alle Mühe - für alle, die mitgewirkt haben - auf oder hinter der Bühne, in Haupt- oder Nebenrollen. Das TJG selbst macht übrigens in seiner Stückbeschreibung keine Rollenunterschiede. Da stehen alle Darsteller nebeneinander erwähnt.

Wenig Raum für viele Eindrücke

So auch Susan Weilandts Name. Unter anderem spielt sie die Wolfsmutter Rakscha, die dem kleinen Menschenjungen Mowgli im Dschungel Schutz und ein neues Zuhause gibt. Außerdem ist sie die Priesterin des Dorfes und damit ebenfalls eine mütterliche, schützende Instanz. "Beide Rollen sind im Stück sehr präsent, ohne dass ich lange auf der Bühne zu erleben wäre." Viel mehr sprechen die anderen Akteure über die Bedeutung der Wolfsmutter Rakscha und der weisen Priesterin.

Für sie als Schauspielerin heißt das, es bleibt nicht viel Zeit, um sich ausreichend Aufmerksamkeit zu erspielen, damit die Figur den Zuschauern im Gedächtnis bleibt. "Das ist eine besondere Herausforderung", sagt Susan Weilandt, die ungern von "großen" und von "kleinen" Rollen spricht. "Wie groß kann denn eine kleine Rolle sein und wie klein eine große?", fragt sie. Entscheidend sei das Zusammenspiel aller, die Überzeugungskraft jeder einzelnen Rolle und der Eindruck, den das Publikum davon mit nach Hause nimmt.

Auch im "Doppelten Lottchen", spielt Susan die Mutter. Noch ist der Besetzungsplan nicht ganz fertig, doch wahrscheinlich wird sie im Weihnachtsmärchen "Die gestohlene Weihnachtsgans Auguste" sogar die Großmutter spielen. Dabei steht Susan Weilandt als Mutter einer vierzehnjährigen Tochter und eines achtjährigen Sohnes mitten im Familienalltag mit Job, Schule, Brotdosenlogistik, Elternabenden, Klamottenkaufarien und Hobbys der Kinder. Fühlen sich Besetzungen jenseits dieser privaten Realität nicht irgendwie unpassend an? 

Vom Ballett zum Schauspielstudium

"Überhaupt nicht", sagt Susan Weilandt. "Ich habe alles gespielt: junge Mädchen, Prinzessinnen, Feen und Elfen, Frauen, Männer, Tiere. Nun eben häufig Mütter und auch Großmütter." Verglichen mit ihren überwiegend noch sehr jungen Schauspielkolleginnen am Theater Junge Generation ist sie schließlich schon einen recht langen Berufsweg gegangen. Als Dreijährige begann sie zu tanzen, kam als Schülerin an die Staatliche Ballettschule Berlin, wechselte später nach Leipzig und beendete ihre Ballettausbildung 1991 als Bühnentänzerin.

Anfang 20-jährig begann für sie in den Wendewirren eine ebenso aufregende wie vage Zeit, in der es schwerer denn je war, Engagements zu finden. Doch es gelang: Susan Weilandt tanzte einige Jahre am Theater Brandenburg, bis Schauspiel für sie einen mächtigen Sog entwickelte. "Ich habe eine Weile beobachtet, was die Schauspielkollegen am Theater so tun und wie sie an ihre Arbeit herangehen. Das war faszinierend." Schließlich studierte sie erneut, Schauspiel in Rostock.

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"Nun bin ich schon 23 Jahre hier am Theater und liebe diese extrem abwechslungsreiche Arbeit noch wie am Anfang." Ob nun Rollen mit ganz viel Text oder nur ein paar Sätzen, ob raumgreifend oder minimalistisch, jung oder alt. Wenn Susan Weilandt ihre Figur im Herzen hat, bleibt sie dem Publikum auch im Kopf. 

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