merken
Dresden

Dresdens Montagscafé steht auf der Kippe

Ob das integrative Café im Kleinen Haus des Staatsschauspiels weitergeführt werden kann, ist offen. Spenden sollen das besondere Projekt retten.

Das Kleine Haus des Staatsschauspiels Dresden wird in normalen Zeiten an jedem Montag zum Treffpunkt für durchschnittlich 150 Migranten und Deutsche beim Montagscafé.
Das Kleine Haus des Staatsschauspiels Dresden wird in normalen Zeiten an jedem Montag zum Treffpunkt für durchschnittlich 150 Migranten und Deutsche beim Montagscafé. © Archiv: SZ / Jürgen Lösel

Dresden. Das Montagscafé im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden gilt als Vorzeigeprojekt der Integration von Flüchtlingen in Sachsen. Jeden Montag treffen sich hier im Schnitt rund 150 Menschen - Migranten und Deutsche - vernetzen und unterstützen sich und nehmen an den vielfältigen kulturellen Angeboten des Cafés teil.

Nun blickt das Montagscafé allerdings in eine ungewisse Zukunft, denn die Entscheidung über die Förderung durch das Programm "Integrative Maßnahmen" des sächsischen Sozialministeriums steht noch aus. Mit einem großen Förderantrag, der die Projekte der nächsten drei Jahre absichern würde, steht das Café derzeit nur auf einer Warteliste; ein kleinerer Antrag, der zumindest das laufende Kalenderjahr abdecken würde, ist noch in Bearbeitung. Das teilen die Projektverantwortlichen am Mittwoch mit.

Anzeige
NEU bei der KüchenMaus GmbH
NEU bei der KüchenMaus GmbH

Küchenkleingeräte und innovative Kochsysteme für energie- und zeitsparendes Kochen liegen im Trend. Aus gutem Grund.

"Was ein Wegfall nach sich ziehen würde, kann man nur erahnen"

"Ich bin äußerst besorgt, dass das Montagscafé, das auch bundesweit als Vorzeigeprojekt der integrativen Kraft der Kultur gilt, derzeit keine feste finanzielle Perspektive hat", sagt Intendant Joachim Klement. Die Einmaligkeit des Cafés liege darin, dass es Menschen verschiedener Kulturen mit den künstlerischen Mitteln des Theaters ermögliche, sich auf Augenhöhe anzunähern und gegenseitig zu bereichern.

"Ein solcher Knotenpunkt, als der das Montagscafé als wichtiger Akteur auch von der Stadtgesellschaft wahrgenommen wird, festigt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Hier wird erprobt, wie Zusammenleben funktioniert mit Menschen, die anders sind, als man selbst. Was ein Wegfall dieses Orts des Austauschs nach sich ziehen würde, kann man nur erahnen", so Klement.

Gegründet wurde das Montagscafé im Jahr der Flüchtlingskrise 2015. Miriam Tscholl, damals Leiterin der Bürgerbühne, entwickelte die Idee und folgte damit auch der Bitte der damaligen sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kultur Dr. Eva-Maria Stange an die städtischen Kultureinrichtungen, auf die Entwicklungen der Flüchtlingskrise zu reagieren.

"Es hat eine riesige Tür zu meinen Träumen geöffnet"

2016 wurde das Montagscafé dann durch Monika Grütters für den "Sonderpreis zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen" nominiert. Aus mehr als 150 Vorschlägen hatte eine Fachjury zehn Projekte ausgewählt. Für die Etablierung des Montagscafés als Treffpunkt für Geflüchtete und Dresdner wurde Miriam Tscholl 2017 vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck geehrt.

Was das Montagscafé den Menschen bedeutet, die es nutzen, machen die Verantwortlichen am Mittwoch deutlich, indem sie eine Besucherin zitieren: "In dem Land, aus dem ich komme, sind viele Dinge für Frauen verboten. Ich hatte also viele Wünsche und viele Träume, als ich nach Deutschland kam. Aber ich wusste nicht, wie ich anfangen kann, wo ich hingehen soll und wie ich neue Leute treffen kann."

Das Montagscafé habe ihr all diese Dinge gezeigt. "Es hat eine riesige Tür zu meinen Träumen geöffnet. Und das hat mich so glücklich gemacht, gerade weil meine ersten Erfahrungen in Dresden nicht so gut waren." Dass sie jetzt hier arbeite und gern in Dresden leben möchte, sei vor allem der integrativen Kraft von künstlerischen, dritten Orten wie dem Montagscafé zu verdanken.

Es ist nicht das einzige derartige Projekt, das derzeit in Dresden auf der Kippe steht, ähnlich geht es der Interkulturellen Familienwerkstatt des Kaleb-Zentrums. Deren Förderung über den Topf für "Integrative Maßnahmen Sachsen" ist zum Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen. Noch ruht die Projektarbeit coronabedingt ohnehin. Doch danach wird sich der Verein die Stellen der Mitarbeiterinnen nicht mehr leisten können. (mit SZ/nl)

Weiterführende Artikel

"Dann will ich nicht mehr in Gorbitz leben"

"Dann will ich nicht mehr in Gorbitz leben"

Einem erfolgreichen Familientreff sollen die Mittel gestrichen werden. Dabei gibt es in Dresden kein Viertel, in dem seine Arbeit so wichtig ist.

Dresdner Integrationsprojekte gefährdet

Dresdner Integrationsprojekte gefährdet

Fünf Vereinen, die sich für Integration einsetzen, drohen Einschränkungen oder sogar das Aus. In einem Offenen Brief machen sie auf die Folgen aufmerksam.

Mittlerinnen zwischen den Welten

Mittlerinnen zwischen den Welten

Fragen rund um Alltag mit Kindern, Ehe, religiösem Leben: Darüber tauschen sich Frauen in einem internationalen Dresdner Projekt aus. Nun steht es auf der Kippe.

Montagscafé findet Nachahmer

Montagscafé findet Nachahmer

Projekte zur Integration von Flüchtlingen gibt es viele. Das Dresdner Montagscafé gilt als Vorzeigemodell - und Initiatorin Miriam Tscholl speist mit dem Bundespräsidenten.

Um das Montagscafé nach Ende des Lockdowns wieder starten zu können, wurde eine Betterplace-Spendenseite eingerichtet, die Sie hier finden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden