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Dresdner Musikfestspiele setzen auf Stars

Das Festival plant für 2021 viel, verkauft erstmals wenig und übt sich in demütiger Hoffnung.

Drei von zig Stargästen unterschiedlicher Genres bei den Musikfestspielen 2021: Musical-Diva Ute Lemper, Rocksänger Sting (M) und Dirigent Sir Simon Rattle.
Drei von zig Stargästen unterschiedlicher Genres bei den Musikfestspielen 2021: Musical-Diva Ute Lemper, Rocksänger Sting (M) und Dirigent Sir Simon Rattle. © PR

Nach der coronabedingten Absage der Dresdner Musikfestspiele im Frühjahr 2020 plant das Festival für 2021 eine optimistische Saison. Der 44. Jahrgang des Klassikfestes soll vom 14. Mai bis 12. Juni 64 Konzerte an 25 Spielstätten bieten. Eingeladen sind Spitzenklangkörper wie die Wiener Philharmoniker und das Koninklijk Concertgebouworkest Kopenhagen, ihr Kommen zugesagt haben Topsolisten wie der Pianist Rudolf Buchbinder und die Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager. Programmatisch setzt Intendant Jan Vogler „stärker als zuvor auf Genrevielfalt und Internationalität“, wie er am Donnerstag in Dresden informierte.

Erstmals werde mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra ein asiatisches Orchester das Festival eröffnen. Die britische Rock-Ikone Sting wird es beschließen. Der senegalesische Weltmusiker Pape Diouf will sein Deutschland-Debüt geben. Mit Till Brönner, Jamie Cullum und Tom Schilling sind populäre Jazzer im Angebot. Die renommierte amerikanische Songwriterin Aoife O’Donovan eröffnet im Löwensaal – die imposante ehemalige Schalterhalle der Deutschen Bank am Külz-Ring – das neue Format Musiklounge. Vogler wird den Abend moderieren. 

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20 große Orchester engagiert

14 Konzerte vom 2020er-Jahrgang konnten ins Konzept fürs kommende Jahr integriert werden. Auch das aktuelle Auftragswerk der Festspiele kommt mit einem Jahr Verspätung zur Premiere. Der Schweizer William Blank hatte in diesem Jahr ein Tripelkonzert mit dem Namen „Alisma“ anlässlich des Beethoven-Jubiläums für die ungewöhnliche Besetzung mit Violine, Cello, Klarinette und Orchester geschrieben. Es erfährt nun mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter Kent Nagano mit den Solisten Mira Wang, Jan Vogler und Daniel Ottensamer seine Uraufführung. Allein 20 große Orchester sind engagiert. Begründung Vogler: „Orchester müssen eine Säule im Festspielprogramm sein, weil Dresden eine Orchesterstadt ist“, wo der kenntnisreiche Musikfreunde vergleichen wolle.

Ist der Mann blauäugig? Mag man angesichts der aktuellen Corona-Entwicklung und -Auflagen denken. Nein, sagt Vogler; „Kulturplanung in Zeiten von Covid-19 ist auch eine Frage der Einstellung. Die Musikfestspiele sind ein großes Klassikfestival mit kultureller und touristischer Verantwortung. Wir haben mit unseren Partnern ein prächtiges Festival für 2021 geplant, das aber auch die derzeitigen Hygieneregeln berücksichtigt.“

Demnach würden die Säle nur nach den aktuell zugelassenen, reduzierten Besucherzahlen verkauft. Würden höhere Kapazitäten erlaubt werden, gingen zusätzliche Karten in den Verkauf. „Unser eingespieltes Festivalteam ist äußerst flexibel und wir werden alles tun, um im kommenden Mai und Juni Kultur zu ermöglichen und zwischenmenschliche Dialoge mit Musik anzuregen.“ Zudem sei man bereits mit allen Künstlern über Alternativprogramme im Dialog, um auf alle Corona-Situationen reagieren zu können.

"Ein wichtiger Tourismusfaktor“

Für dieses Engagement bekam er Lob von seinen Dienstherren: „Die Dresdner Musikfestspiele tragen einen wesentlichen Teil zum guten Ruf des Kulturlandes Sachsen bei und sind ein wichtiger Tourismusfaktor“, sagte Sachsens Kultur- und Tourismus-Ministerin Barbara Klepsch (CDU). Ihr gefällt zudem, dass „die regionalen Kulturakteure eingebunden werden“. Damit leiste das Festival einen wichtigen Beitrag zur niedrigschwelligen Kulturvermittlung. So soll beispielsweise die populäre Open-Air-Veranstaltung „Dresden singt und musiziert“ diesmal einen Gospel-Schwerpunkt haben. 

Auch der Hauptgeld-Geber, Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), dankte Voglers Team: „Die Festspiele stellen sich aktiv den Herausforderungen der Corona-Pandemie. Gerade jetzt ist es wichtig, kreative Formen zu finden, wie wir hochkarätige Kunst mit großer Ausstrahlung in Dresden erlebbar machen können. In den Haushaltsplanungen der Stadt sind die Musikfestspiele auch für die kommenden Jahre fest verankert, weil dieses Festival uns in einem hohen Maße bereichert und gleichzeitig Gäste aus aller Welt anlockt – wenn auch vielleicht im kommenden Jahr eher virtuell als persönlich.“

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Der Kartenvorverkauf startet am 2. November. Bestellungen sind ab sofort möglich und werden ab dem 2. November in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet. Ausdrücklich weisen die Musikfestspiele darauf hin, dass einzelne Konzerte bereits nach Stunden ausverkauft sein können.

Karten/Infos gibt es telefonisch unter 0351 65606700, Karten gibt es auch in den SZ-Treffpunkten/DDV-Lokalen sowie übers SZ-Ticket-Telefon unter 0351 48642002.

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