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Ein Dresdner Ort des Vergnügens

Schloss Pillnitz ist einer der ganz wichtigen Barockbauten. Eine Ausstellung erinnert an den Baubeginn des Wasserpalais.

„Schloss der Mätressen“: Schloss Pillnitz auf einer Postkarte um 1910.
„Schloss der Mätressen“: Schloss Pillnitz auf einer Postkarte um 1910. © Sammlung Holger Naumann

In Schloss Pillnitz wird gefeiert. Die Ausstellung „Gläsernes Zeugnis – 300 Jahre Baugeschichte Wasserpalais in Pillnitz“ im Kuppelsaal des Neuen Palais erinnert ab dem 10. Juli an den Beginn der Bauarbeiten vor 300 Jahren. Die früheste erhaltene bildliche Darstellung des Palais findet sich auf einem kleinen gläsernen Pokal aus dem Jahre 1721, der im Zentrum der bis zum 25. Juli dauernden kleinen Präsentation steht. Der barocke Pokal ist gerade 20,5 Zentimeter hoch und zeigt auf der Vorderseite ein Porträtmedaillon August des Starken und auf der Rückseite das in noch drei Gebäudeteile gegliederte Wasserpalais mit dem Lustgarten im Vordergrund. Sechs Feuerwerk schießende Kanonen sowie eine Vogelstange und zwei Säulenpaare für Schaukeln und zahlreiche Spielanlagen verweisen auf die Festlichkeiten.

Es war wie so oft bei den Bauten August des Starken: Alles musste ganz schnell gehen. Vom 3. bis 9. August 1721 wollte er das Stiftungsfest des polnischen Ordens des Weißen Adlers in Pillnitz vor großer Kulisse feiern. Und so wurde rasch das Wasserpalais hochgezogen. Weil es so schnell gehen musste, wollte August die ersten Bauten sogar als Interim errichten lassen, aus Holz und im „indianischen Stil“, womit er einen fernöstlichen, chinesischen Stil meinte oder sich darunter vorstellte.

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In Pillnitz fand die damalige China-Mode in Deutschland erstmals architektonisch ihren Niederschlag. Der Ausbau von Pillnitz war nicht ohne Beigeschmack. Denn Pillnitz gilt als das „Schloss der Mätressen“. August hatte das Anwesen 1707 seiner Geliebten, der Reichsgräfin Anna Constanze von Cosel, geschenkt und es ihr 1718 wieder abgeknöpft, nachdem er sie lebenslang auf die Burg Stolpen verbannt hatte. Doch schon Augusts Vorgänger und Bruder, Kurfürst Johann Georg IV., hatte das Rittergut mit einem alten Renaissance-Schloss seiner Favoritin, der Magdalena Sibylla von Neitschütz, vermacht.

Eine Hochzeit als letztes großes Lustfest

Pillnitz war eines der neuen Projekte, denen sich August zuwandte, nachdem die Jahrhunderthochzeit des Kurprinzen Friedrich August II. mit der Kaisertochter Maria Josepha 1719 vorüber war. Die Vorstellungen Augusts waren wieder einmal riesig. Sein „Großer Plan“ sah ein etwa viermal so großes Gelände vor, mit einem Schloss in der Mitte, mit Zentralturm, vier Ecktürmen, umgeben von neuen Kavaliershäuschen, Gärten, Höfen, Orangerie, Menagerie, einer großen Wasserfontäne.

Doch anders als das Dresdner Residenzschloss mit höfischer Etikette sollte Pillnitz ein Ort des Vergnügens werden. Der Kurfürst beauftragte seinen Generalintendanten für das sächsische Bauwesen, August Christoph Graf von Wackerbarth, mit dem Bau und der zog den Erbauer des Zwingers, Matthäus Daniel Pöppelmann, hinzu. Etwa ab 1724 war auch Zacharias Longuelune dabei.

Dabei musste Wackerbarth wohl auch einiges Geschick entwickeln, um die Vorstellungen des Fürsten auf ein realistisches Maß zu stutzen. Das Wasserpalais an der Elbe und das Bergpalais sind die beiden ältesten Bauten in Pillnitz. Schon 1720 war mit dem Bau der zwei zweigeschossigen Pavillons an der Elbe begonnen worden. Dazwischen wurde nun ein größeres Gebäude errichtet, das Wasserpalais.

Die drei Häuser wurden 1724 durch eingeschossige Gänge verbunden, die 1795 um ein weiteres Geschoss aufgestockt wurden. 1787 kamen noch zwei seitliche Anbauten hinzu. Der Mittelteil erhielt nach dem Garten zu einen Portikus mit vier korinthischen Säulen. Die Dächer waren wegen des chinesischen Wunsches des Fürsten konkav geschwungen.Mit der Treppenanlage zur Elbe wurde erst 1722 begonnen.

Dem Wasserpalais gegenüber auf der anderen Seite des Lustgartens entstand 1722 und 1723 das Bergpalais, ein architektonischer Zwilling. Der Lustgarten in der Mitte wurde somit an drei Seiten von Gebäuden gefasst – dem Wasser- und dem Bergpalais sowie jenem alten Renaissance-Schlösschen. Eine bauliche Verbindung zwischen den Gebäuden, wie jetzt, gab es damals noch nicht.

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Die Hochzeitsfeier für die Tochter Auguste Constantia, die August mit der Cosel hatte, war schon 1725 für lange das letzte größere Hoffest in Pillnitz. Denn der Kurfürst verlor das Interesse und sein Sohn August III. hatte es nie. Pillnitz verfiel in Tiefschlaf. Erst als Friedrich August III. nach dem Siebenjährigen Krieg Pillnitz zu seinem Sommersitz erkor, zog neues Leben ein.

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Für die Hofbeamten wurde Platz gebraucht. Deshalb wurden die Palaisbauten an beiden Seiten um sogenannte Kavaliersflügel ergänzt. Als diese fertig waren, trafen sich dort 1791 etwa der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Leopold II. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. zur „Pillnitzer Fürstenversammlung“. Sie verabschiedeten die „Pillnitzer Deklaration“ zur Unterstützung des in Frankreich gestürzte Königs Ludwig XVI..1818 brannte jenes alte Renaissance-Schloss am Lustgarten ab.

An dessen Stelle entstand das Neue Palais, dessen Festsaal mit einer Kuppel im Mittelbau ist der größte des gesamten Ensembles. Auf der Rückseite schlossen ein Küchen- und Kapellenflügel mit Fliederhof den Schlossbau ab.

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