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Grünes Gewölbe: Remmo-Zwilling sitzt in U-Haft

Einer der beiden flüchtigen Zwillinge aus dem Remmo-Clan ist in Berlin festgenommen und nach Dresden gebracht worden. Ein Report aus dem Amtsgericht.

In das Grüne Gewölbe war vor gut einem Jahr eingebrochen worden.
In das Grüne Gewölbe war vor gut einem Jahr eingebrochen worden. © Ronald Bonß

Dresden. Dienstagnachmittag im Amtsgericht Dresden. Schwer bewaffnete Polizisten bringen Mohamed Remmo ins Gericht. Zwei Transporter sind kurz vor 15 Uhr mit Blaulicht vorgefahren und in der Schleuse des Justizzentrums verschwunden.

Der 21-Jährige ist sicherlich wie die bereits im November verhafteten Clan-Mitglieder an Händen und Füßen gefesselt. Journalisten bekommen ihn nicht zu sehen. Die Beamten bringen ihn von innen in den Sitzungssaal N 1.05. Ein Ermittlungsrichter muss jetzt entscheiden, ob der Haftbefehl gegen den jungen Mann in Vollzug gesetzt wird.

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Einen Monat hat die Polizei akribisch nach dem Mann aus Berlin gefahndet. Er hatte den Beamten am Morgen des 17. November überraschend entkommen können und war seitdem auf der Flucht. Bis Montagabend.

Festnahme in Berlin-Neukölln

Zielfahnder des Bundeskriminalamtes haben Mohamed Remmo in der Jahnstraße in Berlin-Neukölln aufgespürt. Dort wurde er gegen 19.21 Uhr in einem Auto von den Beamten und weiteren Spezialkräften des Landeskriminalamtes Berlin überwältigt. Er soll keinen Widerstand geleistet haben.

Jetzt, keine 24 Stunden später, sitzt er mit seiner Verteidigerin Ines Kilian in dem Dresdner Gerichtssaal. Es ist eine nicht öffentliche Sitzung. Ein Wachtmeister passt auf, dass niemand den Saal betritt. Remmo könnte etwas zu seiner Verteidigung vorbringen, er muss es aber nicht.

Möglicherweise wird ihm seine Anwältin geraten haben, nichts zu sagen. Das wäre der übliche Weg. Denkbar wäre auch, er sagt etwas, um so vorerst nicht in Untersuchungshaft zu müssen.

Über einige Informationen könnten sich die Ermittler von der Sonderkommission Epaulette freuen, schon weil bis heute völlig unklar ist, was das Motiv des Einbruchs war und was aus dem historischen Schmuck geworden ist.

Diese Fahdungsfoto von Mohamed Remmo hatte die Berliner Polizei ausgeschrieben - offenbar mit Erfolg.
Diese Fahdungsfoto von Mohamed Remmo hatte die Berliner Polizei ausgeschrieben - offenbar mit Erfolg. © Polizei Berlin/dpa

Mohamed Remmo soll zu den Tätern gehören, die am 25. November vergangenen Jahres ins Historische Grüne Gewölbe in Dresden eingebrochen sind und dort Diamanten und Edelsteine von einem nicht bezifferbaren Wert gestohlen haben.

Der spektakuläre Coup in Dresden hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und die wildesten Spekulationen beflügelt. Doch bis heute kann sich auch die Polizei keinen Reim auf das Motiv machen.

Mohamed Remmo ist der vierte Verdächtige, den die Polizei festgenommen hat. Bereits seit dem 17. November befinden sich Wissam, Bashir und Rabhi Remmo in Untersuchungshaft. Sie alle gehören dem deutsch-arabischen Remmo-Clan an.

Nun fehlt nur noch Abdul-Majed Remmo, Mohameds Zwillingsbruder. Auch er konnte am Tag der Exekutivmaßnahmen untertauchen. "Wir wissen nicht, wo er sich aufhält", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt erst am Dienstagvormittag.

Jürgen Schmidt, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, beantwortete im Fall um den Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe die Fragen der Journalisten vor dem Justizzentrum. Der gesuchte 21-jährige Zwilling eines arabischstämmigen Berliner Clans wurd
Jürgen Schmidt, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, beantwortete im Fall um den Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe die Fragen der Journalisten vor dem Justizzentrum. Der gesuchte 21-jährige Zwilling eines arabischstämmigen Berliner Clans wurd © Sebastian Kahnert/dpa

Unterdessen werten die gut 40 Ermittler der Soko Epaulette weiter Beweismaterial aus. Seit den Durchsuchungen in Berlin kamen Dutzende Kisten mit Computern, Handys, Speichermedien, Kleidung, Waffen und ähnlichem dazu. Allein 97 Handys müssen ausgewertet werden, sagte Schmidt.

Insgesamt ermitteln die Beamten gegen sieben Beschuldigte, sechs von ihnen seien nachweisbar am Tatort gewesen. Für fünf Remmos hatten die Beweise den Ermittlungsrichter überzeugt, sodass Haftbefehle erlassen wurden.

Haftprüfung hinter verschlossenen Türen am Amtsgericht Dresden.
Haftprüfung hinter verschlossenen Türen am Amtsgericht Dresden. © SZ/Alexander Schneider

Keine 20 Minuten nach 15 Uhr verlässt Oberstaatsanwalt Schmidt den Saal. Er teilt mit, dass der Ermittlungsrichter den Haftbefehl gegen Mohamed Remmo in Vollzug gesetzt hat. Es bestehe ein dringender Tatverdacht gegen ihn. Der Beschuldigte habe sich nicht zu den Vorwürfen eingelassen. Ihm wird wie den anderen Beschuldigten schwerer Einbruchdiebstahl und Brandstiftung vorgeworfen.

Auch die drei inhaftierten Mitbeschuldigten haben sich laut Schmidt bislang nicht geäußert. Weitere Details könnten aus Ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt werden.

Es sei derzeit noch nicht absehbar, wann die Anklage erhoben wird.

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