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Jazztage Dresden drohen mit Abbruch wegen 2G

Die geplante Verschärfung der Corona-Schutzverordnung geht den Jazztage-Veranstaltern zu weit. Was das für das Festival heißt.

Von Dominique Bielmeier
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Jazztage-Veranstalter Kilian Forster will eine 2G-Regel nicht mittragen.
Jazztage-Veranstalter Kilian Forster will eine 2G-Regel nicht mittragen. © Andreas Weihs

Dresden. Die Ankündigung der sächsischen Staatsregierung, in der neuen Corona-Schutzverordnung, die am Freitag beschlossen werden und ab Montag gelten soll, die 2G-Regel auszuweiten, könnte einen Abbruch der Jazztage Dresden bedeuten. Veranstalter Kilian Forster erklärte am Dienstag in einer Pressemitteilung: "Sollte dies Realität werden, bedeutet das für uns als Veranstalter, dass wir genötigt werden, zu diskriminieren. Hier ist Schluss! Wir machen da nicht mit." In einer Demokratie gebe es nicht nur Mehrheiten, sondern auch Minderheiten. "Und sollte die Minderheit auch nur aus einer Person bestehen, ist auch hier eine Ausgrenzung unzulässig."

Bis zur Überlastungsstufe konnten Betreiber und Veranstalter bisher selbst entscheiden, ob sie Zugang nur für Geimpfte und Genesene möglich machen - 2G - oder auch negative Schnell- oder PCR-Tests akzeptieren - 3G bzw. 3G-plus. Jetzt soll bereits bei Erreichen der Vorwarnstufe der Zugang für Ungeimpfte massiv eingeschränkt werden. Das gilt für die Innengastronomie, bei Veranstaltungen und in Freizeit- und Kultureinrichtungen in Innenräumen, in Clubs, Diskotheken und Bars. Ausnahmen gibt es nur für Kinder- und Jugendliche sowie Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Sie benötigen aber einen Test.

Auch Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern sind davon betroffen. Zugang haben nur Geimpfte und Genesene. Drinnen und im Freien gelten auch mit 2G wieder Höchstgrenzen für die Besucherzahl: Bei maximal 50-prozentiger Auslastung sind höchstens 25.000 Besucherinnen und Besucher gleichzeitig erlaubt.

Jazztage-Konzerte sollen vorverlegt werden

Forster hatte sich schon in der Vergangenheit gegen 2G ausgesprochen und erklärt nun: "Die Jazztage Dresden diskriminieren weder einzelne Bevölkerungsgruppen noch Minderheiten: weder nach Hautfarbe, Ethnie, Religion, politischen Ansichten, Alter, noch nach gesundheitlichen oder körperlichen Merkmalen oder Zuständen, wie zum Beispiel dem Impfstatus."

Man werde nun versuchen, alle Konzerte, bei denen dies realisierbar ist, auf das kommende Wochenende vorzuverlegen und arbeite auch an weiteren, alternativen Lösungen - bis hin zu Verschiebungen in andere Bundesländer.

"Wir wissen und bedauern zutiefst, dass aufgrund der Terminverlegungen und des möglichen Abbruchs der Jazztage liebe und geschätzte Konzertbesucher um den Genuss wunderbarer Konzerte kommen, die unter 3G hätten stattfinden können", so Jazztage-Geschäftsführerin Tanja Grandmontage. "Mit 2G ist jedoch die Grenze dessen erreicht, was wir mit unserem Gewissen und mit dem Selbstverständnis der Jazztage Dresden vereinbaren können."

Die Veranstalter bitten alle Beteiligten, die Planungen zu überdenken und nicht Realität werden zu lassen. "Um unsere offene und pluralistische Gesellschaft, in der wir alle leben wollen, zu erhalten, sollten wir aufeinander zugehen – in Freiheit und ohne Spaltung", so Grandmontage. "Nur wer sich nicht benehmen kann oder alkoholisiert die Veranstaltung stört, kann des Konzerts verwiesen werden."

Man habe lange überlegt und viele Möglichkeiten in Betracht gezogen, erklärt Forster, der auch spätere Ersatzkonzerte für Ungeimpfte als diskriminierend bezeichnet. Der Beschluss der Jazztage koste eine Menge Geld, aber man hoffe auf Verständnis. (mit SZ/sca)