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Keine Lust auf Friede, Freude, Eierkuchen

Milow servierte samt Band in der „Jungen Garde“ in Dresden perfekten Pop für einen lauen Abend. Er sorgte aber auch dafür, dass den Fans kurz das Lächeln verging.

Milow hatte beim Konzert in der Dresdner Freilichtbühne „Jungen Garde“ zwar kein großes Publikum, gab aber dennoch ein mitreißendes Konzert.
Milow hatte beim Konzert in der Dresdner Freilichtbühne „Jungen Garde“ zwar kein großes Publikum, gab aber dennoch ein mitreißendes Konzert. © J. Loesel, loesel-photographie.de

Das Publikum fand am Sonnabend in der Dresdner „Jungen Garde“ nahezu perfekte Rahmenbedingungen vor: Keine Testpflicht, keine Masken, viel Platz zum Tanzen und obendrein ein Star zum Anfassen. Im wahrsten Sinne. Das Konzert von Milow war als Show mit einer Kapazität von 500 Besuchern und entsprechend lockeren Coronaregeln angesetzt worden.

Milow mit Band am Sonnabend in der "Jungen Garde".
Milow mit Band am Sonnabend in der "Jungen Garde". © J. Loesel, loesel-photographie.de

Tatsächlich gekommen waren noch ein paar Leute weniger. Was jedoch keineswegs die Stimmung trübte.Obwohl der Belgier zunächst mit unbekannteren Songs startete, tänzelten die ersten der mehrheitlich weiblichen Fans bereits nach wenigen Takten. Was sich zunächst zaghaft anließ, steigerte sich stetig. Gaben Milow und seine bestens aufgelegte Band etwas mehr Gas, zog das Publikum umgehend mit, klatschte rhythmisch oder ließ die Arme im Takt durch die Luft federn. Ein Kamerateam kam so zu Bildern, die eines großen Festivals würdig gewesen wären.

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Brillanter Entertainer

Milow, der eigentlich Jonathan Ivo Gilles Vandenbroeck heißt und vor Beginn seiner musikalischen Profi-Karriere unter anderem in Antwerpen als Barkeeper gearbeitet, zudem ein Jahr lang als Austauschstudent in Kalifornien sowohl sein Englisch als auch seine Songwriter-Fertigkeiten verbessert hatte, brillierte in Dresden als unaufgeregter Entertainer. Er plauderte munter drauflos, wechselte teilweise ansatzlos zwischen Deutsch und Englisch. Ebenso mühelos ging es zwischen munteren Späßen, leichtem Sarkasmus und Passagen hin und her, bei denen einem flugs das durch den stets fluffigen Pop provozierte Dauerlächeln verging.

Vor allem weibliche Fans feierten Milow beim Konzert in Dresden.
Vor allem weibliche Fans feierten Milow beim Konzert in Dresden. © J. Loesel, loesel-photographie.de

Der Mann hatte eindeutig keine Lust nur auf Friede, Freude, Eierkuchen, erzählte von seinem Drummer, der mit gerade mal 50 Jahren an Krebs gestorben sei, mit dem er bis zuletzt an Songs fürs kommende Album gearbeitet hatte. Und spielte prompt, ganz allein und nur zum eigenen Gitarrenspiel inmitten der Besucher eine Nummer, die er dem Ex-Kollegen widmete. Drei Minuten pure Ergriffenheit; zweifellos einer der intensivsten Momente des Abends.

Zum Schluss spielte Milow mit einigen seiner Musiker mitten im Publikum.
Zum Schluss spielte Milow mit einigen seiner Musiker mitten im Publikum. © Tatjana Koppitz

Feixend wiederum behauptete Milow, nur vier Stunden und 23 Minuten geschlafen, den ganzen Tag im Auto zugebracht und sich überlegt zu haben, dass man wohl auch einen bekannten Song spielen müsste. Dann kam „Ayo Technology“, sein größter Hit. Dazu Neues wie ein Stück über bedingungslose Freundschaft, das er „im vergangenen November, also im 13. Lockdown“ geschrieben habe. Ein bisschen Optimismus obendrauf: „2021 wird wirklich speziell, und ich fühle es schon, dass dieser Abend in Dresden eines meiner Lieblingskonzerte des Jahres wird.“ Selbstverständlich bejubelte das Publikum diese Schmeichelei, erlebte nach knapp anderthalb Stunden eine spezielle Zugabe: Milow und drei seiner Kollegen spielten unplugged zwischen den Fans. Besser hätte es für diese gar nicht laufen können.

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