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Maron: Protest von Tellkamp bis Grünbein

Namhafte Schriftsteller protestieren gegen die politisch begründete Trennung des Fischer-Verlags von Monika Maron, darunter auch Dresdner Autoren.

Kritisieren den Rauswurf von Monika Maron: die Dresdner Schriftsteller Durs Grünbein (l.) und Uwe Tellkamp.
Kritisieren den Rauswurf von Monika Maron: die Dresdner Schriftsteller Durs Grünbein (l.) und Uwe Tellkamp. © Foto: Jürgen Loesel

Deutschland hat seinen neuen Literatur-Eklat: Am Montag hatte der Frankfurter Verlag S. Fischer bekannt gegeben, dass er sich nach fast 40 Jahren von seiner Autorin Monika Maron trennt und kein weiteres Buch von ihr veröffentlichen will. Als Grund wurde angegeben, Maron habe einen Essay-Band in der Dresdner „edition buchhaus loschwitz“ veröffentlicht, deren Verlegerin Susanne Dagen eng mit dem Antaios-Verlag des Rechtsextremisten Götz Kubitschek kooperiere. Zu dessen Programm „gehören zahlreiche Bücher, die völkisch-rassistische Positionen vertreten“, so Verlagsleiterin Siv Bubitz. Damit „will der S. Fischer Verlag nicht assoziiert werden, auch nicht mittelbar“.

Mehrere Schriftsteller kritisieren die Entscheidung. Darunter sind auch der Dresdner Autor Uwe Tellkamp und Jörg Bernig aus Radebeul. In ihrem öffentlichen Protestschreiben stellen sie sich „in großer Sorge und mit Entschiedenheit … vor die Buchhändlerin, Verlegerin und Veranstalterin Susanne Dagen. Desgleichen treten wir an die Seite unserer Kollegin Monika Maron, der die weitere Zusammenarbeit mit dem Verlag S. Fischer aufgekündigt wurde.“ 

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"Munition" für die AfD?

Ihre Sorgen, so Tellkamp und Bernig weiter, erwachsen aus verschiedenen Beobachtungen der letzten Jahre. „Wir stellen eine Verwahrlosung und gewalttätige Aufladung der Berichterstattung und Kommentierung fest, wenn über Positionen und Menschen geschrieben und gesprochen wird, die sich kritisch zu problematischen Entwicklungen in diesem Land äußern“. Konkret erwähnen sie „Fragen der Meinungsfreiheit, der Verquickung von Politik und Medien, der Migrationspolitik, der Erscheinung des Islams in unserer Gesellschaft oder der Beschneidung verfassungsmäßig festgeschriebener Freiheiten“.

Auch wenn Bernig und Tellkamp die Angelegenheit Maron zum Anlass für ihre Debatten- und Medienkritik nehmen, so ist doch gerade in diesem Fall der Meinungstenor der Berichterstattung bislang überwiegend kritisch, und zwar in Richtung des Verlages S. Fischer. Auch haben sich am Mittwoch weitere Schriftsteller zu Wort gemeldet, die mit dem Trennungsbeschluss des Frankfurter Traditionshauses von der islam- und migrationspolitikkritischen Monika Maron hart ins Gericht gehen. So erklärt der Dresdner Dichter und Essayist Durs Grünbein in der neuen Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit: „Damit liefert man jenen Argumente, die glauben, sie leben in einem Meinungskorridor. Das ist unproduktiv. Wir müssen wieder lernen, über Texte zu reden, nicht über Haltungen.“

"Fatales Einschüchterungssignal"

Ähnlich äußert sich Thea Dorn, Autorin und Moderatorin der ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“: Die Entscheidung des Verlags S. Fischer sei ein „fatales Einschüchterungssignal“ an alle Schriftsteller mit der Botschaft: „Wehe, ihr wandelt auf Abwegen! Wehe, ihr verstoßt gegen das moralische Reinheitsgebot!“ Dorn frage sich, „wie in einem solchen Klima Literatur und Kunst noch gedeihen sollen, wie die immer krassere Polarisierung der Gesellschaft aufgehalten werden soll“.

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Ebenfalls in der Zeit meldet sich Katja Lange-Müller zu Wort, preisgekrönte Autorin und wie Maron in den Achtziger-Jahren aus der DDR in die Bundesrepublik gegangen: „Wer … liefert den tatsächlich Rechten und deren Partei, der AfD, der Monika Maron weder angehört noch nahesteht, mehr ,Munition‘, der Literaturverlag S. Fischer oder dessen – nun leider ehemalige – Autorin?“ Lange-Müller wünscht Maron einen neuen Verlag, der diese „im Wortsinn ‚mutwillige‘ Schriftstellerin und ihr schon immer auf gesellschaftskritische Themen fokussiertes Werk zu schätzen vermag“.

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