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MDR streamt Konzert der Band Christian Friedels

Der Dresdner Schauspielstar Christian Friedel und seine Band Woods of Birnam gaben ihr Jubiläumskonzert zum Zehnjährigen in Halle. Jetzt geht es online.

Von Andy Dallmann
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Christian Friedel (l.) und seine Band Woods of Birnam beim Jubiläumskonzert in Halle, das der MDR jetzt als Stream veröffentlicht.
Christian Friedel (l.) und seine Band Woods of Birnam beim Jubiläumskonzert in Halle, das der MDR jetzt als Stream veröffentlicht. © MDR/HA Kommunikation

Fans träumen ja davon, dass das Konzert ihrer Lieblingsband nie endet. Ein ewiger Rausch aus Klängen, Farben, seltsamen Gerüchen. Für die Anhänger der Dresdner Band Woods of Birnam wird dieser Traum zumindest ansatzweise wahr.

Die auf eine Stunde limitierte Show zum zehnten Gründungsjubiläum, vor limitiertem Publikum aufgezeichnet, wird nun mit den limitierten Konzertdarstellungsmitteln des Fernsehens immerhin zu einem fast beliebig wiederholbaren Musikereignis.

Viel technischer Aufwand, um die Show von Woods of Birnam in Sachen Bild und Ton perfekt festzuhalten.
Viel technischer Aufwand, um die Show von Woods of Birnam in Sachen Bild und Ton perfekt festzuhalten. © MDR/HA Kommunikation

Der MDR hat die Show am 19. Dezember 2021 im Thalia Theater Halle unter hohem Aufwand mitgeschnitten und bietet sie ab 13. Januar als Stream in HD-Qualität über die ARD-Mediathek an. Was letztlich heißt: Man sieht schon mal besser, als stünde man vor der Bühne eines Clubs.

Wenn ringsum Profis arbeiten, klappt’s natürlich auch mit dem Sound, der makellos ist. Wer sich das Ganze im technisch aufgerüsteten Heimkino via Beamer und Soundanlage ansieht, hat zwar mangels möglicher Interaktion mit den Künstlern kein wirkliches Live-Erlebnis, bekommt aber doch eine Ahnung davon, wie sich so etwas anfühlt.

Woods of Birnam beim Konzert in Halle.
Woods of Birnam beim Konzert in Halle. © MDR/HA Kommunikation

Christian Friedel, als Schauspieler am Theater wie im Film bestens etabliert, spart sich in seiner Rolle als Frontmann der Woods of Birnam viele Worte, merkt irgendwann aber ironisch an: „Wir lieben es, ganz viele Kameras um uns zu haben.“ Und er platziert tatsächlich einen Mundart-Gag: „Wir sind die Woods aus Dräähsdn.“

Als Sänger arbeitet er hingegen völlig spaßbefreit, also hoch konzentriert und präzise. Gleiches gilt für die Musiker; dem Stammpersonal steht Keyboarder Onno Dreier und Jessica Struch alias Janda als Background-Sängerin zur Seite. Letztere setzt ein paar überaus interessante Akzente.

Mehr Show hätte der Show gut getan

Überhaupt klingen die Songs teils überraschend schlank. Christian Friedel erklärt das im SZ-Gespräch so: „2021 konnten wir ja leider nicht so viel live spielen. Da haben wir die Zeit genutzt und gleich drei EPs aufgenommen, unsere sogenannten Anniversary Sessions.“

Damit wollte die Band einen Blick zurück wagen und Songs noch einmal aus einem anderen Blickwinkel beleuchten, vor allem akustischer und luftiger arrangieren. „Bei der Clubsession wollten wir das live übertragen. Und da wir die neuen Arrangements ja zu fünft, also mit Onno Dreier, entwickelt hatten und das Credo war, kaum Overdubs in der Produktion zu machen, fiel die Übersetzung beim Konzert eher leicht.“

Gitarrist Philipp Makolies ergänzt: „Es war schön, sich so umfangreich durch unsere Diskografie zu spielen und den ein oder anderen Song noch mal total neu zu entdecken.“ Es sei ein tolles Gefühl zu erleben, dass die Lieder lebendig geblieben seien und sich immer weiter entwickelten. „Die neuen Versionen live zu spielen hat uns zwar teilweise einiges an Konzentration abverlangt, aber auch unglaublich intensive musikalische Momente geschenkt.“

Am 19. Dezember 2021 spielten Woods of Birnam aus Dresden im Thalia Theater Halle ihre Jubiläumsshow.
Am 19. Dezember 2021 spielten Woods of Birnam aus Dresden im Thalia Theater Halle ihre Jubiläumsshow. © MDR/HA Kommunikation

Vom rein Musikalischen abgesehen, hätte dem Auftritt, der schließlich von vornherein als Stream konzipiert war, etwas mehr Show gutgetan. Zwar gibt es viel stimmungsvolles Licht und eine clevere Kameraarbeit. Menschen, die mit der Band bislang nichts anfangen konnten und die nun eher zufällig an den Stream oder in die Ausstrahlung im linearen Fernsehen geraten, wären mit etwas mehr Spektakel möglicherweise besser zu packen gewesen.

Zumal die Band ja durchaus ein Händchen für üppige Inszenierungen hat. Nicht nur ihre Anfänge in der längst legendären „Hamlet“-Inszenierung am Dresdner Staatsschauspiel stehen dafür, mehr noch gefeierte Projekte wie „Searching for William“ oder zuletzt „How to Hear a Painting“. Mit der live aus dem Schauspielhaus übertragenen Musik-Performance hatten Friedel und Kollegen zur Wiedereröffnungsfeier der Galerie Alte Meister im Februar 2020 ein Sahnehäubchen aufgesetzt.

Dieser Mangel ist den Musikern durchaus bewusst. „Der Konzertstream kann das Liverlebnis nicht ersetzen, aber in diesen komplizierten Zeiten kommt man so dennoch in den Genuss von Livemusik“, sagt Christian Friedel. „Und für uns Musiker sind das gute Alternativen, wieder unsere eigentliche Arbeit und Leidenschaft leben zu können.“Er und seine Kollegen seien froh gewesen, 2021 eine kleine Herbsttour spielen zu können. „Aber es wäre schön, wenn in Zukunft noch mehr Perspektiven für den Kulturbetrieb geschaffen werden können“, so Friedel. „Denn gerade die Musikbranche trifft es in der Pandemie sehr hart.“

Es bestünde dadurch die Gefahr einer Selektierung, weil das schiere wirtschaftliche Überleben kleineren Bands oder Solistinnen und Solisten schwerer falle als bereits gestandene größere Acts, die meist von großen Plattenfirmen unterstützt würden. „Das kann man leider auch bei einigen Streamingplattformen sehen, wo das Kapital die Musik macht.“ Vor diesem Hintergrund wäre es wünschenswert, dass sich der MDR weiter, besser: noch mehr für regionale Bands engagiert.

Das exklusive Clubkonzert von Woods of Birnam ist ab 13. Januar für 30 Tage in der ARD-Mediathek abrufbar.

Am 22. Januar präsentieren Woods of Birnam ab 19.30 Uhr zum letzten Mal ihr Programm „Searching for Macbeth“ live im Dresdner Schauspielhaus.