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So war das Konzert von Mighty Oaks in Dresden

Die Berliner Folk-Band Mighty Oaks gab am Freitag auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch in Dresden ein erholsames Wellness-Konzert.

Am Freitag spielte "Mighty Oaks" auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch in Dresden.
Am Freitag spielte "Mighty Oaks" auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch in Dresden. © Arvid Müller

Dresden. Für die Berliner Folk-Band Mighty Oaks, zu Deutsch „Mächtige Eichen“ gibt es in Dresden wohl keinen passenderen Konzertort als den Konzertplatz Weißer Hirsch. Auf der Lichtung, zwischen hochgewachsenen, alten Bäumen erhebt sich am Freitagabend eine Band und vor allem eine Stimme, die für den ersten Eindruck etwas verloren geglaubtes zu transportieren vermag: über die Jahre natürlich gewachsene, handgemachte Klänge, eine in Musik gefasste Antithese zur Digitalisierung.

Ein leichter Hauch von Aussteigertum scheint in der zunächst warmen, später kühl-feuchten Luft zu liegen. Und man kommt, verstärkt durch die hölzerne Konzertmuschel-Bühne, die gedimmte Beleuchtung und die Kombination aus Satzgesängen, Akustikgitarre, Mandoline, Geige und einem sanft gespielten Schlagzeug ein wenig ins Träumen von alternativen Lebensentwürfen am imaginären Lagerfeuer.

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Die „Mächtigen Eichen“, das sind im Kern der seit 2008 in Deutschland lebende Amerikaner Ian Hooper, der Italiener Claudio Donzelli und der Engländer Craig Saunders. Die Berliner Folk-Band formierte sich 2010 in Hamburg, wo Sänger Ian Hooper mal Gymnasiallehrer war, nach eigenen Angaben aber zu viel Freizeit hatte. „Ich hatte mich damals von meiner Freundin getrennt“, sagt er. „Ein Freund hat mich bei sich aufgenommen, dann haben wir erste Lieder geschrieben.“

Ian Hooper, Sänger der Band "Mighty Oaks"
Ian Hooper, Sänger der Band "Mighty Oaks" © Arvid Müller

Der Mann mit Hut und Holzfällerhemd bleibt in seinen Ansagen erst- und zweitheimatverbunden, wechselt oft zwischen fast akzentfreiem Deutsch und amerikanischem Englisch. Sein Lied „Land Of Broken Dreams“ lässt erahnen, dass es wohl einen guten Grund gab, das Land zu wechseln.

Ian Hoopers wirkliche Heimat scheint aber die Bühne zu sein. „Unsere Erwartung wurden heute weit übertroffen, als wir erfuhren, dass es ein Stehpublikum gibt“, sagt er euphorisch, und berichtet von den aktuell unterschiedlichsten Auftrittsbedingungen, von kleinen, vollen Klubs und Sitzkonzerten.

Auf dem Dresdner Konzertplatz ist seine Freude über das Stehkonzert jederzeit zu spüren. „Ich war etwas angeschlagen und hatte vor dem Konzert Zeit, mich zu erholen. Das hat so halb geklappt. Meine Stimme ist gebrochen, das passiert mir eigentlich nie, ich bin noch in der Pubertät.“

Kein echter Seelentrip

Hooper bittet um Unterstützung vom gut über den Platz verteilten Publikum. „Mitsingen ist bei uns immer willkommen, auch wenn ihr den Text nicht kennt.“ Spätestens in diesem Moment ist die Verbindung zwischen Band und Musikfans hergestellt, aber auch die lange Konzert-Dürre und die verstärkte Sehnsucht nach analogen Gemeinschaftserlebnissen erzeugt schnell Euphorie.

Überhaupt wird Sänger Ian Hooper nicht müde zu betonen, dass auf der Bühne nichts künstlich hergestellt wird. „Wir sind eine Liveband, da passieren manchmal Sachen. Wenn was schiefgeht müssen wir das erstmal klären. Es ist aber besser als wenn alles einfach vom Band laufen würde, CDs könnt ihr ja zu Hause hören.“

Und doch merkt man dem leidenschaftlich gespielten Liedgut der Mighty Oaks an, dass hier keine wirkliche alternative Musikwelt erlebbar ist. Dafür klingen die meisten Lieder einfach zu gefällig, zu radiotauglich und in Teilen durchaus belanglos, als dass man in emotionale Tiefen gezogen werden könnte.

Den wirklichen Seelentrip sucht man bei den Mighty Oaks vergebens, was auch durch allgemein gehaltene Botschaften illustriert wird: „Ohne die Tiefen im Leben würden wir die Höhen nicht zu schätzen wissen.“ Oder: „In dieser Konstellation kommen wir nicht mehr zusammen.“ Das entlockt einem eher ein Schmunzeln, als Aha-Effekte, während der nächste, gut formatierte, Song angestimmt wird.

Wer mit den Mighty Oaks auf einen echten Seelentrip jenseits klangkonformer Strophen und Refrains gehen möchte, wird enttäuscht. Alle anderen freuen sich auf ein anderthalbstündiges akustisch untermaltes Waldbaden im Stadtpark.

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