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Hitler-Attentat: Dresdner Museum kaufte Fälschungen

Das Militärhistorische Museum Dresden hat gefälschte Schriften zum Attentat auf Adolf Hitler angekauft. Schon früh waren Stauffenberg-Briefe in Verdacht geraten.

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden hat vermutlich gefälschte Schriftstücke zum Attentat auf Adolf Hitler angekauft.
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden hat vermutlich gefälschte Schriftstücke zum Attentat auf Adolf Hitler angekauft. © dpa

Dresden. Mit der Ausstellung „Der Führer Adolf Hitler ist tot“ erinnerte das Militärhistorische Museum der Bundeswehr vom 4. Juli bis zum 3. Dezember 2019 an das Stauffenberg-Attentat vom 20. Juli 1944. Mit fast 30.000 Besucherinnen und Besuchern war sie die Sonderausstellung des MHM mit einer der höchsten Gästezahlen seit der Neueröffnung des Hauses im Jahr 2011.

Doch das Museum ist Fälschungen aufgesessen: Staatsanwaltschaft und die Polizeidirektion Dresden ermitteln wegen Betrugsverdacht, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen Anfang vergangene Jahres durch ein Amtshilfeersuchen und eine Anzeige des Museums.

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Schon seit 2019 bestanden Anhaltspunkte dafür, dass dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in den Jahren 2015 und 2016 mehrere Schriftstücke verkauft worden sind, bei denen es sich teilweise um Falsifikate handeln könnte. Dabei handelt es sich um Deckblätter dreier dienstlicher Schreiben Stauffenbergs aus den Jahren 1942 und 1943 aus den Beständen der in Neubrandenburg ansässigen Förderstiftung für Kunst und Wissenschaft. Das geht aus einem Artikel der „Militärgeschichtlichen Zeitschrift“ aus diesem Jahr hervor, in der das MHM einen umfangreichen Fachbeitrag zu dem Vorgang veröffentlicht hat.

Aktuell gibt es im MHM die Ausstellung ·Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger.
Aktuell gibt es im MHM die Ausstellung ·Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger. © dpa

Demnach hat das Museum kurz nach Ausstellungseröffnung 2019 nach einem entsprechenden Hinweis der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin auf mögliche Fälschungen die verdächtigen Schriftstücke vorsorglich aus der Ausstellung entfernt und einen eigenen Untersuchungsvorgang eingeleitet. Im Februar 2020 stellte das Museum schließlich ein Amtshilfeersuchen beim Landeskriminalamt Sachsen. In dessen Zuge habe das Kriminalwissenschaftliche und -technische Institut des LKA das Material begutachtet und zwei der verdächtigen Schriften eindeutig als Fälschungen identifiziert.

Wie sich laut „Militärgeschichtliche Zeitschrift“ im Zuge der Untersuchungen ebenfalls herausstellte, kursieren bereits seit Mitte der 2000er-Jahre vergleichbare unechte Dokumente auf dem Sammler- und Museumsmarkt: „Die ,Masche‘ der Fälscher scheint darin zu bestehen, jeweils Deckblätter o. ä. mit den Autografen bekannter Persönlichkeiten aus rein kommerziellem Interesse vorrangig für den Sammlermarkt nachzumachen.“

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Schon in einer ersten gemeinsamen Bewertung im November 2019 stimmten die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und das Militärhistorische Museum darin überein, „dass auch im Fall sich bei Prüfung bestätigender Fälschungen die Kernaussagen der Ausstellung nicht betroffen seien oder gar als falsch gelten müssten“.

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