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Oper "Norma" erstmals seit 110 Jahren in der Semperoper

Starregisseur Peter Konwitschny startet einen Reigen von Premieren in Dresden.

Peter Konwitschny ist derzeit in der Dresdner Oper im Inszenierungsglück: „Es ist immer wieder schön, an dieses herrliche Haus mit seinen ungemein kreativen Mitarbeitern zurückzukehren.“
Peter Konwitschny ist derzeit in der Dresdner Oper im Inszenierungsglück: „Es ist immer wieder schön, an dieses herrliche Haus mit seinen ungemein kreativen Mitarbeitern zurückzukehren.“ © Jürgen Lösel

Die Melodie beginnt unspektakulär, wird exponierter und schraubt sich immer höher. Wenn Spitzensängerinnen die Arie „Casta Diva – Keusche Göttin im silbernen Glanze“ aus der Bellini-Oper „Norma“ interpretieren, finden das viele Musikfreunde zum Heulen schön. Kein Wunder, wenn dieser Zauber einer mondbeschienenen Nacht gut 50 Millionen Mal im Netz geklickt wird. Besonders die Aufnahmen mit der Norma-Idealinterpretin Maria Callas sind gefragt.An diesem Sonnabend ertönt diese so hinreißende wie anspruchsvolle „Casta Diva“-Arie live in der Semperoper. Denn „Norma“ eröffnet den aus 15 Neuproduktionen bestehenden Premierenmarathon des Theaters in der Saison 2021/22. Allein im Oktober gibt es vier Premieren.

Erstmals seit 110 Jahren ist die 1831 in Mailand herausgekommene „Norma“ wieder szenisch in Dresden zu erleben. Vielfach wird das Stück wegen der sehr langen, ungewöhnlich schönen, aber nicht unheiklen Melodien konzertant gegeben. In Dresden wagt der Regie-Berserker Peter Konwitschny eine Interpretation. Vor Jahren hatte er das Angebot einer „Norma“ wegen dieser schwer zu inszenierenden Melodien abgelehnt. Jetzt hat er Lösungen gefunden, „die mich herausgefordert haben“.

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Konwitschnys „Csardasfürstin“ wurde zum Skandal

Der Künstler, bekannt für seinen sezierenden Blick des Wesentlichen eines Werks, hat diese Qualität schon oft in der Semperoper bewiesen. Hier wurde er speziell in den 1990er-Jahren etwa für seinen „Tannhäuser“ gefeiert und für seine „Csardasfürstin“ kontrovers diskutiert. Mehrfach wählten ihn Kritiker zum „Regisseur des Jahres“ im deutschsprachigen Raum. Man wird sehen, wie seine Sicht auf die gallische Seherin Norma, die Kinder mit dem römischen Staatsfeind hat und dafür in den Tod geht, funktioniert.

Der 76-Jährige jedenfalls hat für sich Neues im Stück entdeckt, gar, dass es meist zum Ende falsch als verklärender Liebestod inszeniert wird. „Das Besondere an dem Stück ist, dass eine Frau die Gesellschaft beherrscht und die Handlung entscheidet. Zugleich nimmt sie alles auf sich, geht allein ins Feuer. Das reizt mich.“

Konwitschny, der wieder mit seinem Stammausstatter Johannes Leiacker arbeitet, ist voller Elan und Kraft. „Wir haben eine tolle Besetzung und mit der Sopranistin Yolanda Auyanet eine Interpretin, die erste Sahne ist. Und sie ist mit 51 Jahren in etwa im Alter der Norma, weiß, wie verletzend es ist, vom Geliebten gegen eine Jüngere ausgetauscht zu werden.“ Wieder lobt der Regisseur die „freundschaftliche Zusammenarbeit mit allen“, mit Chor, Technikern und Werkstätten. Er freut sich, dass er hier zum Spielzeitende „Die Nase“ von Dmitri Schostakowitsch einstudieren wird.

Bloß keine unglückliche Kopie der Callas

Nun vorerst „Norma“. Ist diese Oper mit ihren feinsinnigen Weisen vielleicht doch ein Gourmetschinken? „Es ist zwar wirklich schöne Musik, die jedoch nicht so asozial ist, dass sie eine uns betreffende Geschichte ausschließt.“ Auch für das Himmlische der „Casta Diva“ hat er eine tragende, stimmige Idee – so viel sei verraten.

Konwitschny jedenfalls lehnt es ab, diese Arie, wie bei Maria Callas geschehen, als quasi Gang über den roten Teppich zu arrangieren. „Das ist ein Missbrauch der Oper“, sagt er und: „Das Schöne in meinem Beruf ist auch nach so vielen Jahren, dass es unverändert so viele Opern gibt, die noch auf ihre korrekte Inszenierung warten.“ Allein diese Spielzeit plant er fünf Premieren.

  • „Norma“: 2., 5., 10., 17., 23. und 31. Oktober; Karten online oder tel. 0351 4911705

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