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(R)ausstellen

Der öffentliche Platz als Rückzugsgebiet: Künstlerische Installationen in der Dresdner Innenstadt untersuchen die Privatsphäre.

"Chaos Management" von Reinhard Zabka in Dresden.
"Chaos Management" von Reinhard Zabka in Dresden. © Dirk Großer

Wie verändert sich die Privatsphäre in der Pandemie? Welche Rückzugsräume bleiben dem Menschen, wenn natürliche Urgewalten Dörfer wegspülen, wenn Kriege Städte dem Erdboden gleichmachen?

Diesen Fragen gehen internationale Künstler in diesen Tagen auf öffentlichen Plätzen in der Dresdner Innenstadt nach. Die Installationen unter dem Motto "(R)ausstellen" entstanden im Rahmen des Festivals "NIB Art", das noch bis zum Sonntagabend stattfindet und täglich ab 17 Uhr zum Art Talk auf dem Neumarkt einlädt. Musiker, Schauspieler, bildende Künstler und Galeristen sitzen auf dem Podium, das von Dorit Gäbler und Karl-Heinz Bellmann moderiert wird. Organisiert wurde das Festival vom Neuen Sächsischen Kunstverein.

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In die Kuppelhalle des Hauptbahnhofs hat Dirk Großer, der das Festival auch kuratierte, "Das Boot" gestellt. Darin versammelt und amtlich versiegelt sind Botschaften von neun Künstlern, die der Nachwelt übereignet werden sollen. "Die Aktion verdeutlicht unsere Verantwortung für Umwelt, Mitwelt und Nachwelt und macht auf die Situation im Kulturbetrieb während der Corona-Pandemie aufmerksam", sagt Großer.

"Das Boot" von Dirk Großer im Dresdner Hauptbahnhof
"Das Boot" von Dirk Großer im Dresdner Hauptbahnhof © Dirk Großer

Am Dr.-Külz-Ring haben Reinhard Zabka, der auch das "Lügenmuseum" in Radebeul betreibt, und Colin Raff, der in Seattle und Berlin lebt, eine aufregende "Komfortzone" eingerichtet und Inneres nach außen gekehrt. Zabkas wilde Bühneninstallation gleicht einem Versuch, das Chaos zu ordnen. Und Raff besiedelt in einem riesigen Banner mit einer digitalen Grafik ein "Rückzugsgebiet mit Heuschrecken".

Colin Raff: "Rückzugsgebiet mit Heuschrecken", auf der Rückseite ist die Installation von Reinhard Zabka zu sehen.
Colin Raff: "Rückzugsgebiet mit Heuschrecken", auf der Rückseite ist die Installation von Reinhard Zabka zu sehen. © Dirk Großer


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"Armenisches Haus" von Mischa Badasyan © Dirk Großer

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