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„Eine Million an Spenden pro Jahr für die Semperoper“

Der Ex-Bahnchef Rüdiger Grube leitet nun die Förderstiftung der Dresdner Oper. Diese will Spendern jeder Größe werben und plant einen neuen Preis.

Rüdiger Grube fühlt sich Dresdens seit Jahren verbunden - nun als einer der großen Förderer der Semperoper.
Rüdiger Grube fühlt sich Dresdens seit Jahren verbunden - nun als einer der großen Förderer der Semperoper. © momentphoto.de/bonss

Diesen Namen dürfte jeder halbwegs aufmerksame Leser kennen: Rüdiger Grube. Der deutsche Manager war von 2009 bis 2017 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG. In dieser Funktion war er oft auch in Sachsen unterwegs. Der Feingeist ist in diversen Stiftungen wie der Deutschen Nationalstiftung engagiert – und auch in der Stiftung zur Förderung der Semperoper. Ein Gespräch mit dem 69-Jährigen über Hilfe in Zeiten einer Pandemie, jeden Cent, der wichtig ist, und warum immer noch die Bahn die erste Wahl ist.

Herr Grube, gibt es in Ihrer Heimatstadt Hamburg nicht genug Theater, die Hilfe bräuchten – warum Dresden?

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Dresden ist genauso wie Hamburg eine wunderschöne Stadt mit unendlich vielen Sehenswürdigkeiten. Beide Städte sind reich an Kunst und Kultur. Und nicht zuletzt ist Dresden die Partnerstadt von Hamburg. Ich bin zum Beispiel ein großer Freund von dem weltbekannten Choreografen John Neumeier von der Hamburger Staatsoper. Aber die Semperoper in Dresden mit dem Intendanten Peter Theiler, Wolfgang Rothe und dem gesamten Team ist etwas ganz Besonderes und nicht umsonst das bekannteste Opernhaus Deutschlands. Und die Sächsische Staatskapelle unter Christian Thielemann ist eines der ältesten und renommiertesten Orchester weltweit. Sich für dieses tolle Opernhaus zu engagieren, ist mir eine ganz besondere Freude. Ich engagiere mich sehr gerne über meine Heimatstadt hinaus.

Momentan ist die Semperoper zu: Wird die nächste Premiere, die die Stiftung unterstützt, ,,Capriccio“, am 8. Mai stattfinden? Wie sind Ihre Infos?

Nicht nur die Freunde und Förderer leiden aufgrund der Corona-Auflagen, dass zurzeit keine Premieren stattfinden dürfen. Aber noch schlimmer trifft es die Musiker, Sänger, Tänzer und nicht zuletzt die vielen Mitarbeiter in Technik, Werkstätten und Verwaltung. Die Intendanz versucht aber alles – natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln –, möglichst schnell wieder die Türen der Oper zu öffnen. Wir hoffen sehr, dass wir am 8. Mai eine Premiere erleben werden, in welcher Form ist noch offen.

Momentan ein leeres Haus - die Semperoper.
Momentan ein leeres Haus - die Semperoper. © ronaldbonss.com

Wann fanden Sie zur Stiftung?

Ich habe mir bereits vor mehr als 15 Jahren die ersten Aufführungen in der Semperoper angeschaut. Aber sensibilisiert worden, mich für die Semperoper zu engagieren, bin ich durch den Stuttgarter Unternehmer Senator Rudi Häussler. Der hatte 1992 die Stiftung gegründet. Auch er ist nicht gebürtiger Dresdner und hat sich trotzdem als Gründer und Stifter in über 28 Jahren für dieses Haus engagiert. Seine Leidenschaft hat mich ebenfalls inspiriert, und er gilt mir als großes Vorbild.

Wie reisen Sie nach Dresden an – mit Bahn, Auto oder Flugzeug?

Da gibt es keine Frage. Ich reise nach Dresden ausschließlich mit der Deutschen Bahn, nicht nur aus persönlicher Verbundenheit, sondern, weil es nichts Komfortableres und Umweltfreundlicheres gibt.

Sie sind nun Vorsitzender des Stiftungsrates – wie kam es dazu?

Ich bin seit Mai 2020 Vorsitzender des Stiftungsrates und habe diese Aufgabe gerne übernommen, um im Sinne unseres Gründers die Stiftung weiterzuentwickeln. Rudi Häussler hatte mich aufgrund seines hohen Alters von 92 Jahren gebeten, in seine Fußstapfen zu treten und die Geschicke der Stiftung gemeinsam mit dem neuen Kuratoriumsvorsitzenden Christian Zwade und unserer neuen Geschäftsführerin Ulrike Lerchl in die Hand zu nehmen.

Nicht einmal Touristen sind derzeit auf dem Theaterplatz vor der Oper.
Nicht einmal Touristen sind derzeit auf dem Theaterplatz vor der Oper. © Sven Ellger

Was wollen Sie anders machen als all Ihre Vorgänger?

Es geht mir nicht darum, etwas anders zu machen. Unser Ziel ist es, noch erfolgreicher bei der Anwerbung von Spendern und Förderern zu sein. Heute verfügen wir über rund 70 Spender, die alle im Kuratorium der Stiftung Mitglieder sind. Um unser Ziel zu erreichen, haben wir das „Programm 100“ initiiert, um im nächsten Schritt von 70 auf mindestens 100 Förderer zu gelangen. Darüber hinaus ist es unser Ziel, möglichst mit großen Spendensummen die Arbeit der Semperoper zu unterstützen, damit Opernhaus und Ensemble weit über Deutschlands Grenzen hinaus weiter glänzen können. Deshalb wollen wir mittelfristig pro Jahr mindestens eine Million Euro der Semperoper zur Verfügung stellen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen, denn wir konnten allein in den vergangenen vier Wochen über zehn neue Förderer für die Stiftung begeistern und als Kuratoriumsmitglieder gewinnen.

Was planen Sie konkret?

Der Stiftung geht es vorwiegend ums Helfen und Unterstützen. Darüber hinaus werden wir künftig jedes Jahr den „Rudi-Häussler-Preis der Stiftung Semperoper“ an die besten Tänzer, Musiker und/oder Sänger im Rahmen des Preisträgerkonzertes verleihen. Dabei wird es uns insbesondere um den künstlerischen Nachwuchs gehen.

Um die 100 Premieren hat die Stiftung seit 1992 mit gut 14 Millionen Euro unterstützt – zufrieden?

Ja, es sind in der Zwischenzeit sogar mehr als 15 Millionen Euro. Damit zählt unsere Stiftung zu den erfolgreichsten Kulturstiftungen in Deutschland. Und damit es so bleibt, dürfen wir uns bei der Anwerbung neuer Förderer nicht nur auf Dresden und Sachsen konzentrieren. sondern wollen ganz Deutschland als Einzugsgebiet sehen, da die Semperoper mehr ist als nur ein Opernhaus in Dresden. Damit ich aber nicht missverstanden werde, natürlich sind uns Förderer aus Dresden und ganz Sachsen herzlich willkommen. Wir freuen uns über jeden, der die Semperoper unterstützt, ob im Kleinen oder Großen.

Entlässt die Stiftung mit ihrem Engagement nicht den Freistaat Sachsen aus seiner Finanzierungspflicht?

Ganz im Gegenteil! Ich finde es vorbildlich, dass der Freistaat mit jährlich über 55 Millionen Euro die Semperoper zum absolut größten Teil finanziert. Da sehe ich unsere Unterstützung eher als sinnvolle Ergänzung. Ich bin absolut ein Gegner der Einstellung, dass für alles Vater Staat die Verantwortung übernehmen muss. Auch wir als Bürger haben eine gesellschaftspolitische Verantwortung, die man in ganz unterschiedlicher Weise wahrnehmen kann.

Grenzt die Stiftung nicht Förderwillige aus, wenn die Spendenuntergrenze für Privatpersonen bei 2.500 Euro liegt?

Nein! Wir bieten allen Spendern, den kleinen und größeren, eine Möglichkeit, die Semperoper zu unterstützen. Jeder Cent zählt. Nur assoziierte Kuratoriumsmitglieder zahlen pro Jahr 2.500 Euro und Unternehmen 10.000 Euro und mehr. So ein Beispiel für einen Großspender ist Reinhold Würth, der allein im vergangenen Jahr rund 250.000 Euro an die Stiftung gespendet hat. Für die potenziellen Förderwilligen unter 2.500 Euro haben wir einen eigenen Förderkreis, der uns sehr wichtig ist und über den wir stolz sind, dass jeder in der Stiftung ernst genommen wird.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie Geld für Produktionen gegeben haben und diese geraten nur ärgerlich oder floppen gar?

Da darf man nicht so empfindlich sein. Kunst ist immer mit Risiko verbunden. Es gibt die Freiheit der Kunst. Das immer allen alles gefällt, ist höchst unwahrscheinlich. Dafür bringen wir zu unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungen mit. Aber ohne Risiko entsteht nichts Neues. Das hat, glaube ich, schon Richard Wagner gesagt. Was es deshalb nicht geben darf, dass wir die Spenden nur an bestimmte Inszenierungen knüpfen und wir die Arbeit der Intendanz beeinflussen. Wir wissen alle, dass sich über Kunst gut diskutieren lässt. Wenn ich ins Theater gehe, möchte ich auch überrascht werden, neue Eindrücke gewinnen, andere Sichten kennenlernen.


Eine Frage an den Musikfreund: Welches ist Ihre Lieblingsproduktion?

Eine meiner Lieblingsproduktionen ist der „Freischütz“ von Carl Maria von Weber vom 1. Mai 2015. Der „Freischütz“ ist zweifellos die populärste deutsche Oper.

Eine Frage an den Ex-Bahnchef: Warum ist Dresden speziell abends so miserabel fahrplanmäßig angebunden?

Auf der Strecke Dresden-Berlin hat die DB gerade im vergangenen Jahr das Angebot enorm verbessert. Zum einen ist die neue IC-Linie Dresden-Berlin-Rostock mit den beliebten und pünktlichen KISS-Doppelstockzügen eingeführt worden. Dadurch wird die Strecke Dresden-Berlin nun stündlich bedient. Außerdem können die Dresdner nun direkt zum neuen Flughafen BER reisen. Zum anderen startete auch der EuroCity Vindobona, der Berlin und Dresden direkt mit Prag, Brünn, Wien und Graz verbindet. Und auch in den nächsten Jahren wird die DB weitere Verbesserungen einführen: Ab 2022 werden die Züge erste Streckenabschnitte zwischen Dresden und Berlin mit Tempo 200 befahren. Ende 2025 schließlich wird der Ausbau der sogenannten Dresdner Bahn in Berlin abgeschlossen sein. Dann sinkt die Fahrzeit zwischen Dresden und Berlin auf rund 90 Minuten.

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Eine Frage an den Sportler: Welches ist in Dresden Ihre bevorzugte Zehn-Kilometer-Laufstrecke?

Meine bevorzugte Laufstrecke ist eindeutig das rechte und linke Elbufer. Ich liebe es, in Dresden an der Elbe entlangzulaufen. Esgibt nichts Schöneres, als morgens an der Elbe zu joggen und abends eine Aufführung in der Semperoper zu erleben.

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