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„Prickelnde Vorfreude“ auf die Semperoper

Die Schweizerin Nora Schmid soll Sachsens Theater-Flaggschiff Semperoper ab 2024 erneuern. Geklärt ist auch eine weitere Personalie.

Rückkehr an einen geliebten Ort: Nora Schmid, künftige Intendantin der Semperoper, war von 2010 bis 2015 Chefdramaturgin am Haus.
Rückkehr an einen geliebten Ort: Nora Schmid, künftige Intendantin der Semperoper, war von 2010 bis 2015 Chefdramaturgin am Haus. © Arvid Müller

Die Aufregung war echt. „Das Zurückkommen nach Dresden ist ein ganz, ganz besonderer Moment“, so Nora Schmid, als sie am Dienstag als neue Intendantin der Semperoper vorgestellt wurde. Sie war vor Jahren hier Chefdramaturgin und Mitglied einer Interims-Intendanz gewesen. „Ich bin dem Haus und Dresden immer verbunden geblieben.“ Zudem habe sie eine starke emotionale Bindung zur Stadt, weil hier ihr Sohn geboren wurde. Die 42-Jährige sprach von „prickelnder Vorfreude“ auf die Semperoper, die „auf besondere Weise essenziell für die Bürger der Stadt und der Region und von so enormer internationaler Strahlkraft ist.“ Ab Mitte 2024 wird die gebürtige Schweizerin Sachsens Theater-Flaggschiff führen. Das hat das sächsische Kabinett am Dienstag beschlossen.

„Einstimmig und begeistert“ sind die Entscheidungen für Nora Schmid gefallen. Sowohl die Findungskommission als auch der beauftragende Verwaltungsrat der Oper hätten sie erkoren, sagte Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU), als sie Nora Schmid in der Semperoper den Medien vorstellte. Gut ein Jahr habe sich ihr Ministerium mit der Personalie beschäftigt, zuletzt seien zwei Persönlichkeiten zur Präsentation nach Dresden eingeladen worden.

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Noch vor vier Wochen, als Klepsch angekündigt hatte, den derzeitigen Intendanten Peter Theiler und den Chefdirigenten der Staatskapelle Christian Thielemann nur bis Mitte 2024 zu beschäftigen, sei die Personalie offen gewesen. Die Visionen und Gespräche mit der derzeitigen Intendantin der Oper Graz waren offenbar so überzeugend, dass man schnell einig wurde. „Ich habe gelernt, dass man gute Leute halten muss und Bedingungen schafft, dass sie bleiben“, so die Ministerin. Schmid bleibt noch bis zur Spielzeit 2022/23 in Graz, wird aber bis dahin die Dresdner Jahre mit vorbereiten.

Erneut Angebot an Christian Thielemann

Bis vorerst Mitte 2030 wird Schmid als zweite Frau an der Spitze der Semperoper nach Ulrike Hessler das Haus führen. Sie sei eine Intendantin einer neuen Generation, so die Ministerin. Schmids Aufgabe ist klar: Sie soll das traditionsreiche Haus erneuern. Als Slogan gab das Kulturministerium „Perspektive Semper 2030“ vor: Junge Besucherinnen und Besucher sollen begeistert, digitale Angebote ausgebaut werden. „Die Oper in ein paar Jahren wird eine andere als die Oper von heute“, so die Ministerin.

Der Blick müsse geweitet werden, teilweise neue Wege zwischen tradierten Opern- und Konzertaufführungen und zeitgemäßer Interpretation von Musiktheater und konzertanter Kunst gegangen werden. „Nora Schmid überzeugte uns mit ihrem inneren Bezug und Bekenntnis zur Semperoper, deren herausgehobene Stellung und Tradition sie in eine vielversprechende Zukunft führen wird. Ihre Motivation zur künstlerischen Exzellenz, ihre Begeisterung für die Oper als gesellschaftlich relevanten Ort sowie ihre kommunikative Stärke und ihr zeitgemäßer Führungsanspruch machen sie zu einer profilierten, überzeugenden und gefragten Intendantin.“ Eine, die andere Häuser gern abwerben würden.

Schmid kündigte an, „für die kommenden Jahre eine Programmatik zu entwickeln, die zum einen die so spannende und wechselhafte Geschichte Dresdens und des hiesigen Opernhauses reflektiert und fortführt. Und zum anderen das Publikum mit Neuem, Vergessenem, selten Gespieltem konfrontiert, sich aber auch nicht vor Bekanntem und Populärem scheut“. Dabei würden intellektuelle Durchdringung, differenzierte Perspektiven, theatraler Zauber und Überwältigung Hand in Hand gehen. „Ich will die Fantasie der Zuschauer stimulieren und eine Semperoper für alle“ profilieren. „Die unterschiedlichsten Menschen vor Ort anzusprechen und Opernfans aus aller Welt zu faszinieren, ist eine wunderschöne und dabei auch komplexe Aufgabe, auf die ich mich sehr freue!“ Im Zentrum ihrer Arbeit stehe immer die Musik – und auch das Miteinander all derer, die Tag für Tag dazu beitragen würden, die Semperoper zum Klingen und Strahlen zu bringen.

Nachschlag für den Mann der Kasse

Beide Frauen dankten Peter Theiler für seine Loyalität zum Haus und Bereitschaft zur guten Zusammenarbeit. Die Frauen betonten, dass die Staatskapelle die Hoheit zur Wahl eines neuen Chefdirigenten oder einer neuen Chefdirigentin habe. Ob Chefdirigent oder Generalmusikdirektor – es gebe keine Vorgabe. Zugleich betonte Klepsch, dass dies „kein Votum“ gegen den derzeitigen Chefdirigenten Christian Thielemann ist. Sie hoffe, dass der Maestro so großartig wie bisher mit der Kapelle auch nach 2024 arbeiten würde.

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Eine weitere, nicht wirklich vakante, Personalie ist jetzt auch geklärt. Der Verwaltungsrat der Oper hat seine Zustimmung zur Verlängerung des Vertrags des Kaufmännischen Geschäftsführers der Sächsischen Staatstheater, Wolfgang Rothe, erteilt. Er ist seit 2005 sehr erfolgreich in dieser Funktion. Zudem leitete er die Semperoper nach Hesslers Tod und dem Eklat um den von Thielemann verhinderten Intendanten Serge Dorny sechs Jahre interimsmäßig. Er wird bis 2028 als Mann der Staatstheater-Finanzen wirken und mit Nora Schmid zusammenarbeiten.

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