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Was die neue Chefin der Semperoper vorhat

Die Schweizerin Nora Schmid will ab 2024 die Staatsoper Dresden neu positionieren. Im Interview spricht sie über ihre Pläne.

„Mir war schnell klar: Ich hab’ wohl doch noch einen Koffer in Dresden“, sagt Nora Schmid.
„Mir war schnell klar: Ich hab’ wohl doch noch einen Koffer in Dresden“, sagt Nora Schmid. © Arvid Müller

Leuchtende Augen derzeit fast überall in der Semperoper: Nora Schmid kehrt an das Dresdner Musiktheater zurück. Die derzeitige Intendantin der Oper Graz war vor gut zehn Jahren die Chefdramaturgin der Sächsischen Staatsoper, überzeugte mit Wissen und Charme, brachte Neues ein und wusste auch Besonderheiten zu schätzen. Sie kennt faktisch alle leitenden Experten des Hauses von damals, ebenso viele in den Ensembles und Gewerken. Ihren Fortgang nach Graz 2015 bedauerten viele.

Umso überraschter und erfreuter wurde in Dresden und auch in anderen Häusern im Freistaat die Nachricht aufgenommen, dass die aparte, so selbstbewusste wie umgängliche Frau das sächsische Theaterflaggschiff übernehmen und neu positionieren wird. Anlass für ein erstes Gespräch mit Nora Schmid in der Stadt ihrer künftigen Wirkungsstätte. Sie spricht über Glücksgefühle, wieder da zu sein, die identitätsstiftende Kraft der Semperoper für Stadt und Land sowie die große Faszination der Sächsischen Schweiz.

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Frau Schmid, wie war das jetzt, nach so langer Zeit mal wieder die Semperoper zu betreten?

Es war ein ganz besonderes Gefühl. Ich betrat die Oper zwingerseitig, durch die Saaltüren drang Musik und es war zu spüren, dass auf der Bühne wieder Leben ist – es lief gerade die Hauptprobe für den mehrteiligen Ballettabend, der an diesem Wochenende vor Publikum laufen wird. Für einen Moment war ich überwältigt und wollte mich schon zwicken, um zu merken, ob das nun alles wirklich wahr ist.

Überwogen bei Ihnen die nostalgischen Gefühle oder war da eher eine große Erwartungsfreude?

Natürlich waren da viele Erinnerungen an beglückende künstlerische Erlebnisse und Begegnungen. Präsent war mir auch der Moment der ersten Programmvorstellung damals im Frühjahr 2010 gemeinsam mit der 2012 verstorbenen Intendantin Ulrike Hessler. Und gleichzeitig war ich auch ganz schön aufgeregt und voller Vorfreude.

Wie haben Sie die vergangenen Jahre die Entwicklung des sächsischen Theaterflaggschiffs verfolgt?

Ich war ab und zu in Dresden und habe darüber hinaus in all der Zeit aus Verbundenheit die Berichterstattung mit großem Interesse verfolgt.

Am Dienstag stellte Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (r.) Nora Schmid als designierte Intendantin vor.
Am Dienstag stellte Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (r.) Nora Schmid als designierte Intendantin vor. © Arvid Müller

Hatten Sie vor dem Anruf aus Dresden jemals daran gedacht oder gehofft, das Dresdner Haus einmal zu übernehmen?

Ehrlich gesagt habe ich zunächst und lange Zeit nicht daran gedacht. Aber als dann die vorsichtige Anfrage kam, merkte ich gleich, wie viel Freude es mir machte, erste Ideen zu schmieden und mich wieder intensiver mit den Gestaltungsmöglichkeiten an der Semperoper auseinanderzusetzen. Schnell war klar: Ich hab’ wohl doch noch einen Koffer in Dresden. Und so habe ich schließlich dann sehr gehofft, dass es auch klappt.

In welche Richtung wollen Sie das ehrfürchtige Haus entwickeln?

Ich möchte, dass die Semperoper, die tief in der Identität Dresdens und Sachsens verwurzelt ist, die unterschiedlichsten Menschen von hier sowie Kulturenthusiasten aus aller Welt anzieht. In puncto eines konkreten Programmes kann ich Ihnen jetzt natürlich noch nichts sagen. Wichtig ist mir Vielfalt: Altes und Neues, Populäres und Vergessenes. Dabei inspirieren mich besonders die wechselvolle Geschichte der Stadt Dresden und des hiesigen Opernhauses und natürlich die reiche musikalische Tradition.

Sie haben mit Staatskapelle, Ballett und Chor ganz starke, teils auch recht auf sich fixierte, eigensinnige Ensembles. Kann da ein Intendant eigentlich gewinnen?

Wir stehen doch nicht als Gegner auf dem Platz! Ganz im Gegenteil, ich freue mich auf starke, selbstbewusste Partner und ein produktives inhaltliches Miteinander. Exzellenz kann ja nur dann entstehen, wenn alle auf hohem Niveau agieren. Meine Aufgabe als Intendantin verstehe ich als Teamplayerin und Impulsgeberin, um Potenziale und Energien zu bündeln.

Welche besonderen Angebote und Spezialitäten würden Sie aus Ihren Dresdner Jahren nun wieder in der Semperoper gern etablieren? Vielleicht die Intermezzi?

Da muss ich zuerst ganz genau hinschauen, ob die Formate von damals für jetzt noch die richtigen sind, schließlich sind dann 14 Jahre vergangen. Besonders freue ich mich, dass die Junge Szene, die auf Initiative von Ulrike Hessler ins Leben gerufen wurde, so große Resonanz erfährt. Und mit Semper Zwei steht nun eine tolle zweite Spielstätte zur Verfügung, die es ergänzend zum Haupthaus ermöglicht, vielfältige programmatische Akzente setzen zu können.

Nora Schmid wird 2024 den Schweizer Peter Theiler ablösen.
Nora Schmid wird 2024 den Schweizer Peter Theiler ablösen. © Ronald Bonß

Wissen Sie schon, in welchem Stadtbezirk oder an welchem Ort Sie in Dresden künftig Quartier nehmen werden?

Nein, das weiß ich noch nicht. Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Familie ein Zuhause finde, von dem ich die Semperoper zu Fuß erreichen kann. Als ich in meiner Dresdner Zeit Tag für Tag über die Augustusbrücke ging, dachte ich mir oft: Es gibt keinen schöneren Weg zur Arbeit!

Wie gut wird das gehen, in Graz bis 2023 Chefin zu sein und parallel die Dresdner Spielzeiten vorzubereiten?

Die Planungen für die beiden kommenden Spielzeiten der Oper Graz sind fixiert, das Programm für die nächste Saison werde ich mit meinem Team am 15. Juni präsentieren. Das Schöne und Spannende an der Arbeit an einem Opernhaus ist doch auch immer, frei nach dem „Rosenkavalier“, für heute, morgen oder den übernächsten Tag zu gestalten.

Was halten Sie als Schweizerin von der Sächsischen Schweiz?

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