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So lief der Corona-Neustart in der Gemäldegalerie

Nach gut viermonatiger Zwangspause zeigen die Dresdner Kunstsammlungen wieder ihre Schätze. Andere Museen bleiben dagegen weiter geschlossen.

Trotz steigender Infektionszahlen öffneten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden am Montag die Gemäldegalerie Alte Meister.
Trotz steigender Infektionszahlen öffneten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden am Montag die Gemäldegalerie Alte Meister. ©  Robert Michael/dpa

Schlüssig zu erklären, warum die Gemäldegalerie Alte Meister überhaupt öffnen darf, obwohl die Inzidenzzahl in Sachsen schon wieder auf über 100 stieg, fiel der Ministerin für Kultur und Tourismus am Montagmorgen nicht ganz leicht. Noch am Sonntagabend habe man beraten, ob man Besucher zur „Sixtinischen Madonna“ lassen darf oder nicht, sagte Barbara Klepsch. Die Juristen hätten es für rechtens erklärt.

Das Hygienekonzept der Galerie war da längst ausgetüftelt und im Sommer erfolgreich erprobt. Ausgebucht waren die Besuchstermine für je zweihundert Besucher pro Stunde. Denn wer weiß schon, wann die Dresdner Inzidenz durch die magische 100 schießt? In zwei Tagen, in drei Tagen? In einer Woche? Denn dann müssten die Museen wieder schließen.

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Die Fuhrmanns aus Dresden gönnten sich einem familiären Rundgang durch die Galerie zu einem besonderen Anlass: Frau Fuhrmann hatte am Montag Geburtstag, der Sohn war extra aus München angereist. „Mit meiner Jahreskarte gehe ich ja auch gern nach der Arbeit kurz mal ins Museum“, erzählte Herr Fuhrmann, „aber das war schon lange nicht mehr möglich.“

Besser weniger als gar keine Besucher

Von der Ministerin über die Generaldirektorin, den Museumschef bis hin zu den Aufsichten vom DWSI – sie alle sehnen sich nach Besuchern in den Museen. „Ich bin so froh, wieder hier arbeiten zu können“, sagt Petra Kerstupeit, die frisch frisiert ihren Dienst antrat und nun wieder darauf achtet, dass die Besucher den Gemälden und einander nicht zu nahe kamen. „Meine Nachbarn haben mich oft gefragt, wann es losgeht“, erzählt sie. Freilich hat sie seit der Wiederöffnung der sanierten Gemäldegalerie im Februar 2020 schon stärkeren Andrang erlebt. Aber besser weniger als gar keine Besucher.

Am Freitag soll das Dresdner Residenzschloss wieder Besucher empfangen, außerdem das Albertinum und die Kunsthalle im Lipsiusbau, die Porzellansammlung und der Mathematisch-Physikalische Salon im Zwinger, das Völkerkundemuseum Herrnhut sowie das Museum für Sächsische Volkskunst. Das Japanische Palais will sich am 16. April mit der Ausstellung „Sprachlosigkeit – Das laute Verstummen“ zurückmelden, und das Kunstgewerbemuseum möchte am 1. Mai die Saison einläuten.

„Zehn Tage haben wir gebraucht, die Gemäldegalerie wieder hochzufahren“, erzählt Marion Ackermann. Die Ausstellung „Raffael und die Madonna“ ist noch bis 16. Mai zu sehen. Es schmerzt die Museumsleute sehr, wenn mit großem Aufwand vorbereitete Sonderausstellungen niemand sehen kann. Da im Museumsbetrieb auf Jahre im Voraus geplant wird, ist es schwierig, Ausstellungen zu verlängern oder zu verschieben. Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und der Skulpturensammlung bis 1800, hofft, am weiteren Jahresplan festhalten und die große Schau „Johannes Vermeer. Vom Innehalten“ am 3. Juni pünktlich eröffnen zu können. Mit Spannung erwartet wird dabei das Ergebnis der spektakulären Restaurierung von Vermeers „Brieflesendem Mädchen am offenen Fenster“.

Hygienemuseum bleibt weiter geschlossen

Das Deutsche Hygienemuseum Dresden hat sich „unter Schmerzen“ entschlossen, jetzt noch keine Besucher zu empfangen, sagte Direktor Klaus Vogel. „Für unsere Gäste aus nah und fern, für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für alle Dienstleister und Partner ist das sicher eine bittere Nachricht. Aber wir denken, dass die Enttäuschung noch erheblich größer wäre, wenn wir nach nur wenigen Öffnungstagen abermals schließen müssten.“ Da hilft auch nicht, dass direkt hinterm Haus ein Corona-Testzentrum arbeitet.

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Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben am Freitag weitere Museen nach wochenlanger Schließung geöffnet - so lange es die Inzidenz zulässt.

Bleibt zu hoffen, dass die SKD und alle Museen, die nun öffnen, mit ihren Hygienekonzepten die politischen Entscheider davon überzeugen können, dass Museen keine Corona-Hotspots sind und Inzidenzzahlen kein Maßstab, der in allen Lebenslagen Sinn macht. Vielen Menschen tut es gut, sich Kunst im Original anzuschauen. Gerade weil noch nicht genug Impfstoff vorhanden ist, sollte die Politik ihnen diese Freude ermöglichen. Beglückende Erlebnisse stärken das Immunsystem.

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