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So war das Rea-Garvey-Konzert in der Jungen Garde

Musiker und Entertainer Rea Garvey verbreitet in Dresden Festivallaune. Und sichert sich live einen Physiotherapie-Termin in Übigau.

Musiker und Entertainer Rea Garvey war am Freitag in Dresden zu Gast.
Musiker und Entertainer Rea Garvey war am Freitag in Dresden zu Gast. © Jürgen Lösel

Irgendwas scheint drin zu sein, im Dresdner Wasser, sagt ein Ire, der am Freitagabend gegen 20.10 Uhr eine gut gefüllte Junge Garde kollektiv jubelnd vor sich sieht. Bereits gegen 20.03 Uhr hatte es Rea Garvey mit seiner bloßen Präsenz geschafft, den Leuten ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. In seiner modischen Jogginghose tanzt er so ausschweifend und schamlos über die große Bühne, als wäre er allein zu Haus, vielleicht im Wohnzimmer, mit zugezogenen Vorhängen. Kein Wunder, dass die meisten Besucher der Freilichtbühne sich prompt an frühere Live-Tanzstunden erinnern.

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„Wir haben hier immer die geilsten Konzerte“, freut sich Rea Garvey. „Die Energie ist immer sofort: Boom!“. Und natürlich kommt der Mann auch gleich auf die letzten Kulturmonate zu sprechen: „Wir haben ja so ziemlich alles erlebt. Ich stelle auch nichts mehr infrage. Ich liebe es einfach, eure strahlenden Gesichter zu sehen.“ Infrage stellt man auch Garveys Sprachmix aus Deutsch und Englisch nicht wirklich. „Es ist so eine fucking crazy Zeit, aber irgendwie liebe ich den Kampfgeist, den wir in uns gefunden haben.“

Dass sich Rea Garvey manchmal nicht entscheiden kann zwischen sehr überzeugend singen und exzessiv tanzen, davon lässt man sich gerne, vor allem in diesen Zeiten, anstecken. Nur die irische Haarpracht scheint etwas im Weg zu sein. „Die Matte muss irgendwann weg, ganz ehrlich. Meine Frau würde mich aber deswegen verlassen und deswegen bleibt es so.“

Rea Garvey feiert mit seinen Fans in der Jungen Garde.
Rea Garvey feiert mit seinen Fans in der Jungen Garde. © Jürgen Lösel

Dass das Euphorie-Level über fast das gesamte Konzert erhalten bleibt, dafür sorgt nicht nur Garveys Animations-Talent, sondern auch eine ausgeklügelte Liederliste. Eine auf aktuelle Hörgewohnheiten abzielende Mischung aus eigenen Songs und ausgewählten Hits anderer Künstler – zum Beispiel „Wonder“ von Shawn Mendes und „Wake Me Up“ von Avicii. Insgesamt entsteht so zwar ein fast beliebiger Popmusik-Cocktail. Doch das Garvey-typische Entertainment überstrahlt einfach alles.

Aus Dresden? Nein. Aus Übigau

Der medienpräsente Ire ist eben nicht gerade der unsympathischste Zeitgenosse auf Erden. „Wir lassen jetzt gemeinsam los“, sagt er. „Egal ob der Chef da vorne steht oder der Nachbar. Und wenn ihr das Gefühl habt, dass es euch peinlich ist, dann braucht ihr nur mich angucken, dann ist das Gefühl weg.“ Die Musik wird bei alldem beinahe zur Nebensache und Garvey scheint sich dessen bewusst zu sein, dass viele auch wegen seines Bekanntheitsgrades den Weg zum Konzert gefunden haben. „Jetzt merkt ihr bestimmt: Ja, die Musik, die kenne ich zwar nicht, aber ich finde das irgendwie gut.“

Zur aktuellen Garvey-Spätsommer-Show gehört auch ein Ausflug aufs Sofa. Mit seinen „Yellow Jacket Sessions“ hatte Rea Garvey seit März 2020 viel Erfolg im Internet, lud Talente und Gäste für Interviews ein. Es sollte nur eine zeitweilige Lösung sein, „Until the shit is over!“, wie Rea Garvey es mal ausdrückte. In Dresden holt er sich zwei Physiotherapeuten auf die Couch, ein Chef mit seiner Angestellten, wie sich herausstellt. „Ihr seht ja, dass ich Probleme habe. Ich kriege die Beine nicht gerade, deswegen muss ich so tanzen“, witzelt Garvey. „Und ich finde es schön, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Abend zusammen verbringen. Ich habe ja auch meinen Chef geheiratet. Auf die Frage, ob die beiden aus Dresden kommen, sagen sie verneinend: „Aus Übigau.“ Man schmunzelt und lässt den Iren im Unklaren darüber, dass Übigau von der Jungen Garde aus in einer guten Viertelstunde mit dem Auto zu erreichen ist.

Mit einer überzeugenden Akustik-Version seines Hits „Supergirl“ spielt und singt sich Rea Garvey derweil wieder in Herzen vor allem derjenigen, die den 48-jährigen Musiker und seine damalige Poprock-Band Reamonn seit der Jahrtausendwende kennen. Und nach einem Weitsprung zur neuen Single nimmt Rea Garvey sein Publikum mit auf eine Reise auf die immergrüne Insel. „Dorthin, wo mein Herz lebt, nach Südirland“. Das Lied „The Irish One“ lässt erahnen, dass selbst die starke Sehnsucht nach Live-Konzerten noch von anderen Sehnsüchten überstrahlt werden kann.

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