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Staatskapelle mit edlem Programm

Gastdirigent Chung führt das Orchester mit Musik von Fauré, Dvorák und Brahms zu blitzenden Lichtern und packendem Seelentanz.

Myung-Whun Chung, leitete erneut als Gastdirigent ein Konzert der Staatskapelle.
Myung-Whun Chung, leitete erneut als Gastdirigent ein Konzert der Staatskapelle. ©  PR

Von Jens-Uwe Sommerschuh

Myung-Whun Chung, seit fast neun Jahren Erster Gastdirigent der Staatskapelle, hat stets spürbare Akzente gesetzt. Beim 11. Sinfoniekonzert, das am Freitagabend vom MDR live übertragen wurde, führte er die Dresdner mit der ihm eigenen Hellhörigkeit durch Gabriel Faurés „Pelléas et Mélisande“. Der Franzose war der erste von vielen, die das Drama des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Maurice Maeterlinck vertonten, eine feinsinnige Melange aus symbolistischer Metaphorik und impressionistischem Licht- und Schattenspiel. Fauré schuf ab 1898 mehrere Fassungen. Die vierteilige Suite, die hier erklang, wurde erst 1912 in Paris uraufgeführt.

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Nuancierte Stimmen der Blechbläser

Chung lenkte die geschmeidig aufspielende Kapelle sensibel durch das Prélude, ließ Klangschleier schweben und wallen. Diese Leichtigkeit schrieb er im kreisenden Andantino fort. Die folgende Sicilienne ist ein lichterfüllter Seelentanz mit weißgolden blitzenden Harfenakkorden und Flötengesang. Im Finale um Mélisandes gewaltsamen Tod wehte dunkles Tuch. Per Crescendo blies Chung sentimentale Nebel weg und signalisierte mit den nuancierten Stimmen der Blechbläser: Alles Sein bleibt rätselhaft.

Mit Antonín Dvoráks e-Moll-Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, dessen neunter, setzte Chung eine andere Qualität der Kapelle in Szene: die Synthese aus warmem, raffiniert getöntem Samtklang und forschem Zugriff. Dvorák, seit Herbst 1892 in New York tätig, wo ein Jahr später seine Neunte in der Carnegie Hall ihre triumphale Uraufführung erlebte, wusste, dass Besonderes erwartet wurde. Er bekannte aber, dass das tschechische Musik sei und bleibe. Er habe sich lediglich bemüht, sagte er im Duktus jener Zeit, „the spirit of Negro and Indian music“ einfließen zu lassen.

Stehende Ovationen

Chung sah davon ab, folkloristischen Elemente allzu sehr zu forcieren. Er betonte die dynamische, packende Dramaturgie, zelebrierte das berückende Englischhornsolo – grandios Volker Hanemann – als magischen Dreh- und Angelpunkt. Stehende Ovationen und eine mitreißende Zugabe: Brahms, Ungarischer Tanz Nr. 1. Ein tolles Konzert.

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